15.000 kleine Fähnchen auf dem Rasen des Weinbergparks in Berlin-Mitte: Es war ein eindrucksvolles Bild, das im vergangenen Jahr entstanden war. Verantwortlich war die Anwohner-Initiative „10119_lebenswert“, die sich aufgrund der Verschmutzung der Parkfläche im Herzen von Mitte zusammengefunden hatte. Jede Fahne markierte damals einen liegen gelassenen Kronkorken, einen Zigarettenstummel, ein Plastikteil. Die Aktiven haben Forderungen, die dazu beitragen sollen, Berlin sauberer zu machen.

Müll-Gipfel ohne Bezirksamt: Probleme bleiben ungelöst

Die Grünen-Abgeordnete Silke Gebel hatte am Dienstag zu einem Müll-Gipfel eingeladen, um über Verpackungs- und Sperrmüll, illegale Ablagerorte und Hotspots im Bezirk zu sprechen. Eine Fortsetzung der beiden vergangenen Müll-Gipfel, die das Bezirksamt Mitte unter der Schirmherrschaft von Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger (Grüne) durchgeführt hatte, war der Abend jedoch nicht. Das Bezirksamt war auch nicht vertreten. Die Probleme sind, folgt man den Beschwerden der Anwesenden, jedoch nach wie vor dieselben. Zu wenig Reinigung, zu viel Abfall auf Gehwegen und in Parks.

Treffen bei Grünen-Abgeordneter Silke Gebel zum Thema Müll
Die Grünen-Abgeordnete Silke Gebel (2. v. l.) hatte in dieser Woche Vertreter der Bürger-Initiative „10119_lebenswert“ aus Mitte, die BSR und die BVV Mitte in ihr Büro in der Hessischen Straße eingeladen, um über das Thema Müll zu sprechen. © Berliner Morgenpost | Julia Lehmann

Claudia Priemer und Angela Pritzkow wohnen beide am Weinbergspark. Sie sagen: „Wer da wohnt, hatte irgendwann keinen Bock mehr hinzugehen.“ Der Rasen war gespickt mit Kronkorken, Plastik und Zigarettenstummeln. „Auf einem Quadratmeter haben wir etwa 70 Müllteile gefunden“, fasst Claudia Priemer das Ergebnis zusammen. Jeden Müllfund markierten sie mit den erwähnten Fähnchen, woraufhin ein eindrucksvolles Fahnenmeer entstand.

Bezirk Mitte erneuert Parkrasen nach Initiative der Nachbarschaft

Auf Initiative der Nachbarschaft erklärte sich der Bezirk Mitte bereit, die Rasenfläche des Parks vollständig zu tauschen. Die giftigen Kippen und scharfkantigen Korken einfach aufzusammeln, war schlicht nicht leistbar. Seit Mitte März dieses Jahres läuft der zweite Bauabschnitt in dem geschützten Gartendenkmal.

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Dort, wo der Rasen bereits erneuert wurde und saftig grün sprießt, haben die Frauen festgestellt, dass Kleinstabfälle schon wieder auf dem Vormarsch sind. Sobald es warm ist, kommen wieder Parkbesucher, die Korken und Kippen zurücklassen, sagen die beiden Frauen. Sie zeigen Verständnis für Nachbarn, die sagen: „Warum sollen wir den Dreck der Touristen wegräumen?“ Um zu vermeiden, dass der Weinbergspark erneut derart verdreckt wird, hat Claudia Priemer harte Forderungen formuliert: Sie plädiert für ein Rauchverbot in Parks. Und ein Pfandsystem für Kronkorken und Zigarettenstummel. Dies solle dazu führen, dass weniger Abfall in den Grünanlagen landet.

Sperrmüll-Entsorgung: BSR zögert bei der kostenfreien Abholung

„Wir müssen anfangen, diese kleinen Abfälle als Wertstoffe zu betrachten“, so Priemer. Denn zumindest Kronkorken, die aus Weißblech bestehen, seien recycelbar. „Das ist nicht besonders attraktiv, aber es ist eine Idee.“ Und für die Grünen-Politikerin Silke Gebel, in deren Büro in der Hessischen Straße in Mitte die Diskussionsrunde zusammenkam, ist klar, dass es Schritte geben müsse, die den Verpackungsmüll reduzieren.

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Ein großes, stadtweites Problem: illegal abgestellter Sperrmüll, Bauabfälle, Hausmüll. Um es für Berliner Haushalte zu erleichtern, ihren Hausrat zu entsorgen, hat die Berliner Stadtreinigung (BSR) gemeinsam mit den Bezirken mehr BSR-Kieztage eingeführt. An zentralen Stellen und abwechselnd in verschiedenen Kiezen können Anwohner Möbel oder Matratzen abgeben. Dennoch gibt es die Forderung, die kostenlose Sperrmüll-Entsorgung durch die BSR wieder einzuführen. Wie BSR-Mitarbeiterin Nadine Gerks am Dienstag sagte, zögert man bei der Stadtreinigung damit, weil das Angebot zu weiterer Verschmutzung der Straßen und Gehwege führen könnte.

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Die BSR ist nämlich dazu verpflichtet, Abfälle getrennt voneinander abzutransportieren. „Es gibt Dinge, die nicht zum Sperrmüll gehören und, die wir dann erst mal liegen lassen müssten“, so Nadine Gerks. „Wenn, dann müsste man die Abholung aus den Wohnungen oder den Kellern organisieren.“