Ein paar Autofreaks lassen am Samstagnachmittag auf der Prinzenallee in Wedding die Motoren ihrer Protzkarren aufheulen. Sehr viel angenehmere Töne sind zur gleichen Zeit im Ballhaus zu hören. In dem kleinen Theaterhaus, wohin man von der Prinzenallee über einen Hinterhof gelangt, wird währenddessen 20 Jahre internationales Gitarrenfestival Berlin gefeiert.
Aus Vietnam fürs Gitarrestudium nach Deutschland gekommen
Den ganzen Tag über gibt es am Samstag ein Jubiläumsprogramm. Dang Ngoc Long ist der künstlerische Leiter. Der 68-Jährige hat das Gitarrenfestival, zu dem auch ein internationaler Wettbewerb gehört, 2006 gegründet. Seitdem hat sich der Wettbewerb zu einem festen Bestandteil der Berliner Musiklandschaft entwickelt und lockt junge Gitarrentalente aus aller Welt nach Wedding. 30 Teilnehmer aus 15 Ländern sind es an diesem Wochenende im Ballhaus Prinzenallee.
Für den Komponisten und Gitarristen ist es ein besonderer Tag. Aufgewachsen in Vietnam, kam Dang Ngoc Long 1985 als 22-Jähriger nach Berlin, um hier ein Studium an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ zu absolvieren. 1990 schloss er das Studium mit einem Diplom als Konzertgitarrist ab. Berlin ist er seitdem treu geblieben. Er wohnt in Gesundbrunnen. Von den Stücken, die er selbst komponiert hat, muss jeder Wettbewerbsteilnehmer an diesem Samstag eines vorspielen. Der Rest darf frei gewählt werden, muss aber Klassik sein. Nach bis zu 30 Minuten, die jeder der fünf Finalisten auf der Bühne steht, entscheidet eine Jury über die Gewinner.
Was Gitarrespielen für Emotionen auslöst
„Jede Gitarre hat eine Stimme“, sagt Dang Ngoc Long während einer Pause im Gespräch mit der Berliner Morgenpost. Wie er erklärt, klingt jede Gitarre anders. Er bekommt schon beim Hören von Gitarrenmusik Gänsehaut. Als Zwölfjähriger hat er selbst angefangen, Gitarre zu spielen. Noch heute spielt er täglich mehrere Stunden in seiner Wohnung – und freut sich, dass seine Nachbarn dafür Verständnis haben.
Natürlich hat er auch seinem Sohn Hoang Dang-Vu Gitarrespielen beigebracht. Der 27-Jährige ist selbst am Samstag im Ballhaus, um bei der Organisation zu helfen. Er ist begeistert von dem Können der Wettbewerbsteilnehmer, auf deren Niveau er selbst nicht ist, weil Gitarre, anders als bei seinem Vater, für ihn seit dem Teenageralter nur ein Hobby ist.

Auch sein Vater wertet die Qualität als „sehr gut“. In der Vergangenheit hätten viele der Preisträger danach Einladungen für Auftritte bekommen. Einen Preis als Gitarrist in Berlin zu erhalten, könne ein guter Booster für die Karriere sein, erzählt Dang Ngoc Long.
Internationales Gitarrenfestival Berlin: Das sind die Gewinner 2026
Bevor am Abend die Gewinner des internationalen Gitarrenwettbewerbs gekürt werden sollten, verriet er der Morgenpost schon einmal die Gewinner. So entschied sich die Jury für Theduardo Prasetyo aus Indonesien. Am Platz zwei folgte der Italiener Giacomo Scattareggia. Dritter wurde Jooheon Shin aus Südkorea. Die beiden Förderpreise gingen an Alyssa Schmitz aus Deutschland und Anna Pacvoňová, die französische und tschechische Wurzeln hat. Die beiden Erstplatzierten erhielten als Preis jeweils eine Gitarre des renommierten Gitarrenbauers Roger Yang. Wert: 8000 beziehungsweise 4000 Euro.
Zum Galakonzert und der Preisverleihung am Abend war unter anderem der vietnamesische Botschafter in Berlin, Dac Thanh Nguyen, eingeladen. Denn, und das ist Festival-Leiter Dang Ngoc Long wichtig zu betonen: Mit dem Gitarrenfestival wird auch die 50-jährige Freundschaft zwischen Vietnam und Deutschland gefeiert.



