Seit 2012 gibt es in Deutschland den Diversitätstag. Heute, am 28. Mai, wird er gefeiert. Am Deutschen Diversity-Tag 2024 nehmen über 800 Organisationen aus ganz Deutschland teil. Alle öffentlich zugänglichen Aktionen in Berlin sind auf einem interaktiven Atlas abrufbar.

Aktuell haben 751 Unternehmen in Berlin die Selbstverpflichtung Charta der Vielfalt unterzeichnet, die 2006 von mehreren Großkonzernen und der Bundesregierung ins Leben gerufen wurde. Die Morgenpost hat einige gefragt, wie vielfältig sie sind.

Diversität – Eine vielfältige Herkulesaufgabe

Die Idee hinter Diversity- und Inklusionsmanagement ist es, das Potenzial aller Mitarbeiter optimal zu nutzen und wertzuschätzen. Eine Herkulesaufgabe, die idealerweise folgende Facetten abdeckt:

  • Altersdiversität statt Altersdiskriminierung: Die Erfahrung älterer Mitarbeiter mit den Ideen junger Kollegen kombinieren
  • Chancengleichheit für alle ethnischen Zugehörigkeiten, Hautfarben und Religionen
  • Chancengleichheit für Männer und Frauen
  • Chancengleichheit unabhängig von der sozialen Herkunft
  • Chancengleichheit für Menschen mit sichtbarer oder unsichtbarer Behinderung
  • Chancengleichheit für Menschen aller sexueller Orientierungen

BVG: „Zusammenarbeit in gemischten Teams ist erfolgreicher“

Vielfältige Silhouetten verschmelzen auf BVG-Sitzbänken zum harmonischen Design: Die erste U-Bahn mit dem „Muster der Vielfalt“ ging im Sommer 2023 in Betrieb.
Vielfältige Silhouetten verschmelzen auf BVG-Sitzbänken zum harmonischen Design: Die erste U-Bahn mit dem „Muster der Vielfalt“ ging im Sommer 2023 in Betrieb.© BM | MULINARIUS

Die Berliner Verkehrs-Betriebe (BVG) haben die Charta der Vielfalt bereits 2009 unterschrieben. Diversität sei eine Grundhaltung des Unternehmens, das von „Menschen aus mehr als 80 Nationen, verschiedener Kulturen & Religionen, unterschiedlicher sexueller Orientierung und aller Geschlechter, mit und ohne Behinderung und aus den diversesten Milieus“ geprägt wird“. Vielfalt zeigt die BVG beim Diversity-Sitzmuster, dem sogar eine eigene Modekollektion folgte, und im Berufsalltag.

Bis 2025 will die BVG den Frauenanteil der Mitarbeiter in allen Bereichen auf mindestens 27 Prozent erhöhen. Seit 2010 gibt es ein Regenbogen-Netzwerk, das 340 Mitglieder umfasst und regelmäßig Stammtische veranstaltet. Unter der Email info@bvgay.de können Mitglieder der LGBTQ+- Community Hilfe und Rat suchen. Außerdem gibt es seit 2020 ein Frauenpower-Netzwerk, das ebenfalls Stammtische und Impulsvorträge organisiert.

Frauke Eckl aus dem Team für Unternehmenskultur und Vielfalt ist sicher: „Die Zusammenarbeit in gemischten Teams ist erfolgreicher – diese Vielfalt muss aber gemanagt werden. Gerade bei den über 10.000 Neueinstellungen innerhalb der nächsten fünf Jahre bei der BVG ein wichtiger Faktor.

Friedrichstadtpalast: „Respect Each Other“ als Theaterphilosophie

Intendant Bernd Schmidt 2022 auf dem Dach des Friedrichstadtpalastes.
Intendant Bernd Schmidt 2022 auf dem Dach des Friedrichstadtpalastes.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Berndt Schmidt ist seit 2007 Intendant und Alleingeschäftsführer des Friedrichstadt-Palastes. Das Showtheater im Berliner Stadtteil Mitte beschäftigt 400 Mitarbeiter aus 40 Nationen. „Wir haben kein Diversity Management in dem Sinne“, so der 60-Jährige. „Wenn es mal zu interkulturellen Konflikten kommen sollte, wird dies in den einzelnen Bereichen, sei es Marketing, IT oder Ballett, dezentral geregelt.“ Berlin sei eine immer internationalere Stadtgesellschaft, bei der aber nicht alles in Ordnung sei. Manchmal fehle eine Verständigung zwischen Kulturen.

Vor dem Friedrichstadt-Palast weht die neue Color of Respect Fahne mit der Botschaft für gegenseitige Toleranz und Respekt.
Vor dem Friedrichstadt-Palast weht die neue Color of Respect Fahne mit der Botschaft für gegenseitige Toleranz und Respekt.© Pedro Becerra - STAGEVIEW.de | Pedro Becerra - STAGEVIEW.de

Vor zehn Jahren, als es erste rechtsradikale Aufmärsche in der Reinhardtstraße gab, prägte Schmidt die Theaterphilosophie des Theaters: „Respect Each Other“. Früher habe man Respekt für selbstverständlich gehalten, als Zeichen einer guten Kinderstube. Aber seit es wieder Parteien wie die AfD gäbe, sei dies infrage gestellt, das sähe man auch an Sylt und ähnlichen Ereignissen.

Google-Managerin: „Unsere Belegschaft soll unsere Nutzer widerspiegeln“

Diversity heißt bei Google auch Frauenfußball als Sponsor zu fördern. Vor einem Jahr kam Google-CEO Sundar Pichai an den Berliner Google-Standort, um die künftige, enge Zusammenarbeit mit der DFB-Nationalmannschaft zu verkünden.
Diversity heißt bei Google auch Frauenfußball als Sponsor zu fördern. Vor einem Jahr kam Google-CEO Sundar Pichai an den Berliner Google-Standort, um die künftige, enge Zusammenarbeit mit der DFB-Nationalmannschaft zu verkünden.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Bei Google Berlin arbeiten aktuell rund 400 Mitarbeiter:innen aus 45 Nationen. Das Unternehmen hat eine weltweit agierende Diversity-Abteilung und veröffentlicht jährlich einen Diversity Report. Elena Obiols ist als Programm-Managerin für Vielfalt und Inklusion EMEA auch für Berlin zuständig. „Wir arbeiten auf eine Zukunft hin, die auf Gleichberechtigung und Respekt ausgerichtet ist“, so Obiols. „Es ist wichtig, dass wir auch weiterhin auf unterrepräsentierte Gruppen hören, um eine Belegschaft zu schaffen, die unsere Nutzer wirklich widerspiegelt.“

Laut Diversity-Report ist die Belegschaft bei Google in Europa zwar überwiegend weiß, jedoch konnten die Anteile asiatischer, indigener und farbiger Mitarbeiter gesteigert werden. Der Frauenanteil liegt derzeit bei 33 Prozent. Sieben Prozent der Belegschaft definiert sich selbst als Angehörige/r der LGBQ+ und/oder Trans-Community, sechs Prozent haben eine Behinderung.

Die Leiterin der deutschen Diversity-Abteilung heißt Elena Obiols und sitzt in München. Am Standort Berlin gibt es verschiedene Employer Ressource Groups wie Women@Google und Pride@Google, die sich für unterschiedliche Aspekte von Diversität und Inklusion einsetzen.

SAP bringt 157 Nationalitäten unter den Hut

Das Software-Unternehmen SAP beschäftigt weltweit 111.000 Mitarbeiter aus 157 Nationalitäten. In Berlin sind es 1700 an verschiedenen Standorten: Unter anderem in der Rosenthaler Straße, sowie bald im Quartier Heidestraße. Die Diversity & Inclusion Managerin Deborah Murseli steuert das Diversity Management aus Walldorf. Allein 2022 hat SAP 550 Diversity und Inklusion Events organisiert. Im Jahr 2022 beschäftigte SAP unter anderem 215 Menschen aus dem autistischen Spektrum. Employee Networking Groups sorgen für ein größeres Verständnis untereinander. Es gibt auch Feierabend-Events, die Feiertage wie beispielsweise den Ramadan mit typischem Essen und Spielen feiern. After-Work-Events tragen dazu bei, Vorurteile zu verlieren und besser im Unternehmen anzukommen.

Siemens: Leuchtturm der Inklusion

Siemens beschäftigt weltweit rund 320.000 Menschen mit 170 Nationalitäten. In Berlin sind es rund 5000 Menschen aus 50 Nationen. Der Technikkonzern besitzt eine globale Einheit für Diversität, Chancengleichheit und Inklusion (DEI), die auch in Berlin aktiv ist. Das Ziel: Ein Arbeitsumfeld schaffen, „in dem sich alle Mitarbeitenden wertgeschätzt fühlen“, so die Berliner Personalleiterin Pamela Kunz. „Unsere Technologien werden durch Innovation angetrieben, und die Vielfalt der Gedanken, Erfahrungen und Fähigkeiten unserer Mitarbeitenden ist entscheidend.“

Bei Siemens in Berlin gibt es ein aktives „Pride-Netzwerk“, das seit Jahren auf dem Berliner CSD (Christopher Street Day) vertreten ist, um auch nach außen Flagge für Vielfalt zu zeigen. Stolz ist Siemens auch auf das Mittelspannungswerk Berlin, in dem rund sieben Prozent der Mitarbeiter eine körperliche Einschränkung haben. Es sei ein „Leuchtturmbeispiel für gelebte Inklusion“, so Pamela Kunz. Im Dezember 2022 gab‘s dafür den Berliner Inklusionspreis vom Land Berlin.