Klima-Aktivisten auf der Friedrichstraße: Ein Dutzend Mitglieder der Gruppe "Letzte Generation" haben am Montagnachmittag die Einkaufsmeile besetzt, um für den Klimaschutz zu protestieren. Einigen Aktivisten gelang es, sich festzukleben, bevor die Polizei anrückte.

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Eine der Demonstranten war die 21-jährige Regina. „Die Friedrichstraße ist ein Ort, der mal autofrei war. Heute machen wir ihn wieder autofrei. Denn es ist unglaublich, wie massiv der Berliner Senat gerade versagt. Das war mal eine autofreie Straße, es war ein Ort, an dem Fahrradfahrer:innen sicher fahren konnten, war ein Ort für Fußgänger:innen. Und das in einer Zeit, in der wir eigentlich wissen, dass wir weg müssen von den fossilen Energien. Wenigstens für paar Stündchen ist die Straße nun wieder autofrei.“

Regina (21) klebt sich für den Klimaschutz auf die Friedrichstraße
Regina (21) klebt sich für den Klimaschutz auf die Friedrichstraße© Miriam Schaptke

Weiter betont sie den Mut aller Beteiligten an dieser Aktion und gibt an, schon mehrere Male an Klebeaktionen teilgenommen zu haben. „Ich hab immer eine große Angst. Das geht uns allen so. Es macht keinen Spaß. Es ist notwendig und alle Repressionen ändern nichts an dieser Notwendigkeit. Deswegen machen wir es trotzdem, trotz der Angst. Gewöhnen tut man sich da nie dran“, sagt die Medizinstudentin. Nebenbei arbeite sie für den Katastrophenschutz. Die Proteste verstehe sie als präventiven Katastrophenschutz.

Berlin: Polizei sperrt Friedrichstraße

Etwas weiter blockierten Aktivisten mit Bobbycars und einer Kundgebung die Friedrichstraße. Diese war zwischen Jäger- und Mohrenstraße gesperrt. Im Stau standen auch Radfahrer, die Polizei ließ die Bobbycar-Kundgebung zunächst gewähren.

Die Reaktionen der Passanten fielen gemischt aus. Stefanie Hoster etwa präferiert eine autofrei Friedrichstraße und sprach sich für die Protestes aus: „Ich bin 70 Jahre alt. Meine Generation war einfach nicht mutig genug. Wir habe es kommen sehen, sind aber untätig geblieben“, sagte sie. Martin wiederum befürwortete, dass die Friedrichstraße für Autos freigegeben ist. So sei es besser für die Gewerbetreibenden. Zu der Protestaktion der Letzten Generation sagte er, wolle er sich kein Urteil erlauben. „Klar es geht um Aufmerksamkeit, aber eigentlich ist es nicht sinnvoll.“

Aktivisten demonstrieren mit Bobbycars an der Friedrichstraße in Berlin-Mitte
Aktivisten demonstrieren mit Bobbycars an der Friedrichstraße in Berlin-Mitte© Uta Keseling

Die Friedrichstraße war erst am Samstag wieder für den Autoverkehr freigegeben worden. Am 29. August 2020 wurde die Friedrichstraße in dem Abschnitt zwischen Leipziger Straße und Französischer Straße autofrei. Gedacht war dies als Verkehrsversuch. Man wollte sehen, wie eine autofreie Stadt die Lebensqualität steigern könnte. Das ursprünglich auf einige Monate befristete Projekt wurde dann bis Oktober 2021 verlängert. Der Senat erklärte anschließend den Verkehrsversuch nach einer Zwischenauswertung als erfolgreich und kündigte die dauerhafte Einrichtung der autofreien Zone an. Bis dahin wollte man „überbrücken“ und die Friedrichstraße weiter für Verkehr sperren.

Im November 2022 wurde die Friedrichstraße wieder für den Autoverkehr in beide Richtungen geöffnet. Ende Januar dieses Jahres wurde die Straße wieder gesperrt. Die damalige Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) verfolgte eine neue Strategie, beim Bezirksamt war ein Teileinziehungsverfahren zur Umwidmung der Straße eingeleitet worden. Doch bei den Berlinern und Berlinerinnen kam das Hickhack um die autofreie Friedrichstraße nicht an. Jarasch verlor bei der Wiederholungswahl im Februar sogar ihr Direktmandat.

BM