Bars und Kneipen haben in Berlin einen schweren Stand, seitdem nach den Corona-Lockdowns eine Energiekrise und eine Rekord-Inflation über die Wirte hereinbrachen. Doch das Drama um das „Blackland“ in Prenzlauer Berg sticht aus dieser Gemengelage noch einmal hervor. Seit mehr als einem Jahr konnte Fred Gantenberg sein Metal-Lokal im Ernst-Thälmann-Park nicht mehr für Gäste öffnen.

Seit einem Brand im Sommer 2021 wartet der 60-Jährige auf die Regulierung des Schadens – und liegt dabei im Clinch mit dem Bezirksamt Pankow, dem der denkmalgeschützte Pavillon gehört. Dort kündigt Bürgermeister Sören Benn (Linke) eine Lösung an. Und dementiert, dass es im Bezirk die Absicht gibt, die Kult-Bar loszuwerden und den Mietvertrag mit dem Wirt zu beenden.

Inzwischen hat sich auch Linken-Urgestein Gregor Gysi eingeschaltet, um im Sinne des „Blackland“ zu vermitteln. Während nun hinter den Kulissen tatsächlich die Klärung läuft, traf die Berliner Morgenpost Gantenberg in seinem stark beschädigten Lokal. Das Interieur ist noch schwarz von Ruß und schwer gezeichnet durch die Folgen des Feuers und mehrere Einbrüche. Der stämmige Metal-Mann, der freundschaftliche Kontakte zu Rammstein-Star Til Lindemann pflegt, schöpft seinen Optimismus aus einer Online-Petition mit inzwischen über 7000 Unterstützern für die Rettung der Kneipe. Und betreibt inzwischen einen Party-Bus, den man über die Internetseite der Bar für Privatfeiern buchen kann – sozusagen ein „Blackland“ auf Rädern.

Berliner Morgenpost: Herr Gantenberg, wie ist die Lage des Blackland derzeit?

Im Blackland sieht es leider ziemlich wüst aus, wie Sie sehen. Es hat Vandalismus-Vorfälle gegeben. Unbekannte haben die Scheiben eingeschlagen. Hier übernachten Obdachlose, es gibt illegale Partys. Es ist leider so, dass wir seit über einem Jahr geschlossen haben und sich niemand wirklich um die Schäden gekümmert hat. Das Bezirksamt Pankow als Vermieterin der Räume hat lange nicht mit uns geredet. Nach Medienberichten über unseren Fall wurden nun aber zum Glück erste Gespräche geführt. Der Bezirk will nun versuchen, das Blackland so schnell wie möglich zu sanieren.

Warum konnte die Bar auch über ein Jahr nach dem Brand nicht saniert werden?

Es gibt einen Streit um die Lüftungsanlage. Sie wurde mit dem Gebäude zusammen gebaut, sie kam nicht nachträglich rein. Deshalb gehört sie zum Gebäude – und deshalb wäre aus unserer Sicht auch die Gebäudeversicherung des Bezirks dafür zuständig. Aber die Versicherung sah den Fall anders. Und deswegen kamen wir mit der Regulierung des Brandschadens seit Monaten kein Stückchen weiter.

Ein Versicherungsstreit nach einem Brandschaden in der Metal-Bar "Blackland" in Prenzlauer Berg könnte die endgültige Schließung bedeuten - doch nun bekennt sich auch das Bezirksamt Pankow zu der bedrohten Kneipe.
Ein Versicherungsstreit nach einem Brandschaden in der Metal-Bar "Blackland" in Prenzlauer Berg könnte die endgültige Schließung bedeuten - doch nun bekennt sich auch das Bezirksamt Pankow zu der bedrohten Kneipe.© Thomas Schubert

Was müsste geschehen, damit das „Blackland“ wiederbelebt wird, wie es in einer Online-Petition gefordert wird?

Es müsste jemand bei der Klärung des Versicherungsstreits auf den Tisch hauen und sagen: So geht das nicht. Einer muss jetzt entscheiden, wie der Schaden an der Lüftungsanlage beglichen wird. Brandschutz-Experten sagen uns jedenfalls: Wenn die Anlage nachträglich eingebaut worden wäre, müssten wir uns kümmern. Aber es ist ja nicht der Fall. Die Anlage war von Anfang an drin – bevor es unsere Bar in diesem denkmalgeschützten Gebäude des Thälmannparks gab. Deshalb liegt der Ball nicht bei uns.

Lässt sich sagen, wie hoch der Schaden an der Immobilie ist?

Nein, bis jetzt konnte man das nicht genau ermitteln. Ich habe vorgeschlagen, mich an der Schadensbehebung zu beteiligen und die Lüftungsanlage auf eigene Kosten herauszureißen. Es wurde mir aber verweigern – weil mir das Haus nicht gehört. So kommen wir nicht weiter.

Schwärzer als gewollt: Fred Gantenberg kann die Räume seiner Bar in Prenzlauer Berg seit über einem Jahr nicht nutzen. Ruß und Rauchgestank hängen in den Denkmal-Räumen.
Schwärzer als gewollt: Fred Gantenberg kann die Räume seiner Bar in Prenzlauer Berg seit über einem Jahr nicht nutzen. Ruß und Rauchgestank hängen in den Denkmal-Räumen.© Thomas Schubert

Wie hoch ist die Gefahr, dass das „Blackland“ für immer verloren ist?

Schwer zu sagen. Ich habe ja eine Petition gestartet – und die Ergebnisse machen uns viel Mut. Obwohl ja nur etwa 200 Leute in die Kneipe passen, haben sich online mehr als 7000 Unterstützer gefunden, die das Blackland retten wollen. Darunter Prominente. Till Lindemann und Sophia Thomalla waren ja früher selbst hier. Boss Hoss hatte hier Auftritte. Auch die Box-Stars Regina Halmich und Axel Schulz kämpfen für das Überleben unserer Bar. Das ist der Hammer.

Wie geht es ihnen persönlich, nun da ihre Kneipe seit über einem Jahr zu ist?

Ich habe ganz einfach kein Geld mehr verdienen können mit dem Lokal. Aber ich habe letztes Jahr einen Bus gekauft und den zum Party-Bus umgebaut. Dieses Gefährt kann man mieten und damit durch Berlin kurven. Da passen bis zu 25 Leute rein, die dank der Musikanlage abfeiern können. An der Seite steht „Blackland support“ darauf - so setzen wir für die Rettung der Bar ein Zeichen. Der Bus stand leider schon in der Werkstatt und kostet derzeit mehr Geld als er einbringt – aber irgendwas muss man ja machen, wenn die Kneipe zu ist.

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