Reinickendorf
Kriminalstatistik

Wo es in Reinickendorf gefährlich ist

Die Polizei hat Regionaldaten zur Verteilung der Straftaten veröffentlich. Die Morgenpost nennt die wichtigsten Fakten.

Im vergangenen Jahr gab es 178 Wohnungseinbrüche in Hermsdorf und Frohnau.

Im vergangenen Jahr gab es 178 Wohnungseinbrüche in Hermsdorf und Frohnau.

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Reinickendorf. Wie kein anderer Bezirk spiegelt Reinickendorf in Sachen Kriminalität die Situation Gesamtberlins im Kleinen wieder. Grund ist die Sozialstruktur im Norden der Stadt. Hier liegt die ruhige Wohngegend der gehobenen Kategorie neben dem sozialen Brennpunkt, die Entfernungen zwischen Kiezen mit pulsierendem Nachtleben nebst Begleiterscheinungen und Siedlungen mit nahezu dörflichem Charakter sind gering. Und der gerade veröffentlichte Kriminalitätsatlas enthält über den gesamten Bezirk verteilt alle Bereiche dessen, was die Polizei als strafbare Handlungen bezeichnet.

30.093 Straftaten hat die Polizei im Jahr 2017 in Reinickendorf registriert. Das entspricht 11.456 Delikten pro 100.000 Einwohner. Diese sogenannte Häufigkeitszahl verwendet die Polizei, um Vergleiche zwischen Stadtteilen mit hoher und solchen mit geringer Einwohnerzahl zu ermöglichen. Für Reinickendorf heißt dies beispielsweise, dass in Stadtteilen wie dem Märkischen Viertel weitaus mehr Straftaten verübt werden als im eher dünn besiedelten Tegel-West oder Heiligensee.

Knapp 5200 Straftaten allein in Tegel-Süd

Speziell in Reinickendorf gibt es Stadtteile, wo einzelne Kriminalitätssparten berlinweit besonders häufig vorkommen. Und das sind nicht zwingend die Brennpunkte, die für ein überdurchschnittlich hohes Aufkommen an Straftaten bekannt sind. Die Gleichung ruhige Wohngegend/geringe Kriminalität – sozialer Brennpunkt/hohe Kriminalitätsrate geht hier nicht auf. Eine Aufteilung wird in anderer Weise deutlich. An den Brennpunkten dominiert die klassische Straßenkriminalität, in den bürgerlichen Wohnlagen sind es eher die Eigentumsdelikte.

Die meisten Straftaten wurden mit 5197 Delikten im vergangenen Jahr in Tegel-Süd mit Kurt-Schumacher-Platz, Scharnweberstraße und Flughafensee registriert. Das entspricht einer Häufigkeitszahl von 33.868 Taten auf 100.000 Einwohner. Es folgen das Märkische Viertel (3519 Straftaten), der Bereich um die Auguste-Viktoria-Allee (3434), Alt-Reinickendorf (3323) und die statistisch zusammengefassten Stadtteile Waidmannslust, Wittenau und Lübars (3286.) Die wenigsten Straftaten gab es im Rollbergviertel (939) und in Heiligensee (946 Delikte, Häufigkeitszahl: 3988 Taten auf 100.000 Einwohner).

Stadtrandsiedlungen nach wie vor Ziel von Einbrecherbanden

Wie in nahezu allen Bezirken schlägt auch in Reinickendorf kein Delikt häufiger zu Buche als der Diebstahl. An der Spitze liegt auch hier das Märkische Viertel (1412 Delikte), gefolgt von Alt-Reinickendorf (1303) und der Region Waidmannslust/Wittenau/Lübars (1257). Aber auch der bürgerliche Norden des Bezirks mit Frohnau und Hermsdorf mit deutlich geringerer Einwohnerzahl kommt noch auf 918 erfasste Taten. Am wenigsten gestohlen wird in Heiligensee, dort gab es 2017 gerade mal 397 Fälle.

In einem anderen Bereich der Eigentumskriminalität nehmen die Stadtteile Hermsdorf und Frohnau schon seit Jahren einen Spitzenplatz ein, nicht nur im Bezirk sondern in ganz Berlin. 178 Wohnungseinbrüche hat die Polizei hier im vergangenen Jahr aufgenommen, kein anderer Stadtteil im Norden kommt auf eine vergleichbare Zahl. Die gutbürgerliche Gegend mit ihren vielen Einfamilienhäusern lockt seit jeher organisierte Einbrecherbanden an, hier vermuten sie, zweifellos nicht zu Unrecht, reichere Beute als in irgendwelchen Hochhaussiedlungen.

Aktiv sind die zumeist aus Osteuropa stammenden Banden nach wie vor. Das dennoch seit 2014 ein leichter aber kontinuierlicher Rückgang der Taten zu verzeichnen ist, zeigt nach Einschätzung der Polizei, dass die Bewohner ihre Vorkehrungen zum Einbruchschutz verbessert haben. Auch gezielte Ermittlungen gegen die Banden und eine höhere Polizeipräsenz zeigen Erfolge. Die wenigsten Einbrüche wurden in Heilengensee (66) und im Bereich Tegel-West (22) begangen, was vor allem daran liegt, dass der kaum bewohnte Tegeler Forst die Hälfte dieses Areals ausmacht.

Die meisten Körperverletzungen im Märkischen Viertel

Unter den Gewaltdelikten dominiert unangefochten die Körperverletzung. Die meisten Fälle wurden auch hier im Märkischen Viertel erfasst (529). Häufig geprügelt wird auch im rund um die Auguste-Viktoria-Allee (429) und im Bereich Waidmannslust/Wittenau/Lübars (385). Die wenigsten Vorfälle gab es mit 77 Taten auch in diesem Bereich in Heiligensee.

Der soziale Brennpunkt Märkisches Viertel verzeichnet in der Gewaltkriminalität auch die meisten Delikte im Bereich Nötigung/Bedrohung (199 Fälle). Die intensive Präventionsarbeit der Polizei, aber auch der Jugendämter hat zuletzt einen weiteren Anstieg verhindert, die Zahlen stagnieren aber auf hohem Niveau. Mehr Präventionsarbeit, die nicht nur im Märkischen Viertel sondern auch anderswo im Bezirk nötig wäre, scheitert zumeist am fehlenden Personal.

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