Zu früh gefreut? Die Gesichter einiger Autofahrer, die am Mittwoch auf der Suche nach einem Parkplatz durch die Friedrichstraße rollten, wurden lang und länger. Da waren tatsächlich Mitarbeiter des Ordnungsamts unterwegs. Das machen sie öfter. Doch diesmal hatten sie etwas dabei: Sie stellten am Straßenrand Parkscheinautomaten auf.
Ausgerechnet in der teuren Friedrichstraße kann man seit Juli, seit der Wiederöffnung für den Autoverkehr, ganz umsonst sein Auto parken. Viele haben das ausgenutzt, nicht nur Besucher der Privatkliniken oder der Geschäfte, auch Mitarbeiter in den Büros. Denn jenseits der Friedrichstraße zahlt man dafür viel Geld.
Friedrichstraße: Erst werden Parkscheinautomaten aufgestellt, dann Schilder
Aber das Bezirksamt Mitte gewährte am Nachmittag nochmals Aufschub, wenn auch unfreiwillig. Denn zunächst muss der Amtsschimmel seinen Gang gehen. Die Teams in Behörden können oft nicht so schnell etwas umsetzen, wie sie vielleicht gerne wollen. In diesem Fall muss man zunächst erst einmal die Beschilderung abwarten. Dafür ist wiederum die Straßenverkehrsbehörde zuständig.
Kein Parkautomatensystem der Hauptstadt ist besser und großflächiger ausgebaut als das im Bezirk Mitte. Vier Euro in der Stunde kostet das Parken außerhalb von Tiefgaragen in den Parkzonen im Zentrum Berlins um die Friedrichstraße. In sämtlichen Quer- und Parallelstraßen, am Gendarmenmarkt, einfach überall – mit Ausnahme der Friedrichstraße selbst.
Bezirksamt hat einen Zeitplan für die Friedrichstraße
Der Zeitplan für die Friedrichstraße sieht im Bezirksamt wie folgt aus: Ein Verkehrszeichenplan soll bis Ende September angehört werden. Voraussichtlich im vierten Quartal werde dann die Beschilderung dementsprechend angepasst. „Bis zu diesem Zeitpunkt werden die Parkraumüberwachungskräfte in diesem Teil der Friedrichstraße nur Verkehrsordnungswidrigkeiten feststellen, die nicht im Zusammenhang zur Parkraumbewirtschaftung stehen“, sagte ein Mitarbeiter.
Hintergrund ist, dass die Verkehrssenatorin Manja Schreiner (CDU) die 500 Meter Friedrichstraße zwischen Leipziger Straße und Französischer Straße, die bis Juni autofrei waren, sehr schnell nach ihrem Amtsantritt wieder für den motorisierten Verkehr freigegeben hat. Schon im Wahlkampf hatte sich die CDU klar gegen das Experiment positioniert. Der Zeitraum von nur wenigen Wochen war für die Bezirksbehörden allerdings zu kurz, um alles abzustimmen.
In Berlin-Mitte gibt es sonst keine kostenlosen Parkplätze
In Mitte gibt es fast keine Umsonst-Parkplätze mehr. Lediglich der Tiergarten ist ausgenommen, auf der Straße des 17. Juni, auf dem Abschnitt zwischen dem Sowjetischen Ehrenmal und Hansaviertel kann man noch umsonst parken. Im Ordnungsamt Mitte ist man stolz darauf, als erster Bezirk „fertig“ gewesen zu sein mit der Ausweisung der Parkraumzonen.
In der Innenstadt variieren lediglich die Zeiten, zu denen dann kostenfrei das Auto abgestellt werden kann: in der historischen Mitte, zwischen Tiergarten und Alexanderplatz geht das zwischen 22 Uhr und 9 Uhr, in der Gegend, wo mehr gefeiert wird – um den Hackeschen Markt, Rosenthaler Platz und Monbijou-Park – sogar erst ab Mitternacht. Südlich der Spree bis zum Engelbecken Richtung Kreuzberg und Friedrichshain ist das Parken von 20 Uhr an frei, samstags schon ab 18 Uhr.


