Steglitz-Zehlendorf

Zickzack-Markierung: Das ist Berlins absurdester Radweg

An der Leo-Baeck-Straße sollen Radfahrer Zickzack fahren. Stadträtin Schellenberg: "Das hat die Firma nicht so ausgeführt wie gedacht."

Das ist Berlins absurdester Radweg

Nein, dies ist kein analoges Tetris-Spiel von Schülern. Dies ist ein Fahrradweg auf der der Leo-Baeck-Straße in Steglitz-Zehlendorf.

Das ist Berlins absurdester Radweg

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Berlin. Eine ganz besondere Herausforderung sind am Mittwoch nicht nur die 36 Grad im Schatten. Auf der Zehlendorfer Leo-Baeck-Straße gibt es für Radfahrer noch eine weitere schweißtreibende Herausforderung: offenbar der Radweg 4.0. Neu und einzigartig in seiner Zickzack­linie, führt er vom Beginn der Leo-Baeck-Straße bis vor die Schweizerhof-Grundschule am Teltower Damm. Was soll das sein? Ein neuer Mario-Par­cours aus dem Videospiel? Eine Trainingsstrecke für die Verkehrsschule? Hindernisfahren für erprobte Radler?

Unter den Blicken einiger Schaulustiger mache ich am Mittwochmittag den Test. Kräftig antreten, Schwung holen, abbremsen. Mit wackligem Vorderrad die Ecke nehmen, einmal treten, in die nächste Ecke wackeln. Auf der kurzen Geraden wieder Schwung holen, bevor fünf Meter weiter die nächste Ecke kommt. Will man tatsächlich innerhalb der weißen Linie bleiben, ist schon etwas Geschick gefordert. Ich fahre selten Fahrrad und kann das nicht bieten. Nach einigen Hundert Metern und unzähligen Zickzackkurven komme ich auf der Zielgeraden vor der Schweizerhof-Grundschule an – vom Fahrtwind kein bisschen abgekühlt.

Die neue Markierung auf dem Gehweg für Radfahrer sind am Dienstag aufgebracht worden. Um 8 Uhr hätten die Arbeiter angefangen, erzählt Anwohner Dieter Otte. Alles mit Rädchen vermessen und dabei geschmunzelt, als ob sie es auch nicht so recht glauben wollten. Am Mittwochmorgen haben die Anwohner dann das fertige Resultat gesehen. Nachbarin Waltraud Homberger rief sofort im Bezirksamt an, sechsmal wurde sie durchgestellt, bis sie bei einem ahnungslosen Mitarbeiter im Tiefbauamt landete, der den Weg auch nur „komisch“ fand und sich erkundigen wollte.

Die Reaktionen: „Hirnrissig“, „Zumutung“, „Katastrophe“

Auf der Straße und in den sozialen Netzwerken kam es zu deutlicheren Worten. „Hirnrissig“, „Zumutung“, „Katastrophe“ riefen Anwohner und vorbeikommende Radfahrer. Auf Facebook wurden Fotos gepostet, die sich im Nu verbreiteten und Debatten entfachten. Gemutmaßt wurde, dass es sich um ein Fake-Foto handele, um einen Schildbürgerstreich oder um Kunst. Von Verwaltungsversagen wird auch hier gesprochen.

Denn verantwortlich für den Zickzackweg ist das Tiefbauamt des Bezirks Steglitz-Zehlendorf. Dort wird die Schuld gleich weitergeschoben: „Das hat die Firma nicht so ausgeführt, wie gedacht“, sagt Maren Schellenberg (Grüne), Stadträtin für Umwelt und Tiefbau, am Mittwoch. Eigentlich sei es eine Tempo-30-Zone, in der kein Fahrradweg angeordnet werden dürfe. Doch auf den Bürgersteigen habe es schon länger eine Markierung gegeben, die an den Bäumen vorbeiführte.

Beauftragte Firma soll eigenmächtig gehandelt haben

Das sei nie ein Fahrradweg gewesen, sondern nur eine Orientierungsmarkierung für Schüler, die die Schweizerhof-Grundschule besuchen. Denn Kinder unter acht Jahren müssen mit dem Rad auf dem Gehweg fahren und sollen dabei nicht mit den Fußgängern kollidieren. Es handele sich also um einen Radweg für Kinder auf dem Weg zur Schule. Im jüngsten Ausschuss für Umwelt und Verkehr hätten nun Eltern darum gebeten, die alte „Orientierungslinie“ für die Kinder nachzuziehen. Das Gremium habe zugestimmt. Darauf sei der Auftrag an eine Firma herausgegangen, die Markierung zu erneuern. Warum diese die Zickzacklinie aufgemalt habe, wisse man nicht.

Da habe die Firma eigenmächtig gehandelt. „Die Markierung wird nicht bleiben“, sagt Schellenberg. Spätestens nach der Sommerpause werde sie geändert. Das hoffen auch die Anwohner. Davina Prachnau ist mit Sohn Jurek und Hund Sam in der Leo-Baeck-Straße unterwegs. Sie muss den Kinderwagen in die Büsche lenken, weil der Platz neben der weißen Linie für Fußgänger nicht ausreicht. Doch es gibt nicht nur Kritiker: Der elfjährige Max findet den neuen Zickzackfahrradweg „echt cool“ und fährt ihn gleich zweimal ab.

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