Hohe Spritpreise, gestiegene Heizkosten, Engpässe in der Materialversorgung: Die Folgen der russischen Invasion in der Ukraine sind vielfältig und in Deutschland auf verschiedenen Ebenen spürbar. Vor allem Handwerks- und Bauunternehmen, die auf den Einsatz von Fahrzeugen und aus Russland importierten Materialien angewiesen sind, haben mit den wirtschaftlichen Folgen des Ukrainekriegs zu kämpfen – auch in Pankow.
Elektriker: Preisanpassungen in Höhe von 1000 Euro
„Wegen den gestiegenen Sprit- und Dieselpreisen machen wir weniger Umsatz, weniger Gewinn“, erklärt René van Staveren, Geschäftsführer des Pankower Elektroinstallationsbetriebs Kemke & Otto. „Wir haben teilweise Verträge mit Kunden, die vor zwei Jahren abgeschlossen worden sind und wo jetzt kaum Abweichungen möglich sind.“ Auf angesprochene Vertragsanpassungen, die die gestiegenen Kosten abdecken würden, stieß van Staveren eher auf ablehnende Reaktionen: „Ein Kunde sagte mir, man hätte die Materialien früher bestellen und auf der Baustelle einlagern können, was angesichts der Menge zwei Jahre im Voraus utopisch gewesen wäre.“
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Aufgrund der veränderten Situation habe das Unternehmen mit 20 Mitarbeitenden am Montag entschlossen, bei der Angebotserstellung künftig die Stundenlöhne sowie Anfahrtspauschalen entsprechend einzupreisen. So müsse gegebenenfalls ein Aufpreis von 1000 Euro verlangt werden, wofür eine Kundin bereits Verständnis zeigte. „Es gibt Realisten, die die Preisanpassung verstehen, andere sind Optimisten, die sich die Preise von vor zwei Jahren zurückwünschen.“
Sanitär- und Heizungstechniker: Kein Aufträge mit längeren Anfahrtszeiten
Statt die Mehrkosten auf die Kundschaft zu übertragen, wird von anderen Unternehmen eher auf die Kundschaft verzichtet: „Aufträge mit zehn bis 15 Kilometer Anfahrt lehnen wir teilweise schon ab“, sagt die Geschäftsführerin eines Sanitär- und Heizungstechnikbetriebs aus Pankow, die nicht namentlich erwähnt werden möchte. Ihre drei Mitarbeitenden bewegten sich mit ihren drei Transportern nur in einem Einzugsgebiet von zehn Kilometern. Diejenigen, die außerhalb dieses Umkreises ihre Dienste anforderten, seien sowieso Neukunden, weshalb zunächst keine Kunden wegfallen würden.
Laut René van Staveren müsse die Politik am Ende dafür sorgen, dass die Spritpreise sobald wie möglich wieder sinken, wobei er diesbezüglich pessimistisch wirkt: „Es ist einfach nur traurig, wenn man sich links und rechts von Deutschland umsieht und auf niedrige Spritpreise schaut. Wir Mittelständler werden in Deutschland von der Politik vernachlässigt.“ Er wünsche Entlastungen der Bürger in Form von Steuersenkungen, beispielsweise bei der Einkommenssteuer, oder gar Steuererlass in Bezug auf die Spritpreise. „Damit wird die Wirtschaft doch weiter angekurbelt.“
Baubranche: Zusätzliche Kosten durch Materialpreissteigerung
In der Baubranche wird wiederum eine massive Senkung der Mineralölsteuer oder gar deren komplette Erlass gefordert. „Energieintensive Baustoffe, wie Stahl oder Beton, könnten auf diesem Wege günstiger gemacht werden“, erklärt Hartmut Reddemann, Leiter der Pankower Niederlassung des Straßen- und Tiefbauunternehmen Tell Bau. In seiner Branche wirkten sich erhöhte Spritpreise für Baustellenfahrzeuge und Bagger zwischen fünf und acht Prozent auf den Gesamtbaupreis aus. Erschwerend kommt jedoch die Verteuerung und Verknappung von benötigtem Material hinzu: „Mir machen die explodierenden Kosten bei den zu verbauenden Stoffen, wie Beton, Asphalt oder Holz Bauchschmerzen – 50 Prozent und mehr.“ Die Preise seien bereits 2021, vor Kriegsausbruch, durch die Corona-Pandemie angestiegen, doch erst mit der russischen Invasion exorbitant in die Höhe geschossen.
Nicht alle Kunden seien mit der Umlage der Mehrkosten einverstanden: Einer der Hauptauftraggeber, die Berliner Wasserbetriebe, mit denen das Unternehmen vor zwei Jahre Verträge unterschrieben hatte, würden die Preissteigerung nicht mittragen.
Baubranche: Interessensvertretung fordert Abfederung der Folgen
Tell Bau steht mit seinen Sorgen nicht allein da: Der Verein Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg, der die Interessen mittelständischer Bauunternehmen in Berlin und Brandenburg vertritt, beklagt ebenfalls Versorgungsschwierigkeiten und Preisexplosionen für die Baubranche, beispielsweise bei Stoffen wie Bitumen – notwendig für die Herstellung von Asphalt – oder Baustahl.
Gefordert wird die Abfederung für kleine und mittlere Bauunternehmen, deren Gewinne gering sei, wie es in einer Pressemitteilung des Vereins heißt. Notwendig sei die sofortige Einführung von Stoffpreisgleitklauseln, womit die Einpreisung zusätzlicher Materialkosten auch in laufende Verträge gemeint ist. Darüber hinaus fordert die Interessensvertretung Entlastung bei der Energiesteuer und den Verzicht auf weitere Kostentreiber durch Klimaschutzgesetze.
Nicht alle Baufirmen gleich stark betroffen
Doch nicht alle Baufirmen scheinen gleich von den Auswirkungen des Ukrainekrieges betroffen zu sein: Das kleine Pankower Bauunternehmen Berliner Baufirma spürt zwar auch die höheren Spritpreise, sei nach Aussage des Geschäftsführers Klaus-Ulrich Künnemann dadurch aber nicht stark beeinträchtigt. Die Mehrkosten würde sein Unternehmen gleich auf die Kundschaft umlegen, womit diese mehrheitlich einverstanden sei.
Preissteigerungen und Verknappung von Materialien seien seiner Meinung nach nicht allein auf den Ukrainekrieg zurückzuführen, sondern auch auf die Corona-Pandemie, die sein Unternehmen bisher gut überstanden habe – die Anzahl der privaten Aufträge sei sogar gestiegen. Er glaubt, die Regierung versuche, durch hohe Steuern die Pandemieausgaben wieder einzuholen.


