Der Karstadt an der Müllerstraße soll zu einem multifunktionalen Gebäude der Zukunft werden. Ein Mix aus Wohnen und Arbeiten, Shoppingangeboten und sozialen Projekten unter einem großen Dach vereint. Viele sehen in dem Umbau auch die Chance, den gegenüberliegenden, von einer Crack-Welle geplagten Leopoldplatz zu entlasten, indem Süchtigen eine Anlaufstelle in dem Gebäude gegeben wird. Eigentümer Signa spricht sich jedoch deutlich gegen einen Drogenkonsumraum in den eigenen Räumen aus. Bezirkspolitiker und Anwohner sehen damit die soziale Aufgabe des Eigentümers missachtet.
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Laut dem Projektverantwortlichen für den 2025 startenden Karstadt-Umbau, Achim Nelke, ist man bei Signa „gegen die Unterbringung einer Drückerstube“. „M25 soll ein Ort werden, den der Leopoldplatz aus unterschiedlichen Gründen nicht sein kann“, so Nelke. Man strebe eine Gestaltung des Hauses an, „die möglichst vielen Menschen“ zugutekommt. „Als integrativer Bestandteil eines lebendigen Kiezes wird die M25 dann erfolgreich, wenn viele Menschen viele verschiedene Gründe haben, dort zu sein“, so Nelke.
Obdachlosenunterkunft zur Zwischennutzung sei „kaum sinnvoll“
Auch dem Vorschlag, eine Unterkunft für obdachlose Menschen einzurichten – für die Monate, in denen das Warenhaus bereits geschlossen ist, aber der Umbau noch nicht begonnen hat – muss Nelke eine Absage erteilen. „Eine Zwischennutzung als Obdachlosenunterkunft für den kommenden Winter ist schon deshalb kaum möglich und sinnvoll, weil der Mietvertrag mit Galeria Karstadt Kaufhof erst Ende Januar ausläuft und sich die anschließend notwendigen Auszugs,- Rückbau und Entsorgungsarbeiten mindestens bis in das zweite Quartal 2024, und damit über die Heizperiode hinaus, ziehen werden“, so der Projektleiter.

Der Bezirk Mitte hatte sich für den umgebauten Karstadt vertraglich Flächen gesichert, in denen zukünftig gemeinwohlorientierte Angebote unterbreitet werden sollen. „Die Entscheidung, welche Nutzungen im Objekt untergebracht werden, soll über eine paritätische Kommission unter Einbeziehung des Eigentümers erfolgen“, erklärt der Sprecher den Ablauf.
Anwohner-Initiative fordert neuen Konsumraum für Süchtige
Dementsprechend überrascht reagierte der Sprecher, dass Signa offenbar im Alleingang entschieden hat, einen Druckraum abzulehnen. „Diese konkreten Aussagen von Signa sind dem Bezirksamt nicht bekannt und wurden im bisherigen Verfahren noch nicht besprochen“, so der Sprecher.
Die Idee, einen Raum für Drogenkonsumenten im Karstadt einzurichten, kam auch von der Initiative „Wir am Leo“. Ein Zusammenschluss aus Anwohnerinnen und Anwohnern mit dem Ziel, die Situation am Leopoldplatz zu verbessern. Die Engagierten hatten im März eine Demonstration am Leo organisiert. Die Zahl der Süchtigen und des offenen Drogenkonsums am Ort hatte sich zuletzt stark erhöht. Der Berliner Senat hatte im September einen Sicherheitsgipfel dazu organisiert.
„Die Menschen mit Suchtproblemen brauchen einen Ort, an dem sie sich aufhalten und auch konsumieren können“, sagt Sven Dittrich, ein Sprecher der Initiative. Signas ablehnende Haltung könne er zwar verstehen, meint aber: „Einen geeigneten Ort gibt es nie. Wahrscheinlich fühlt sich immer jemand gestört.“ Eine andere Idee nimmt daher einen Ort in den Fokus, über den der Bezirk selbst verfügen kann. „Die alte Kantine im Rathaus an der Müllerstraße steht schon länger leer“, so Dittrich.
CDU fordert Gesamtkonzept für den Leopoldplatz

Martha Kleedörfer, wohnungspolitische Sprecherin der Linksfraktion in Mitte, nimmt Signa dagegen klar in die Pflicht. „Signa baut am Leopoldplatz für viele Millionen Euro ein neues Bürohaus, das im krassen Gegensatz zum umliegenden Kiez stehen wird. Es ist die Verantwortung des Konzerns, auf die Bedürfnisse der Menschen im Kiez einzugehen, auch auf die von Suchtkranken.“
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Sebastian Pieper, Fraktionsvorsitzender der CDU-Fraktion in Mitte, sieht dagegen keine Notwendigkeit überhaupt einen neuen Drogenkonsumraum im Kiez zu schaffen. „Die Entwicklung in den vergangenen Jahren hat klar gezeigt, dass diese Räume eine stadtweite Anziehungskraft haben und mit erheblichen Begleiterscheinungen der Beschaffungskriminalität verbunden sind“, so Pieper. „Es bedarf eines Gesamtkonzepts, das die berechtigten Anliegen der Anwohnerinnen und Anwohner sowie der Gewerbetreibenden in den Mittelpunkt rückt.“



