Angefangen hatte alles vor 30 Jahren. Damals eröffnete Ergün Cetinbaş, 1969 als türkischer Gastarbeit nach Deutschland gekommen, seinen Traum von einem Lokal. „Ergüns Fischbude“ hatte er dieses salopp genannt. Die auffällige blau-gelbe Fassade und die Gerichte mit ganzen Fischen wurden schnell beliebt im Moabieter Kiez. Nach dem Tod des Vaters übernahm Tochter Mine das Geschäft in der Lüneburger Straße. Doch „Ergüns Fischbude“ muss seinen angestammten Platz im S-Bahn-Viadukt verlassen. Ob ein Neuanfang gelingt, ist ungewiss. Die Solidarität aber ist groß.

Ergüns Fischbude in Moabit: Mietvertrag wird nicht verlängert

Die Deutsche Bahn möchte den bald auslaufenden Mietvertrag mit dem Restaurant nicht fortsetzen. Warum, dazu möchte sich das Unternehmen auf Nachfrage der Berliner Morgenpost nicht äußern. Das Lokal befindet sich in bester Lage an der S-Bahn-Strecke zwischen Hauptbahnhof und Bellevue. Nicht weit entfernt liegen Kanzlerpark und die Spree. Und dort ist es zur Institution geworden, wie Tochter Mine Cetinbaş erklärt. Sie sagt, Ergüns sei mehr als ein Fischrestaurant: „ein Zuhause, eine Erinnerung, ein Erbe“. Sie beschreibt außerdem, mit wie viel Einsatz ihr Vater das Lokal aufgebaut habe.

Genießen in Berlin – die besten Restaurants, die neusten Trends:

„Unter schweren Bedingungen arbeitete er hart, mit Schweiß, mit Hoffnung und mit unbeugsamem Willen“, so Tochter Mine. Mehrere Jahre benötigte er, bis er seine eigene kleine Fischbude eröffnen konnte. „Dort trafen sich Nachbarn, Freunde lachten, Familien kamen zusammen. Für meinen Vater war es nicht nur ein Geschäft – es war seine Leidenschaft. Für uns Kinder wurde es zum Herzstück unserer Familie.“

Auch interessant

Deutsche Bahn lässt „Ergüns Fischbude“ gerichtlich räumen

Vor eineinhalb Jahren jedoch erklärte die Bahn das Ende für das Restaurant. Eine Räumungsklage der Bahn verlor die Familie vor Gericht. „Damit haben wir nicht nur vier Wände verloren, sondern auch Erinnerungen, den Mittelpunkt
unserer Familie und das größte Erbe unseres Vaters“, so Mine Cetinbaş. Sie will jedoch an einem neuen Ort weitermachen. Für den Neuanfang brauche sie Geld, das sie selbst nicht hat und das sie nun über eine Crowd-Funding-Kampagne sammeln möchte.

Mehr aus Berlin-Mitte

Am Montagmittag, 6. Oktober, waren 4470 Euro zusammengekommen. Der Zielbetrag sind 9000 Euro. Laut Cetinbaş werden diese für die erste Miete und Kaution, Küche, Möbel und Ausstattung sowie Transport und Neuanschaffungen gebraucht. Auch, um die ersten Monate zu überstehen, bis das Restaurant wieder laufe. Die Inhaberin richtet ihren Appell direkt an die Gäste des Hauses. Und diese zeigen große Solidarität mit dem Traditionslokal, wie die große Unterstützungssumme zeigt.