Eskalierende Konflikte in Berliner Freibädern erhitzen auch jenseits der Hauptstadt die Gemüter. Und nach zwei Massenschlägereien im Sommerbad Pankow in diesem Juni wird nun eine Statistik bekannt, bei denen diese Anlage weit vorne liegt – aber nicht wegen Gewalt. 211 Hausverbote haben die Bäder-Betriebe hier in den vergangenen fünf Jahren erteilt. Mehr als doppelt so viele wie im Sommerbad am Insulaner, das in der Aufstellung der Senatsinnenverwaltung mit 102 Fällen auf Platz zwei liegt. An dritter Stelle rangiert das Columbiabad in Neukölln, wo 94 Besucher nicht mehr erscheinen dürfen. 1287 Hausverbote gab es in Berlin seit 2018 insgesamt.
Am harmlosesten sind laut dieser Fünf-Jahres-Statistik das Strandbad Wannsee (vier Fälle) und das Kinderbad Monbijou, wo immerhin zwei Besucher verbannt wurden. Abgefragt hatte die Zahlen beim Senat der Berliner AfD-Abgeordnete Karsten Woldeit. Allerdings ist bei der Ermittlung auch ersichtlich, dass die Zahl der Vorfälle seit 2018 tendenziell nicht zu, sondern abnimmt. Waren es vor fünf Jahren noch 572 Hausverbote, ging die Zahl bis 2022 auf 133 zurück. Nur in den Jahren 2020 und 2021 mit Corona-Einschränkungen in Bädern fiel die Zahl zwischenzeitlich auf unter 100.
Verstöße gegen die Hausordnung, Beleidigungen und Leistungserschleichungen sind klar die Hauptursachen für die Erteilung von Hausverboten. Körperverletzungen und Bedrohungen waren 2022 nur in sieben beziehungsweise sechs Fällen der Grund.
Hausverbote in Bädern: Berlin erfasst keine „sozioökonomische Hintergründe“

Die Konsequenzen beschreibt Staatssekretärin Nicola Böcker-Giannini so: „Für die Durchsetzung der Hausverbote leiten die Berliner Bäder-Betriebe das entsprechende rechtsstaatliche Verfahren ein, das heißt bei Nichtbeachtung wird ein Strafantrag bei der Polizei gestellt.“
Auch die „sozioökonomischen Hintergründe“ von Personen, die verbannt wurden, wollte die AfD erfragen. Doch der Senat lehnt die Beantwortung ab – wegen fehlender Angaben. Entsprechende Daten würden nicht erfasst.
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Neben einer Schlichtung von Streitigkeiten im Rahmen des Projekts „Cool am Pool“ setzen die Bäder-Betriebe auch auf Hilfe von privaten Sicherheitsdiensten. „Der Einsatz wird in Abhängigkeit der jeweiligen Lageeinschätzung von der jeweiligen Badleitung festgelegt“, erklärt die Staatssekretärin. „In der Regel ist der Einsatz in den Wochen mit herausragendem Sommerwetter und entsprechend hohen Besuchszahlen besonders intensiv.“
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