Der Tierexperte Gunter Martin ist so etwas wie der Biologe David Attenborough, nur dass er auf Berlin spezialisiert ist. Was er über die Pfanzen und Tiere an der Spree zu erzählen hat, könnte ganze Bücher füllen. Regelmäßig führt der 71-Jährige im Auftrag des Umwelt- und Naturschutzamts Mitte Interessierte zu Exkursionen in Berlin. Die Themen sind vielfältig.

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Die Autorin begleitete den Diplom-Biologen mit einer kleinen Gruppe bei der Exkursion „Winterleben an der Spree“. Während andere Gewässer im Winter oft zufrören, bleibe die Spree im Winter ein offenes Wasser und sei daher beliebt bei vielen Tieren. Von dem Leben der Tiere bekämen Berliner aber nicht immer etwas mit. Erst als beispielsweise ein toter Fischotter am Alexanderplatz gefunden wurde, habe man erfahren, dass es das Tier hier gibt, so der Biologe.

Biber in Berlin: Beinahe ausgerottet, jetzt wieder da
Naturschützer stoppten die Ausrottung der Biber in Europa ab den 1970er-Jahren. Laut Artenschutzreferent Dirk Schäuble erholte sich der Biberbestand in Berlin ab 1994 und wird derzeit auf mehr als 100 Tiere geschätzt, die in rund 50 Revieren leben. Diese befinden sich vor allem an der Havel und an Spree und Dahme im Bezirk Treptow-Köpenick. Dass man die Biber nie sieht, ist kein Wunder: Sie sind nachtaktiv und mit ihrer braunen Farbe im Spreewasser kaum auszumachen.

Biberausstieg: Weil Biber von Treptow nach Spandau wollen
Zwischen Oberbaumbrücke und Unterbaumstraße gibt es einen so genannten „Biberausstieg“. Warum so ein Ausstieg wichtig ist: „Ein Biber muss sein Fell regelmäßig wasserdicht einfetten, sonst geht er unter und stirbt.“ Deshalb war 2009 für viel Geld von EU, Land und Bezirk eine Ausstiegsstelle errichtet worden. Biologen wussten, dass Biber aus Treptow sich gerne mit anderen Bibern aus Spandau treffen, die Strecke zum Schwimmen aber ohne Pause zu lang ist. Statt eines glatten, betonierten Spreeufers befindet sich seitdem dort ein treppenartiger Ausstieg, der es den Bibern ermöglicht, ans Ufer zu gelangen.
Fünf Jahre lang prangte hinter der „East Side Gallery“ am Spreeufer ein stolzes Schild „EU-Projekt Biberausstieg“, aber es half nichts. Das treppenartige Gebilde blieb von Bibern ungenutzt. Die Biber blieben in ihren Revieren. Das Party-Volk von der Warschauer Straße hatte die Treppe für sich entdeckt. Statt Bibern wurden nur junge Menschen gesichtet, die am Ufer der Spree picknickten, sangen und tranken. Erst fünf Jahre nach dem Bau des Biberausstiegs, 2014, wurde erstmals nachts ein mutiger Biber beim Ausstieg gesichtet. Vielleicht war er einfach zu erschöpft, um Menschen zu meiden.
Exkursionen mit Gunter Martin
Sonntag, 4.2.24, 11 bis 15 Uhr
Die Weißenseer Seenkette
Zum Welttag der Feuchtgebiete
Treff: Kulturhaus Peter Edel, Berliner Allee 125
Sonntag 3. März, 11 bis 14 Uhr
Die Tierwelt im Großen Tiergarten
Zum Tag des Artenschutzes
Treff: S-Bahnhof Tiergarten, auf dem Bahnsteig
Die Exkursionen sind kostenlos, aber nicht barrierefrei.
Kontakt: Umweltladen Mitte, Frau Wander Tel.: (030) 9018-22081
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Charlottenburg: Sumpfbiber meiden die für sie gebaute Biberburg
Neben dem klassischen deutschen Biber, dem braunen Elbebiber, hat sich in Berlin auch der schwarze Woronesch-Biber aus der Sowjetunion angesiedelt, erklärt Gunter Martin. Alle heimischen Biberarten sind Vegetarier, ernähren sich von Weichholz wie Weiden und Pappeln. Nur im Winter, wenn Biber nichts anderes finden, fällen sie Bäume, erklärt Martin. Im Tiergarten seien die Bäume aber vergällt, damit Bieber sie nicht annagen.
Auf der Charlottenburger Wehrinsel, nicht weit vom Schloss Charlottenburg entfernt, gibt es sogar eine von Menschen errichtete Biberburg. Ein einzigartiges Projekt in der Region, das rund 50.000 Euro gekostet hat. Doch die Sumpfbiber aus Charlottenburg meiden das Gebilde aus Beton, das als Ersatz für eine bei Bauarbeiten zerstörte Biberröhre gebaut wurde. Die Vermutung liegt nahe: Biber bevorzugen möglicherweise eigene Architekturentwürfe. Mithilfe ihrer geschickten, handähnlichen Vorderpfoten bauen sie erstaunliche Wohnhügel aus abgenagten Zweigen, Ästen und Schlamm.

Kormorane: Täglich auf der Flucht vor Waschbären
Beim Spaziergang an der Spree entdeckt Gunter Martin einen Kormoran, aber nur kurz, denn er taucht ständig unter. „Ein Kormoran fettet sein Gefieder nicht ein“, erzählt er. „Das würde ihn zu langsam machen, wenn er unter Wasser fliegt, um Fische zu jagen.“ Nach erfolgreicher Fischjagd sehe man Kormorane oft mit gespreizten Flügeln in der Sonne stehen, um zu trocknen. Kormorane waren um 1900 so gut wie ausgerottet, weil sie den Fischern ein Dorn im Auge waren.
Mittlerweile gebe es zwar wieder einige Kormorane in Berlin, doch seit einiger Zeit hätten sie neue Bedrohungen in Form von Waschbären. Diese seien exzellente Kletterer, im Gegensatz zum früheren Fressfreind, dem Fuchs. Auf einem Baum fänden Kormorane dadurch keinen Schutz mehr. Tatsächlich geht der Berliner Senat von einem „exponentiellen Waschbär-Wachstum seit Mitte der 1990er-Jahre“ aus. Experten schätzen den Bestand in Berlin auf 1000 Tiere.
Amerikanische Einwanderer in Berlin: Waschbären und Nerze
Gunter Martin beobachtet immer wieder, wie tierische Einwanderer das Zusammenleben der Tiere verändern. Biologen sprechen hier von „invasiven Arten“. Nerze seien aus den USA eingewandert, ausgezeichnete Schwimmer und gehörten zur Familie der Marder, aber „verpaarten sich nie“ mit den einheimischen Stein-Mardern. Die nordamerikanischen Waschbären seien ein weiteres Beispiel. Ein Pärchen wurde im hessischen Raum freigelassen, und dieses sei nun verantwortlich für die ganze Waschbärpopulation in Deutschland. Dass Waschbären nicht nur Vögel fressen, sondern auch die ohnehin bedrohten Amphibien und Kröten, finden viele Tierschützer nicht so gut.
Biologe: Tauben betrachten unsere Häuser als Felsen zum Brüten
Auch über die Tauben in Berlin weiß Gunter Martin einiges zu berichten: Die sogenannten Stadttauben seien eigentlich verwilderte Haustauben, ursprünglich Felsentauben aus dem Mittelmeerraum. „Für Tauben sind unsere Häuser künstliche Felsen, in denen sie brüten können. Nur unter diesen Gesichtspunkten bewerten sie ein Gebäude.“ Eine andere Wildtaubenart in Berlin ist die Ringeltaube, die ein Baumbrüter sei. Außerdem hätten sich Türkentauben angesiedelt, mit beige-grauem Gefieder. Die Türkentauben-Männchen zeigen den Weibchen verschiedene Nistmöglichkeiten und versuchen, sie durch Rufe und Flügelklatschen von sich und dem jeweiligen Neststandort zu überzeugen.
Exkursionen mit Gunter Martin
Sonntag, 4.2.24, 11 bis 15 Uhr
Die Weißenseer Seenkette
Zum Welttag der Feuchtgebiete
Treff: Kulturhaus Peter Edel, Berliner Allee 125
Sonntag 3. März, 11 bis 14 Uhr
Die Tierwelt im Großen Tiergarten
Zum Tag des Artenschutzes
Treff: S-Bahnhof Tiergarten, auf dem Bahnsteig
Die Exkursionen sind kostenlos, aber nicht barrierefrei.
Kontakt: Umweltladen Mitte, Frau Wander Tel.: (030) 9018-22081




