Italienische Leichtigkeit und mediterrane Lebensart verhieß bislang allein der Name. „Piazza Karow“, diese Ortsbezeichnung für eine halbrunde Steinpiste in einem Pankower Neubaugebiet der Nachwendezeit versprach etwas, das die karge Verbindung von grauem Pflaster, zu wenigen Bänken und Fahrradbügeln vor einer Ladenzeile nie halten konnte. Nun, ganze fünf Jahre nach dem Beschluss, den Stadtplatz und Stadtmittelpunkt von Karow-Nord an der Achillesstraße lebendiger zu gestalten, kommen tatsächlich Verbesserungsmaßnahmen in Gang. Zur Ironie der Geschichte gehört, dass als erstes die lebendigsten Gestaltungsmerkmale weichen: Bäume.
19 klein gewachsene Exemplare schließen in diesen Tagen mit Kettensägen Bekanntschaft, berichtet der Bezirk. Es seien Gehölze, von denen die meisten trotz ihres jungen Alters Schäden aufweisen, heißt es zum Anlass der Fällung. Tatsächlich gehört der Austausch der schütteren Bäumchen gegen stattlichere Exemplare zum Plan, die Steinfläche an der Ecke Bucher Straße endlich aufzuwerten.
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„Mehr Schatten“, das ist eines der Qualitätsmerkmale für diesen Stadtplatz-Umbau, den mehrere Pankower Stadträte mit Anwohnern, Händlern und Akteuren des Stadtteilzentrums Karow ausgehandelt hatten. Ein besonders stattlicher „Solitärbaum“ soll den Ort künftig prägen, hinzu kommen weitere neugepflanzte Bäume. Nicht allein aus optischen Gründen, sondern auch als Lärm- und Sichtschutz an der verkehrsreichen Ecke.
„Piazza“, Wilhelmsruher See, Herthaplatz: Pankow möbelt Problemorte auf
Verbesserung der Aufenthaltsqualität, mehr Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer, eine bessere Ausleuchtung des Platzes bei Dunkelheit, mehr Schatten durch größere Bäume bei gleißendem Sonnenschein – das sind die Fixpunkte der Planung. Gastronomen am Platz werden davon profitieren, dass sie mehr Platz für Schankvorgärten erhalten. Und ein neuer Stromanschluss soll Markthändlern zu Gute kommen. Dass man auf der „Piazza“ etwas kaufen und genießen kann, gehört maßgeblich zum Versuch, südländischen Charme in den Norden von Karow zu zaubern. Ab Frühsommer rücken die Bagger an – allerdings weichen die 19 Alt-Bäume schon jetzt. Ersatz schaffen dann ab Herbst 15 junge Hopfenbuchen und ein Amberbaum.

Parallelen zu diesem Vorhaben finden sich dieser Tage bei einem zweiten Sanierungsprojekt in Wilhelmsruh: Hier zieht sich die Vorgeschichte zur Sanierung des Wilhelmsruher Sees sogar noch länger hin als bei der Karower Piazza. Über zehn Jahre lang mussten Anwohner darauf warten, bis Pankows Umweltamt rund 3 Millionen Euro für die Behebung einer folgenschweren Verödung beschaffen konnte. Fischsterben, Gestank und Verwahrlosung an den Ufern sollen mit Beginn der Sanierungsmaßnahme bald Geschichte sein. Als besonders kostspielig gilt die Entschlammung des Biotops. Aber auch die Maßnahmen an der Oberfläche sind laut Mitteilung der Abteilung von Stadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU) nur mit viel Geld und Baumfällungen zu haben.
See-Sanierung: Bezirk Pankow lässt Terrassen abreißen und durch Bäume ersetzen

Vier Gehölze mussten nun zum Baubeginn weichen – und über noch größere Eingriffe sollte man sich nicht wundern. So erfolgt nun der Abriss der gesamten östlichen und westlichen Aussichtsplattform. Zudem soll die Ufereinfassung aus Betonleisten einem natürlicheren Saum weichen. Als neue Schattenspender will der Bezirk robuste Weiden, Erlen oder Haselnuss pflanzen. Und zum Verweilen entstehen im Westen Steinstufen, auf denen Seebesucher künftig platznehmen dürfen.
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An der Dringlichkeit der Maßnahme lässt der Bezirk keine Zweifel: Der Wilhelmsruher See befinde sich „in einem schlechten ökologischen Zustand. Besonders die Nährstoffüberfrachtung und Verschlammung, sowie fehlende ökologisch wertvolle Uferbereiche sind augenscheinlich große Defizite“, berichtet die Fachabteilung.
Herthaplatz: Duftende Rosenbüsche bleiben von Kahlschlag verschont
Während an der „Piazza“ in Karow und am Wilhemsruher See bereits Sägen zu hören sind, stecken die Planungen für einen Umbau des Herthaplatz in Niederschönhausen noch in einem früheren Stadium. Doch so viel weiß man: Die mindestens 360.000 Euro teure Verschönerung soll zumindest ohne die Zerstörung der stilprägenden Rosenbüsche erfolgen – sie verhelfen dem arg vernachlässigten, baufälligen Kiezmittelpunkt im Sommer zu einer anmutigen Erscheinung.

„Bei der Umgestaltung der Bepflanzung sollen die Rosen erhalten werden und eine neue Einfassung bekommen. Es sind klimaangepasste und bienennährende Pflanzen vorgesehen und der Herthaplatz soll seine ökologische und stadtklimatische Funktion wiedererhalten“, berichtet nun Stadträtin Anders-Granitzki auf Anfrage der Pankower SPD-Fraktion. Als gesetzt gilt die Ertüchtigung von Spiel- und Bolzflächen und das Anlegen von Nachbarschaftsbeeten.
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Dass es dabei zu Eingriffen in den Bewuchs des Herthaplatzes kommt, lässt die Art der Finanzierung aber weiter befürchten. Denn das Fördergeld aus dem Stadtplatz-Programm des Senats ist ausdrücklich an die Neugestaltung von Grünflächen geknüpft. Für neue Spiel- und Sportgeräte muss der Bezirk Pankow also andere Geldquellen finden und nutzen.


