Brigitte Schneider aus Berlin spendete einen Stein aus Schlesien, dem Land der heiligen Hedwig. Von Detlef Schmidt kam einer vom Loch Ness in Schottland in Gedenken an einen verstorbenen Freund. Ulrike Steinmetz schickte einen Stein, den sie am Strand von Warnemünde gefunden hat – für ihren Freund Dieter, der mit 73 Jahren zum Glauben gefunden hat. Diese und andere Geschichten sind nun fester Bestandteil des neuen Altars der katholischen St. Hedwigs-Kathedrale am Bebelplatz in Berlin-Mitte. Denn etwa 1000 gespendete Steine wurden in den neuen Altar eingegossen. Am Mittwoch wurde er zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Am Abend sollte er im Kreise der Mitglieder des Erzbistums Berlin geweiht werden.

Hühnergötter, Bernsteine oder Schmucksteine aus dem gesamten Bistum, das neben Berlin und Brandenburg auch Vorpommern umfasst, wurden der Hedwigs-Kathedrale gespendet. Sie kamen beispielsweise mit der Post. Viele wurden jedoch beim Fronleichnamsgottesdienst im vergangenen Jahr direkt zur Hedwigs-Kathedrale gebracht. Viele von ihnen schimmern durch nun den hellen Gussstein. Andere befinden sich im Inneren der tonnenschweren Halbkugel, die auf einem Punkt ihrer Rundung ruht.

Gottesdienst zur Altarweihe online übertragen

„Das ist ein bisschen wie bei einem Rosinenkuchen. Man müsste ihn erst anschneiden, um zu sehen, wie viele Rosinen drin sind“, sagte Stefan Förner, Pressesprecher beim Erzbistum Berlin, bei der Vorstellung des Altars in der Hedwigs-Kathedrale. Angeschnitten wird der Altar natürlich nicht. Aber geweiht wird er, wie es Usus ist, und zwar genau 250 Jahre nach der ursprünglichen Kirchweihe von St. Hedwig.

Diesen Stein sammelte die Spenderin am Strand von Warnemünde.
Diesen Stein sammelte die Spenderin am Strand von Warnemünde.© Erzbistum Berlin | Stefan Förner

Bei dem aus diesem Anlass stattfindenden Gottesdienst am Mittwochabend können aus Platzgründen jedoch ausschließlich eingeladene Bistumsmitglieder dabei sein. Die Predigt von Erzbischof Heiner Koch sollte im Internet über www.erzbistum.de gestreamt werden. Auch www.domradio.de wollte die Weihe übertragen.

Altar wurde in einem Guss gefertigt

Die Idee zum Altar stammt vom österreichischen Künstler Leo Zogmayer. In einem Guss habe er die Halbkugel aus Zement und Kies geschaffen, wie er am Mittwoch erklärte. Die Form ist dabei an die Beschaffenheit der Hedwigs-Kathedrale, Deutschlands einziger Rundkathedrale, angelehnt. „Die Halbkugel antwortet auf die Kuppel des Daches“, so Zogmayer. Der Altar steht nun exakt unter der Halbkugel der Dachkuppel. Dafür wurde das Loch zur Krypta verschlossen.

Die Bedeutung, die ein Altar hat, kann verschieden sein. In der katholischen Kirche steht er für Jesus Christus selbst und befindet sich deshalb auch in der Mitte des Raumes. Er ist das Zentrum, auf das sich alles bezieht und von dem alles ausgeht. Im Inneren enthält der neue Altar die Reliquie der heiligen Hedwig.

Leo Zogmayer: „Bistumsmitglieder stehen im Fokus“

Der neue Altar hat einen Durchmesser von zwei Metern.
Der neue Altar hat einen Durchmesser von zwei Metern.© Funke Foto Services | Maurizio Gambarini

Der erste Vorschlag zur Altargestaltung umfasste zwar auch schon Steine aus verschiedenen Bereichen des Erzbistums. Jedoch wären dabei die Kirchenmitglieder nicht so individuell gefragt gewesen. Als „zu verkopft“ empfand Leo Zogmayer es, Steine einfach nur aus allen Himmelsrichtungen heranzufahren. „Mit dieser Lösung stehen die Mitglieder im Fokus und nicht die Inszenierung des Klerus‘“, so Zogmayer.

Dass in der Kathedrale zurzeit Platzprobleme herrschen, hat mit der seit fünf Jahren laufenden Sanierung zu tun. Der Innenraum, der nach der starken Beschädigung im Zweiten Weltkrieg in den 50er-Jahren vom Architekten Hans Schwippert gestaltet wurde, wird dabei neu gedacht. Die Treppe zur Unterkirche in der Mitte des Raumes ist gänzlich verschwunden. Der Zugang erfolgt nun über den Vorraum. Die Kirchengemeinde wird nun im Kreis um den Altar positioniert. So soll eine offenere Raumgestaltung entstehen. Der Entwurf dazu stammt aus dem Architekturbüro Sichau & Walter.

St. Hedwigs-Kathedrale wird umgestaltet

Eine offene Architektur wird auch nach außen hin angestrebt. Diese soll dazu beitragen, dass die Kathedrale als mehr zum Bebelplatz zugehörig wahrgenommen wird. So sollen zukünftig große Glastüren die zwischen Staatsoper und „Hotel de Rome“ gelegene Kathedrale einladender wirken lassen. Auch für Besuche wird das Gotteshaus nach Fertigstellung geöffnet sein.

Die katholische St. Hedwigs-Kathedrale am Bebelplatz in Mitte ist derzeit geschlossen. Ihre Wiedereröffnung ist für Ende 2024 angekündigt.
Die katholische St. Hedwigs-Kathedrale am Bebelplatz in Mitte ist derzeit geschlossen. Ihre Wiedereröffnung ist für Ende 2024 angekündigt.© Funke Foto Services | Maurizio Gambarini

Im Sommer soll dann die Kirchenorgel zurückkehren. Sie stammt aus dem Jahr 1978 und musste wegen des Umbaus zunächst zerlegt und ausgelagert werden. Die Klais-Orgel wird nach Fertigstellung der Arbeiten zwar an derselben Stelle hängen, jedoch in etwas verändertem Gewand daherkommen. Einige Elemente des Instruments werden wegfallen, was die Orgel filigraner und transparenter erscheinen lassen soll.

Kostenplan von 60 Millionen Euro für Umbau werden überschritten

Zum Umbau gehört außerdem das Bernhard-Lichtenberg-Haus an der Südseite der Kathedrale. Im Juni dieses Jahres begann die Sanierung des Altbaus sowie der Teil-Neubau. Entstehen soll dort ein Katholisches Forum mit Café, einer Buchhandlung, Seminar-, Veranstaltungs- und Probenräumen. Mit der Wiederöffnung der Kathedrale wird Ende des Jahres 2024 gerechnet.

Zurzeit ist die St. Hedwigs-Kathedrale noch eine Baustelle. Schon fertig ist jedoch die Gestaltung der Innenwand der Dachkuppel.
Zurzeit ist die St. Hedwigs-Kathedrale noch eine Baustelle. Schon fertig ist jedoch die Gestaltung der Innenwand der Dachkuppel.© Funke Foto Services | Maurizio Gambarini

In Bezug auf die Kosten, die zunächst mit 60 Millionen Euro veranschlagt wurden, zeichnet sich laut Sprecher Stefan Förner bereits ab, dass der gesteckte Rahmen nicht zu halten sein wird. Die Kathedrale selbst werde mit 43 Millionen Euro nicht teurer. Beim Bernhard-Lichtenberg-Haus, für das zunächst mit 17 Millionen Euro geplant wurde, ist das jedoch anders. 12 Millionen Euro kommen dabei vom Bund, acht Millionen vom Land Berlin. Mit wie viel der Altar bei den Kosten zu Buche geschlagen hat, wurde nicht verraten.

Da die Kathedrale wegen der Sanierung bis auf Weiteres geschlossen ist, finden dort auch keine Gottesdienste statt. Ersatzweise wurden diese in die St. Joseph-Kirche in der Müllerstraße in Wedding verlegt.

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