Vor 80 Jahren ging der Zweite Weltkrieg zu Ende. Die Überlebenden von Holocaust und NS-Diktatur werden immer weniger. Doch die Erinnerung an Verfolgte bleibt ein wichtiger Baustein, um zu verstehen, was damals geschah. In Berlin wurden bis April 2025 insgesamt 11.228 Stolpersteine verlegt. Besonders viele gibt es in Charlottenburg-Wilmersdorf (4153) und Mitte (2117). In Charlottenburg wurde jetzt eine atemberaubende Ausstellung der legendären Fotografin Yva eröffnet.

Neben Stolpersteinen erinnert die preisgekrönte Inititative Denkmal am Ort (DMAO) jedes Jahr an Menschen, die in der NS-Zeit aus der Gesellschaft ausgegrenzt, verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Zahlreiche Führungen lassen am 10. und 11. Mai Geschichte lebendig werden, beispielsweise zum Haus von Martha und Max Liebermann am Pariser Platz oder zum Atelier der ehemals berühmten Modefotografin Yva, die Berliner Persönlichkeiten wie Max Liebermann künstlerisch auf Fotos festhielt.
Nazis beenden erst Yvas Karriere, dann ihr Leben

In Fotoatelier von „Yva“ lernte der berühmte Fotograf Helmut Newton sein Handwerk. Yva gab auch dem Yva-Bogen am Delphi Lux seinen Namen. Und Yva, die bürgerlich Else Neuländer-Simon hieß, hat seit 20 Jahren einen Stolperstein in der Charlottenburger Schlüterstraße 45. Nach einer Fotolehre gründete sie schon mit 25 Jahren ihr erstes Fotoatelier in der Berliner Friedrich-Wilhelm-Straße 17 (heute Klingelhöferstraße) in Tiergarten. Sie veröffentlichte in bedeutenden Medien wie der Berliner Illustrierten oder dem Weltspiegel.

1930 zog Yva in ein größeres Atelier in der Bleibtreustraße 17, wo sie vier Jahre arbeitete und lebte. Später zog sie in die Schlüterstraße 45 um, wo sie in der großzügigen vierten und fünften Etage Wohnung und Atelier nahm. Auf der Treppe zwischen den Etagen und auf dem Dachgarten entstanden viele ihrer berühmten Modefotos.

Mit dem Berufsverbot von 1938 sah sich das Ehepaar Simon gezwungen, die gemeinsame Wohnung in der Schlüterstraße 45 aufzugeben. Das Paar zog als Untermieter in ein möbliertes Zimmer. Yva fand als Röntgenassistentin im Jüdischen Krankenhaus in der Iranischen Straße Arbeit. Ihr Mann musste als Zwangsarbeiter in Zehlendorf Straßen fegen. In das repräsentative und enteignete Gebäude in der Schlüterstraße zog die Reichskulturkammer der Nazis. Am 3. Juni 1942 wurde Yva mit ihrem Mann Alfred Simon deportiert. Gestorben ist Yva entweder 1942 im Vernichtungslager Sobibor oder 1944 im KZ Majdanek.
Führung und Ausstellung
- Ausstellung „YVA & ihre Zeit“ auf Inititative des Yva Archivs. Galerie Mond, Bleibtreustraße 17, Berlin-Charlottenburg
Öffnungszeiten 11-18 Uhr
Im Rahmen von Denk Mal am Ort finden zwei kostenlose Führungen durch die Ausstellung statt, am Samstag 10. Mai, 12 Uhr und am Sonntag, 11. Mai, 14 Uhr, Anmeldung bei Historikerin Kirstin Buchinger erbeten: buchinger@denkmalamort.de - Initiative Denkmal am Ort, Übersicht zu allen 13 Führungen in Berlin, am 10. und 11. Mai 2025
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