Ein bisschen was zu trinken, ein Häppchen aus der Hand und dazu eine Portion Demokratie: Tausende Berliner, Zugezogene und Touristen besuchten am Sonnabend die Ministergärten in Mitte. Sieben Landesvertretungen boten bei ihrem Tag der offenen Tür ein wenig von dem, was für sie als typisch gilt. Ob kulinarisch oder musikalisch. Die Gäste stoßen da am Tag der Deutschen Einheit an auf eine Ansammlung von Dingen und Traditionen, die das Gegenteil von Berlin darstellen.

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Das fängt um 11 Uhr damit an, dass ein Spielmannszug aus Rheinland-Pfalz zur Eröffnung aus Richtung Tiergarten einläuft. Kinder rennen nebenher, Neugierige folgen, es erklingt die „Berliner Luft“, immer mit der gleichen falschen Note im Refrain. Jahrmarktstimmung mitten im Zentrum der Hauptstadt.
Saumagen-Burger und Riesling sorgen für regionale Akzente
Vor der rheinland-pfälzischen Landesvertretung angekommen, können die Besucher das Update einer Leibspeise des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl kosten: Saumagen. Hier nun aber als Burger. Zwei eigens geladene Repräsentanten des Bundeslandes empfangen am Eingang: ein Mainzelmännchen und Silvia Orth (29). Ersteres als Gesandter von Mainz und dem Zweiten Deutschen Fernsehen. Letztere als Weinprinzessin aus dem Anbaugebiet Nahe.

Die angehende Biologie- und Deutschlehrerin schwärmt von ihrer Region und deren abwechslungsreichen Böden mit rund 180 Varianten. Deshalb, erklärt sie, sei die Nahe bekannt für ihren herausragenden Riesling.
Berlin-Besucherin bleibt fasziniert, wagt aber keinen Umzug
Obwohl es schon Orths vierter Besuch in Berlin ist, zeigt sie sich noch immer begeistert von den Bewohnern. „Jeder hier ist einzigartig, jeder sieht irgendwie anders aus.“ So weit, komplett umzusiedeln, reicht ihre Begeisterung dann allerdings auch wieder nicht. „Es wäre mir zu groß hier. Ich würde untergehen.“

Gegenüber, bei den Hessen, sind es ein open-air singender Kirchenchor und der überraschend zur Predigt ansetzende Pfarrer, die aus dem Rahmen üblicher Berliner Erlebnisse fallen. Immerhin spricht der Mann im schwarzen Talar mit so etwas wie hauptstädtischem Zorn. „Jung gegen alt, reich gegen arm, privat gegen gesetzlich versichert, und selbst die queere Community ist im Streit: So gespalten wie zurzeit war unser Land noch nie“, sagt er an diesem Tag der Deutschen Einheit. Seit 1990 seien „andere Mauern entstanden“.
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Politik kommt aufs Land: Landtag wirbt um Vertrauen
Ein Stück weiter, im Garten der Repräsentanz von Schleswig-Holstein, ist das „Landtag auf Tour“-Mobil aufgestellt: ein chromglänzender Anhänger, wie er in Berlin oft als Streetfood-Truck im Einsatz ist. Im hohen Norden der Republik dagegen will man damit den Appetit auf mehr Demokratie anregen.

Das Mobil fährt zu Markttagen, zu Volksfesten, stets in die kleinen Orte des Bundeslandes. Es gibt Broschüren und Anleitungen. Meist kommt ein Abgeordneter hinzu. Immer hören sich Landtagsmitarbeiter wie PR-Mann Michael Perrey-Holldorf (44) an, was die Bürger bewegt. „Es geht etwa um den Wunsch nach mehr ÖPNV oder um eine baufällige Turnhalle und die Frage, an wen sie sich wenden sollen.“
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Schleswig-Holstein reagierte mit den Touren erstmals 2024 darauf, dass nach den Auflagen während Corona mancher im Land Staat und Demokratie misstraute. Es gebe ein Bedürfnis der Bürger, ins Gespräch zu kommen, sagt Perrey-Holldorf an diesem 36. Jahrestag der Wiedervereinigung. „Ihnen geht es nicht um Zustimmung. Sondern, dass man ihnen zuhört.“







