Wo Margot Friedländer begraben liegt, da soll das Vermächtnis der Holocaust-Überlebenden auf unvergleichliche Weise in Erscheinung treten. Womöglich spricht die Frau, die das Konzentrationslager Theresienstadt überlebte und nach ihrer Rückkehr nach Berlin die Versöhnung suchte, an einer prominenten Straßenecke bald als Hologramm. Mit diesem ungewöhnlichen Vorstoß jedenfalls will die Pankower CDU-Fraktion einsteigen in die Debatte darüber einsteigen, wie und wo man in Berlin auf würdige Weise an die Jahrhundertbiografie Margot Friedländers erinnert. Und das auf technologisch fortschrittlichste Weise.

Donnerstag
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Während in Charlottenburg-Wilmersdorf oder Kreuzberg Überlegungen für eine klassische Straßen- oder Platzbenennung laufen, führt die Idee aus Pankow in eine andere Richtung: „Um ihr Andenken zu bewahren, wollen wir ein digitales Gedenkformat schaffen, das Begegnung möglich macht. Ein Ort, der nicht nur erinnert, sondern ins Gespräch bringt. Für das ,Nie wieder‘, das heute gelebt werden muss“, erklärt die CDU-Verordnete Aileen Weibeler ihren Antrag, den Pankows Bezirksverordnete nach der Sommerpause beraten sollen. „Margot Friedländer hat unermüdlich gemahnt und erinnert. Doch was bleibt, wenn die letzten Zeitzeugen nicht mehr sprechen können? Heute liegt ihre letzte Ruhestätte bei uns in Pankow – das soll uns Ehre und Verpflichtung sein.“
Mit Margot Friedländer sprechen – dank Künstlicher Intelligenz
Auch nach dem Tod im Alter von 103 Jahren und der Beisetzung auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee soll eine Berührung mit Friedländers Schicksal mithilfe von Digital-Technologie möglich sein, so lautet der Plan. Vorbilder sind etwa die Projekte der USC Shoah Foundation oder der Filmuniversität Babelsberg, bei denen Besucher interaktiv Fragen an KI-gestützte Zeitzeugen-Installationen oder Hologramme richten können. Denkbar sei laut Antrag die Integration solcher digitalen Lösungen auch im Bezirk Pankow, um eine „neue, innovative Form des Gedenkens ohne Zeitzeugen“ zu realisieren.
Margot Friedländer habe sich selbst zu Lebzeiten als Hologramm darstellen lassen – explizit, um den Generationen nach ihr Rede und Antwort zu stehen, so argumentiert die CDU. Ihr Vermächtnis soll in Pankow damit in zeitgemäßer Form gewahrt werden. Und auch wenn die KZ-Überlebende nicht mehr selbst über ihre Erfahrungen berichten kann, so soll eine solche Installation doch denjenigen Antwort geben, die danach fragen.
Möglicher Ort für Hologramm-Projekt in Pankow: der Jüdische Friedhof Weißensee
Welcher Platz in Pankow für ein digitales Friedländer-Erinnerungsprojekt infrage kommt, dazu will die CDU-Fraktion der Debatte nicht vorgreifen. Man habe im Antrag zunächst bewusst keinen konkreten Vorschlag gemacht, wie Initiatorin Aileen Weibeler betont: Mitsprache haben soll vor allem die Familie und die Margot-Friedländer-Stiftung, wobei den Verantwortlichen dort das Veto überlassen bleiben soll, welcher Ort angemessen und würdig erscheint.
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„Für uns steht fest: Es muss ein Ort sein, der für alle frei zugänglich ist“, sagt Weibeler. „Wir können eine Nähe zu historischen Stätten wie beispielsweise dem Jüdischen Friedhof in Weißensee, wo Margot Friedländer auch begraben wurde, vorstellen. Gelebte Erinnerungskultur geht nicht ausschließlich ins Museum, sondern in einer lebendigen Stadt wie Berlin in die Öffentlichkeit und für jeden kostenlos zugänglich.“
Erinnern an Friedländer – am Kudamm und in Kreuzberg
Parallel zu diesem Gedenkvorschlag aus Pankow läuft die Prüfung einer Straßenbenennung, vorgetragen von der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Würdigen möchte man Friedländer im Bereich der Skalitzer Straße 32, wo sie 1941 einer sogenannten „Judenwohnung“ lebte.
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Doch auch ein Friedländer-Platz am Kurfürstendamm in Charlottenburg-Wilmersdorf steht in Rede, unterstützt von CDU und Grünen im Bezirk. Bestenfalls könnte eine Benennung zum ersten Todestag Friedländers gelingen: dem 9. Mai 2026.




