Eine Videokonferenz mit düsteren Nachrichten und ernsten Gesichtern. Eine Online-Schalte zur Not von Waisen, Flüchtlingen, Familien mit Stromknappheit und geretteten Zoo-Tieren – das war der Anfang von etwas, das zu einer der emotionalsten Städtepartnerschaften Berlins werden könnte. Sören Benn, der Bürgermeister des Bezirks Pankow (Linke), und sein Amtskollege Oleksandr Tretyak aus dem ukrainischen Riwne haben sich virtuell die Hände gereicht und erste Schritte für ein Solidaritäts-Bündnis besprochen.
Eben erst hatten Pankows Bezirksverordnete einen Prüfantrag für diese besondere Form einer Städtepartnerschaft in Krisenzeiten beschlossen – schon steckt der Bezirk mitten in einer Hilfskampagne für die westukrainische 250.000 Einwohner-Metropole. Eine Stadt, die seit Monaten alles daran setzt, 20.000 Binnenflüchtlingen vor allem aus dem Osten des kriegsgeschüttelten Landes eine Zuflucht zu bieten.
Besonders berührend: Das Schicksal von Heranwachsenden, die ihre Eltern verloren haben. „Es gibt inzwischen viele Waisen und Halbwaisen des Krieges in Riwne. Bisher haben über 70 Kinder ihre Väter im Krieg verloren und sind traumatisiert“, schildert Benn die Lage. Nun will sich nun dafür einsetzen, dass sie im Frühling und Sommer zur Erholung nach Deutschland kommen können.
Erste Konferenz mit dem Bezirk Pankow – ukrainische Stadt Riwne schildert ihre Not

Während man in Berlin über mögliche Mängel der Katastrophen-Infrastruktur diskutiert, musste Riwne schon alle Register ziehen, um seine Bevölkerung zu unterstützten. So hat die Stadt Wärmepunkte eingerichtet, wo Menschen beheizte Räume finden und Internetzugang bekommen können, wo sie ihre Handys laden und sich gegenseitig helfen. An diesen Wärmepunkten herrsche Bedarf an Kaminöfen, Generatoren und Powerstations, berichtet Benn nach seinem Gespräch mit Bürgermeister Tretyak. Auch Lebensmittelkonserven seien Mangelware.
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Während sich Pankow derzeit mit baustellenbedingten Problemen des Öffentlichen Personennahverkehrs plagt, sind die Zustände in Riwne ungleich schlimmer. Fast die gesamte Busflotte sei für Truppentransporte in den Kampfgebieten rekrutiert worden, berichtet Benn. Entsprechend hoher Bedarf herrsche an Ersatzfahrzeugen, um die Mobilität der Stadt wieder in Gang zu bringen. Auch Rettungswagen, Schneeräumfahrzeuge und Pkw für die örtliche Polizei sind in der Ukraine kaum zu beschaffen.
Ukraine-Krieg: Riwne baut Reha-Zentrum für Kriegsverletzte des russischen Angriffs
Doch am meisten sorgt sich die Stadtverwaltung um die Behandlung von Kriegsverletzten und Traumatisierten in einem künftigen Reha-Zentrum. Hierfür versucht man Betten, medizinische Geräte und Verbrauchsmaterialien und zu organisieren – was womöglich auch mit Hilfe aus dem Berliner Bezirk Pankow gelingen kann.
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Und schließlich hat die westukrainische Stadt nicht nur Menschen zu versorgen, sondern auch die Bewohner evakuierter Zoos in anderen Teilen des Landes. Mehr als 80 Tiere nahmen Fachleute in Riwne bislang in ihre Obhut. Aktuell läuft der Online-Ticketverkauf für einen Zoobesuch – für Karten, die ihre Gültigkeit auch in einer ersehnten Zeit nach dem Ende des Kriegs behalten.
Bis dahin will Pankow den neuen Freunden in Riwne so helfen, wie es das Schlachtgeschehen eben zulässt – vor allem durch Spenden.
Auf diesem Spendenkonto sammelt Pankow jetzt Geld für die Ukraine-Soforthilfe:
Bezirkskasse Pankow
IBAN DE06 1005 0000 4163 6100 01
Verwendungszweck: 0833000220971 / Ukraine-Riwne



