Am Otto-Nagel-Gymnasium wurde am Mittwoch ein besonderer Gast empfangen: Erich John, der Erfinder der Weltzeituhr am Alexanderplatz. Im Rahmen eines Fotowettbewerbs, bei dem er den Preis an Schülerinnen der 11. Klasse überreichte, nutzte John die Gelegenheit, um als Zeitzeuge von seinem bewegten Leben und seiner Arbeit als Gestalter zu berichten.

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Erich John wurde 1932 in der damaligen Tschechoslowakei geboren. Seine Kindheit war geprägt von Armut, Krieg und Vertreibung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde seine Familie enteignet und musste mit nur 25 Kilo Gepäck das Land verlassen. Die Flucht führte sie durch Arbeitslager und Notunterkünfte bis nach Mecklenburg-Vorpommern. Johns Schilderungen von Verlust, Hunger und dem Gefühl, „ganz unten“ zu sein, hinterließen einen bleibenden Eindruck bei den Zuhörenden.
Trotz widriger Umstände fand John seinen Weg: Nach einer Lehre als Bauschlosser entdeckte er sein Talent für Gestaltung. Prägend für seinen Werdegang war das Studium an der Kunsthochschule Weißensee. Dort lernte er die Prinzipien des Bauhauses kennen – Funktionalität, Langlebigkeit und Ästhetik wurden zu seinen Leitmotiven. Er entwickelte eine eigene Formensprache, die sich an den Bedürfnissen der DDR-Gesellschaft orientierte und von den knappen Ressourcen der Zeit geprägt war.

Weltzeituhr am Alexanderplatz: Symbol für Weltoffenheit
Sein bekanntestes Werk, die Weltzeituhr am Alexanderplatz, entstand Ende der 1960er Jahre. John berichtete, wie die Idee eines zentralen Treffpunkts – inspiriert von einer alten Linde in seinem Heimatdorf – in das Design der Uhr einfloss. „Wir hatten also im Dorf in der Mitte eine Linde, die weit über zwei Meter Durchmesser hatte.
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Insofern hatte ich diese Linde als Treffpunkt ganz im Hinterkopf“, so John. Die Weltzeituhr sollte mehr sein als ein Zeitmesser: Sie symbolisiert die Weltoffenheit Berlins, selbst in Zeiten der Teilung durch die Mauer. John betonte, dass die Uhr ein Zeichen für eine offene, internationale Stadt setzen sollte.

Den Schülerinnen und Schülern gab John mit auf den Weg, sich für einen Beruf zu entscheiden, der ihnen wirklich Freude bereitet – und auch in schwierigen Zeiten nicht aufzugeben. Durchhaltevermögen und Leidenschaft seien die Schlüssel zu einem erfüllten Leben.
John wurde für sein Lebenswerk vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Designpreis der DDR und dem Bundesverdienstkreuz.





