„Das war eine achtmonatige emotionale Achterbahnfahrt – heiß, kalt, lauwarm“, erzählt Sindy Kliche. „Immerhin fällt man nicht mehr aus Wolke sieben“. Sie hat versucht, was man versuchen konnte. Gemeinsam und voller Leidenschaft, mit vielen Unterstützern. Und doch gelang es der WATT-Bar nicht, sich dem Sog der Gentrifizierung zu entziehen, muss jetzt aufgeben. Am kommenden Samstag, 30. August, öffnet die beliebte und so traditionsreiche Kneipe im Kollwitzkiez in Prenzlauer Berg zum letzten Mal. Allen Appellen an die Eigentümer des Eckhauses in der Metzer Straße Ecke Straßburger Straße, allem Medienecho, allem Protest zum Trotz. Es ist vorbei – das bestätigte Betreiberin Kliche der Morgenpost.

Donnerstag

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Zwar laufe ihr Mietvertrag erst Ende September aus, „aber ich muss ja anfangen zusammenzupacken, das geht nicht von jetzt auf gleich“, sagt Kliche. Wer ganz konkret aufs WATT folgen soll, weiß sie nicht. Offenbar soll es sich um ein Delikatessengeschäft handeln. Ein entsprechender Mietvertrag sei unterschrieben.

Watt-Bar
Seit 2015 betrieb Sindy Kliche in dem Eckhaus in Prenzlauer Berg das WATT. Die Eigentümer sind nicht zu einer Fortführung bereit.© Berliner Morgenpost | Sebastian Struwe

WATT-Bar in Prenzlauer Berg: Kein Entgegenkommen der Eigentümer

Damit kommt es zum Bruch mit der über 100-jährigen Geschichte der kunst- und kulturbetonten Eckkneipe, in der unter verschiedenen Betreibern und Namen Kreative, Künstler und Schriftsteller zusammenkamen. Natürlich auch die Nachbarn. Die Eigentümer, selbst Kulturschaffende, waren Kliche zufolge nicht zu einer Einigung zu bewegen. Dass es um die Existenz ihrer Gaststätte gehen würde, ist Kliche seit Dezember klar gewesen. Seitdem setzte sich die eigens von Kulturschaffenden und Gästen gegründete Initiative „WATT retten“ für den Erhalt der Bar sein.

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Es folgten unter anderem eine von über 10.000 Menschen unterschriebene Petition, stiller Protest vor der Gaststätte, großer Andrang und Unterstützung zur Fête de la Musique. Mehfach gab es Versuche, mit den Eigentümern ins Gespräch zu kommen, sich auf neue Konditionen zu verständigen. Kurzzeitig flammte Hoffnung auf, als die zuständige Hausverwaltung laut Kliche ihre Bereitschaft bekundete, sich für eine Einigung einzusetzen. Doch sie verpuffte schnell. Im Sommer bekam Kliche eine schriftliche Erinnerung zur Vereinbarung eines Übergabetermins.

Protest vor WATT-Bar Prenzlauer Berg
Im Mai versammelten sich Dutzende Unterstützer zum zweiten Mal zum stillen Protest vor der WATT-Bar in Prenzlauer Berg.© Berliner Morgenpost | Sebastian Struwe

Kneipe im Kollwitzkiez schließt: „Habe nicht mit so viel Solidarität gerechnet“

„Es ist mir ein Bedürfnis, mich bei allen Unterstützern, für das große Engagement, zu bedanken“, sagt sie. „Die Monate seit Dezember haben sich total gelohnt. Ich habe nicht mit so viel Solidarität gerechnet und tolle Leute kennengelernt, woraus wiederum wunderbare Aktionen und Veranstaltungen entstanden sind“. Nun gelte es, einen „sauberen Cut“ zu ziehen und noch ein paar gute Abende miteinander zu verbringen. In den Monaten danach will Sindy Kliche erstmal zur Ruhe kommen. „Ich habe Ideen für die Zukunft, muss für alles Weitere aber erstmal beide Hände freihaben“, sagt sie.

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Am Mittwochabend finden im WATT Lesungen statt. Am Donnerstag legen der Künstler Jim Avignon und der Radio1-Moderator Olaf Zimmermann am DJ-Pult auf – und zum großen Finale am Samstag eine Reihe weitere DJs, die hier schon in der Vergangenheit gespielt haben. „Wir feiern Open End, bis man vom Barhocker fällt“, verspricht die Betreiberin.

Und dann ist da noch eine allerletzte Kunstaktion. Als Dankeschön an alle, die sich für die WATT-Bar eingesetzt haben. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Die Auflösung erfährt man voraussichtlich ab Ende der ersten Septemberwoche. Dort, wo sich das WATT befand.