John Müller überlebte ein Ewing-Sarkom. Das ist ein sehr aggressiver, bösartiger Knochentumor, der überwiegend im Kindes- und Jugendalter auftritt. „Diese Krebsart tritt so selten auf“, erklärte Müller der Morgenpost. „Es ist wie ein negativer Lotto-Gewinn.“ 14 Chemotherapien und eine Operation am 8. Mai 2024 retteten dem 26-Jährigen das Leben.

Montag bis Samstag

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Im Mai 2026 startete John Müller vom Brandenburger Tor eine halsbrecherische Spendenradtour, auf der er 8000 Kilometer allein nach Indien fährt. Nach zwei strapaziösen Monaten ist Müller „tief in Tadschikistan“ angelangt und noch etwa 1000 Kilometer von seinem Ziel entfernt, dem legendären Grabmal Tadsch Mahal. Auf seiner Reise hat Müller, wie er sagt, durch Zeitungs- und TV-Berichte rund 50 Millionen Menschen erreicht und vor allem Krebspatienten Mut machen können.

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von Instagram, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Härten hat er innerhalb der ersten zwei Monate auf seiner Spenden-Radtour mehrere erlebt: Gleich nachdem John Müller im Mai vom Brandenburger Tor gestartet war, wurde er von den „Eisheiligen“ überrascht, den letzten Frosttagen des Frühlings. Für Minustemperaturen und Schnee hatte er nicht die richtige Kleidung eingepackt. „Ich bin dann trotzdem bis in die Nacht hinein gefahren, um meine 100 Kilometer täglich zu erreichen“, erzählt er der Morgenpost beim Telefonat aus Duschanbe. Es ist die Hauptstadt von Tadschikistan, die 1,2 Millionen Einwohner hat. Die Verbindung ist trotzdem sehr abgehackt. „Ich trug meine einzige Hose, eine kurze Radlerhose, und dazu Kompressionsstrümpfe“, sagt John Müller.

Sandsturm und Hitzeschock in Kasachstan

In der kasachischen Steppe wurde John Müller von einem Sandsturm überrascht, den er so beschreibt: „36 Grad. Alles flog durch die Luft. Konnte mein Fahrrad nicht mehr sehen.“ Es folgte eine unerträgliche Hitzewelle mit 49 Grad Celsius: „Nirgends konnte ich stehen bleiben“, berichtet Müller. „Es fühlte sich an, als ob die Haut verbrennt. Nur der Fahrtwind kühlte ein wenig.“ Der Radsportler trug ein langärmeliges Oberteil und war so vor Verbrennungen geschützt. Nur alle 50 Kilometer kam ein Schattenplatz. Die wichtigste Botschaft aus den elf Ländern, die er bisher durchfahren habe, sei die Herzlichkeit.

John Mueller
John Müller traf in Sofia Dr. Spasov, einen der wenigen Ärzte in Bulgarien, die auf Sarkome spezialisiert sind.© BM | Privat

„Ich wurde mit offenen Armen empfangen. In der Türkei, in Georgien, in Kasachstan“, so Müllers Resümee. In wenigen Tagen wird er nach Afghanistan einreisen, was er als „sehr spannend“ bezeichnet. Denn: „Nur weniger als 10.000 Menschen pro Jahr dürfen in Afghanistan einreisen.“ Wo schlief er eigentlich? In Deutschland habe er bei Krebspatienten in der Gartenlaube oder zu Hause übernachten dürfen.

„In Österreich habe ich bei Ordensschwestern und bei Benediktiner-Mönchen gewohnt.“ In Georgien und der Türkei habe er vielfach im mitgebrachten Zelt übernachtet, aber auch in Gesellschaftsräumen von Moscheen. Oft seien Menschen, die nichts haben, am gastfreundlichsten gewesen. „Meine Erkenntnis dabei: Glück, das man teilt, verdoppelt sich.“

 „Wenn es jemand von Chemo-Zyklus zu Chemo-Zyklus schaffen kann, dann schaffe ich es auch von Etappe zu Etappe.“

John Müller, Sarkom-Überlebender
John Mueller
John Müller ist im Mai von Berlin aus zu seiner Solo-Spendenradtour nach Indien gestartet. Die Route führte auch durch unwegsames Gelände und hielt einige Herausforderungen bereit. Hier ein Selfie von John Müller.© BM | Privat

Die Krebspatienten sind sein Motivator

Ein einziges Mal hatte John Müller bis jetzt einen Platten. „Das war in Bulgarien.“ Er habe das Loch mit Notfallspray gestopft. In Istanbul wechselte er dann den Reifen. Was ihn antreibt? Die Krebspatienten. Ein kleiner Junge habe in Serbien an seinem T-Shirt gezupft und mit Händen und Füßen die Frage gestellt: „Kann ich das auch schaffen?“ Da sei ihm das Herz aufgegangen.

Das Motto des 26-Jährigen: „Wenn es jemand von Chemo-Zyklus zu Chemo-Zyklus schaffen kann, dann schaffe ich es auch von Etappe zu Etappe.“ Wer John Müller unterstützen will, kann noch immer unkompliziert über seine Website „8000 Kilometer“ spenden. „Als ich losgefahren bin, hatten wir 25.000 Euro an Spendengeldern erreicht. Mittlerweile haben wir knapp 50.000 Euro erreicht.“

Auch interessant

Radeln für die Krebsforschung: Wo die Spenden hinwandern

Ein Teil der Spenden geht an die Children Cancer Foundation (CCF), deren Botschafter John Müller ist. Von der CCF existieren drei eigenständige gemeinnützige Stiftungen in Liechtenstein, der Schweiz und Deutschland. Der Ex-Volleyball-Profi Friedhelm Gruber startete die Stiftung 1997 mit dem Schweizer Geschäftsmann Peter Zurlinden, nachdem Grubers Patenkind im Alter von sieben Jahren an Leukämie verstorben war. „Die CCF errichtet gerade eine Dependance in Berlin“, erklärte Regula Rapp, Rektorin der Barenboim-Said-Akademie in Berlin, die beim Startschuss von Müllers Welttour dabei war.

John Müller krebsstation
John Müller auf einer Krebsstation in Bulgarien. Er selbst überlebte ein Ewing-Sarkom. Jetzt macht er anderen Erkrankten Mut.© BM | Privat

Müller steht aber auch mit „Yes we Cancer“ und mehreren Krankenhäusern in Stuttgart und Essen in Kontakt. Bereits vor dem Start gingen 25.000 Euro an Spenden durch Start-ups und Privatpersonen ein. Auch die Douglas-Nachfahrin Stella Hinderer, die mit Harvard und Charité soeben die mikrobiomfreundliche Sonnencreme „Sun Matters“ entwickelt hat, spendete einen größeren Betrag. Ebenso die Berliner Start-ups „Holy“ und „Langdock“.