Vorstellung des Projekts

Geschützte Radspur auf der Siegfriedstraße - Anwohner wütend

Bei einer Infoveranstaltung wurde heiß über den Wegfall von Parkplätzen diskutiert. Das Publikum war in zwei Lager gespalten.

Die Simulation zeigt, wie die Siegfriedstraße der Zukunft aussehen soll.

Die Simulation zeigt, wie die Siegfriedstraße der Zukunft aussehen soll.

Foto: Changing Cities

Berlin. Fuß-, Rad- und öffentlicher Nahverkehr haben bei Neuplanungen Vorrang. So schreibt es das im Sommer 2018 verabschiedete Mobilitätsgesetz vor. Dazu stellen sich aktuell die Lichtenberger Bürger die Frage nach Parkplätzen oder Radstreifen, denn im Bezirk findet mit der geschützten Radspur in der Siegfriedstraße die erste konkrete Auseinandersetzung um die Gestaltung der Verkehrswende in Berlin statt.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind noch nicht alle Fragen abschließend geklärt, deshalb sollten die Anwohner bei einer Einwohnerversammlung am Dienstagabend in die Planung einbezogen werden. Die etwa 500 Meter lange Radspur auf Höhe der Bornitzstraße bis zur Rüdigerstraße ist zwar geplant und finanziert, doch die Idee einer umweltfreundlichen Mobilität kommt bei vielen Anwohnern nicht an. So auch bei der von Bezirksstadtrat Wilfried Nünthel (CDU) moderierten Infoveranstaltung in der Mensa der Selma-Lagerlöf-Schule.

"Wir wollen unsere Siegfriedstraße behalten wie sie ist", so der Tenor der autofahrenden Fraktion, die ihre Empörung lautstark, manchmal auch beleidigend kundtaten. Dass Ausweichparkplätze in der Rüdigerstraße geschaffen werden sollen, kann sie nicht überzeugen. Diese würden bei weitem nicht ausreichen. Sie möchten dagegen, dass der Radweg auf den Bürgersteig verlegt wird. Doch dieser ist nicht breit genug, um einen - wie im Mobilitätsgesetz vorgeschriebenen - zwei Meter breiten Radweg zu bauen, ohne Bäume zu fällen.

Pollerschutz aus Stauauslöser

Ein weiteres Ärgernis für Autofahrer ist der Pollerschutz: Durch ihn wäre es nicht mehr möglich, an den auf die Einfahrt in ihren Betriebshof wartenden Straßenbahnen vorbeizufahren. Das würde einen zusätzlichen Stau verursachen. Die Poller würden ihn an die Teilung Berlins erinnern, sagt ein anderer Anwohner, der ansonsten nichts gegen den Radweg hat. Er bittet nur darum, den Plan noch einmal gründlich zu durchdenken und eine Risikoanalyse durchzuführen.

Das Netzwerk Fahrradfreundliches Lichtenberg, Teil von Changing Cities und unterstützt vom ADFC Lichtenberg, setzt sich dagegen für eine schnelle Umsetzung der geschützten Radspur ein. „Seit Jahrzehnten ist der motorisierte Individualverkehr das Maß aller Dinge in der Verkehrsplanung. Wenn die Radfahrenden dann 2,5 Meter in einer Straße für sich beanspruchen, wirkt das für manche wie ein Affront. Dabei wollen wir nur eine etwas gerechtere Aufteilung der Straße, weil es zwischen Autotür und Tram - wie in der Siegfriedstraße - für alle definitiv zu gefährlich ist. Wir weisen nur darauf hin, dass es kein gesetzliches Recht auf Parken gibt, erst recht nicht vor der Haustür”, argumentiert Mattes Groeger, Sprecher des Netzwerks.

Doch bis zu einer Verkehrswende ist es noch ein sehr langer Weg, so der Gesamteindruck der Lichtenberger Veranstaltung, denn das Verständnis für den Bau dieser Radspur ist bei den Autofahrern nicht vorhanden. "Absolute Farce", schimpft einer von ihnen beim Verlassen der Veranstaltung.

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