Stadtentwicklung

Der Alexanderplatz - Höhenrausch in Berlins Mitte

Wolkenkratzer-Visionen für den Alexanderplatz beflügeln seit Jahren die Fantasie der Planer. Und so soll der Alex künftig aussehen.

Berlin. Er ist Deutschlands größter innerstädtischer Platz, wichtigster Verkehrsknotenpunkt des östlichen Berliner Stadtzentrums, Touristen­magnet, Kriminalitätsschwerpunkt und Dauerbaustelle: der Alexanderplatz. Schon in den 20er- Jahren beflügelte er die Fantasie der Planer, die ihn mit Hochhaustürmen versehen wollten. Doch dann kamen die Wirtschaftskrise und der Zweite Weltkrieg. Tatsächlich gebaut wurde der erste Turm schließlich zu DDR-Zeiten. Das 54 Meter hohe Haus des Lehrers wurde von 1962 bis 1964 nach den Plänen des Architekten Hermann Henselmann errichtet. Bis Anfang der 70er-Jahre folgten weitere Hochhäuser, darunter auch das „Interhotel Stadt Berlin“, das heutige „Park Inn“. Mit seinen 125 Metern ist das Gebäude bis heute das höchste Haus am Platz.

Seit dem Fall der Mauer gibt es aber ehrgeizige Pläne, das zu ändern. 1993 fand ein städtebaulicher Ideenwettbewerb für den Platz statt, aus dem der Berliner Architekt Hans Kollhoff als Sieger hervorging. Seine Vision: Zehn 150 Meter hohe Türme sollen dem Platz eine „Stadtkrone“ verleihen. Das Alexanderhaus und das Berolinahaus bilden dabei die südwestliche Begrenzung. Von der Vorkriegs-Bebauung ist außer diesen beiden Gebäuden des Architekten Peter Behrens nichts mehr erhalten.

Kollhoffs Vision erwies sich in den folgenden 20 Jahren jedoch als zu ambitioniert. Von den 150-Meter-Türmen steht bis heute keiner. Tatsächlich gebaut wurden stattdessen andere und deutlich flachere Gebäude: ein Einkaufszentrum, ein Kino, ein Kaufhaus und gleich mehrere Hotels. 2015 entschied sich deshalb die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung dafür, den Masterplan zu überarbeiten und an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Das war auch dringend nötig, denn Gebäude, die für die Umsetzung des Kollhoff’schen Plans eigentlich abgerissen werden müssten, sind mittlerweile von deren Eigentümern aufwendig saniert oder unter Denkmalschutz gestellt worden, wie etwa das Haus des Reisens oder das Haus des Berliner Verlags. Nach den überarbeiteten Plänen sind nun höchstens noch neun Türme denkbar.

Kein Hochhaus soll höher werden als 130 Meter

Nicht der einzige Schrumpfungsprozess: Das Baukollegium, ein Expertenrat von sechs Architekten, das gemeinsam mit Senatsbaudirektorin Regula Lüscher Bauherren, Planer und Bezirkspolitiker bei großen Bauvorhaben berät, empfiehlt nun, dass kein geplantes Hochhaus höher werden soll als maximal 130 Meter. Damit, so das Argument, orientiere man sich an der Höhe des „Park Inn“ und schaffe eine zusammenhängende Höhenentwicklung für alle Hochhäuser.

Das französische Immobilienunternehmen Covivio, Eigentümer des „Park Inn“ und der angrenzenden Baufelder, hat diesen Wunsch bereits berücksichtigt. Der vor knapp einem Monat präsentierte Wettbewerbsentwurf für den Bau eines Zwillingsturms neben dem Hotel verzichtet auf 20 Meter Höhe und bescheidet sich mit 130 Metern (Punkt 3).

Auch die Berliner TLG Immobilien hat im Oktober ein Modell vorgestellt, das als Grundlage für einen Architekturwettbewerb, der 2019 stattfinden soll, jeweils nur noch zwei 130 Meter hohe Türme vorsieht (Punkte 4 und 5).

Für einige Projekte kommt der Änderungswunsch aber wohl zu spät. Zumindest für einen 150-Meter-Turm liegt bereits eine Baugenehmigung vor. Der russische Konzern Monarch plant diesen Turm direkt neben dem rosaroten Einkaufszentrum Alexa (Punkt 7).

Frank O. Gehry baut das höchste Wohnhaus Berlins

Und auch für ein weiteres 150-Meter-Hochhaus gibt es seit 2014 konkrete und bereits abgestimmte Pläne. Das 39 Stockwerke hohe Gebäude, entworfen vom amerikanischen Stararchitekten Frank O. Gehry, soll das höchste Wohnhaus Berlins werden. Allerdings liegen die Pläne seit Jahren auf Eis, weil das Gebäude über den Tunneln der U-Bahnline 2 errichtet werden soll, und die BVG deshalb Bedenken hat. Inzwischen deutet sich aber eine Einigung an (Punkt 6). Eine schmucklose Brandwand an der der Alexander-straße zugewandten Seite des Saturn-Kaufhauses zeigt derzeit an, wo das Gebäude ansetzen soll.

Tatsächlich realisiert wurde am Alexanderplatz bislang nur ein Turm bescheideneren Ausmaßes: Das 60 Meter hohe „Motel One“ an der Grunerstraße, das vergangenes Jahr fertiggestellt wurde (Punkt 8). Sicher ist am Alexanderplatz deshalb nur eines: So viele Hochhausprojekte wie noch nie in seiner Geschichte stehen in den Startlöchern. Wie hoch hinaus es am Platz in Zukunft aber wirklich geht, das ist noch offen.

Auch die Kaufhaus-Kette Galeria Kaufhof plant ein Hochhaus. Nach dem überarbeiteten Masterplan des Architekten Hans Kollhoff soll es direkt neben dem Kaufhaus an der Karl-Liebknecht-Straße entstehen. Ob dieses wie von Kollhoff geplant 150 oder wie vom Berliner Baukollegium 130 Meter hoch wird, ist derzeit noch offen. 2017 hatte Galeria Kaufhof erstmals entsprechende Ideen präsentiert.

Der Grundstückseigentümer von Galeria Kaufhof am Alexanderplatz verfolge zum einen die Absicht, das bestehende Warenhaus an der Karl-Liebknecht-Straße zu erweitern. „Zum anderen werden alle Möglichkeiten eruiert, um das bestehende Baurecht zu nutzen und ein Hochhaus entsprechend den dort festgesetzten Rahmenbedingungen an der Ecke Dircksenstraße Ecke Karl-Liebknecht-Straße schnellstmöglich zu errichten“, teilte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage der Berliner Morgenpost mit. Während der Baumaßnahme könnte das Warenhaus aber uneingeschränkt von Kunden besucht werden, versicherte er. „Sobald die Abstimmungen mit den Behörden zum Baugenehmigungsprozess erfolgreich abgeschlossenen sind, kann von einer Fertigstellung des Gesamtprojektes innerhalb von vier Jahren ausgegangen werden“, so der Sprecher weiter.

Kaufhof-Eigentümer haben große Pläne (Punkt 1)

Auch die Kaufhaus-Kette Galeria Kaufhof plant ein Hochhaus. Nach dem überarbeiteten Masterplan des Architekten Hans Kollhoff soll es direkt neben dem Kaufhaus an der Karl-Liebknecht-Straße entstehen. Ob dieses wie von Kollhoff geplant 150 oder wie vom Berliner Baukollegium 130 Meter hoch wird, ist derzeit noch offen. 2017 hatte Galeria Kaufhof erstmals entsprechende Ideen präsentiert.

Der Grundstückseigentümer von Galeria Kaufhof am Alexanderplatz verfolge zum einen die Absicht, das bestehende Warenhaus an der Karl-Liebknecht-Straße zu erweitern. „Zum anderen werden alle Möglichkeiten eruiert, um das bestehende Baurecht zu nutzen und ein Hochhaus entsprechend den dort festgesetzten Rahmenbedingungen an der Ecke Dircksenstraße Ecke Karl-Liebknecht-Straße schnellstmöglich zu errichten“, teilte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage der Berliner Morgenpost mit. Während der Baumaßnahme könnte das Warenhaus aber uneingeschränkt von Kunden besucht werden, versicherte er. „Sobald die Abstimmungen mit den Behörden zum Baugenehmigungsprozess erfolgreich abgeschlossenen sind, kann von einer Fertigstellung des Gesamtprojektes innerhalb von vier Jahren ausgegangen werden“, so der Sprecher weiter.

Zwei Türme nehmen das Hotel Park Inn in ihre Mitte (Punkt 2 und 3)

Neben dem Hotel „Park Inn“ am Alexanderplatz plant Eigentümer und Bauherr Covivio zwei weitere 130 Meter hohe Türme. Bereits konkret sind die Pläne für den geplanten Wohnturm, der dort entstehen soll, wo heute im Sockelgebäude des „Park Inn“ noch ein Schuhmarkt Mieter ist und der Biergarten „AlexOase“ angesiedelt ist. Covivio rechnet mit Investitionskosten von rund 450 Millionen Euro – alleine für den ersten Turm.

Am 19. Oktober präsentierte das Unternehmen den Wettbewerbssieger: Er soll nach den Plänen des Berliner Architekturbüros Sauerbruch Hutton entstehen. Das Bauvorhaben soll im kommenden Jahr starten und bis 2023 fertiggestellt werden. In dem gemischt genutzten Hochhaus mit einer Geschossfläche von 60.000 Quadratmetern sind Büros, Einzelhandel, Gastronomie und 220 Wohnungen vorgesehen. Sozialwohnungen sind laut Bebauungsplan nicht notwendig. Bei der Mietpreisgestaltung will sich das Unternehmen laut eigener Aussage an den aktuellen Marktpreisen orientieren, diese lägen derzeit bei 15 Euro je Quadratmeter.

Ferner sollen eine Kita, ein Fitness-Club sowie Restaurants und Cafés, eine Dachterrasse auf dem Sockelgebäude und ein großer begrünter Innenhof entstehen. Anders als der 150 Meter hohe Wohnturm, den das US-amerikanische Unternehmen Hines in unmittelbarer Nähe plant, habe man aber keine gravierenden Schwierigkeiten zu befürchten, versicherte Covivio-Projektentwickler Marcus Barten-stein. Parallel zu den Bauvorbereitungen für den nun vorgestellten Turm will Covivio gemeinsam mit der Stadt den Bebauungsplan für das Grundstück auf der anderen Seite des „Park Inn“ an der Ecke Karl-Liebknecht-Straße entwickeln. Dort soll ebenfalls ein 130 Meter hoher Turm stehen. Einen Architekturwettbewerb für diesen Turm stellte Covivio für 2019 in Aussicht.

Wettbewerb für zwei TLG-Türme in 2019 (Punkt 4 und 5)

Auch die TLG Immobilien AG hat nun Planungen für Hochhäuser am Alexanderplatz. Im Berliner Baukollegium präsentierte das Unternehmen Mitte Oktober erstmals eine entsprechende Modellstudie des Berliner Architekturbüros Léonwohlhage. Demnach soll der 220 Meter lange Riegel des Hauses der Elektroindustrie mit den Adressen Alexanderstraße 1, 3, 5 und Ecke Karl-Liebknecht-Straße 30, der sich im Besitz der TLG befindet, abgerissen werden.

Statt eines Riegelbaus sollen drei eigenständige Blöcke neu errichtet werden, aus denen sich an den jeweiligen Enden zwei 130 Meter hohe Türme erheben sollen. Mitte 2019 soll dazu ein Wettbewerbsverfahren zur Gestaltung starten. Die Mieter der Bestandsgebäude aus den 60er-Jahren, zu denen an der Ecke Karl-Liebknecht-Straße auch das Hofbräuhaus gehört, haben lediglich befristete Mietverträge, teilte die TLG auf Nachfrage der Berliner Morgenpost mit. Insgesamt soll das Ensemble gemäß dem geltenden Bebauungsplan ein Flächenpotenzial von 149.500 Qua­dratmetern haben. Zum Vergleich: heute umfasst die Baumasse rund 56.000 Quadratmeter.

Dafür soll künftig an der Adresse auch gewohnt werden: 15 Prozent der Fläche müssen, so sieht es der Bebauungsplan vor, Wohnzwecken dienen.

Amerikaner entwickeln den Hines-Tower (Punkt6)

US-Investor Hines will auf dem Areal direkt neben dem Elektronikmarkt Saturn auf dem Alexanderplatz einen 150 Meter hohen Wohnturm nach Plänen des US-Star-Architekten Frank O. Gehry errichten. Genau an dieser Stelle wurde bereits in den 30er-Jahren ein massiver Betonblock um die beiden Tunnelröhren der U-Bahnlinie 5 gegossen – schon damals war hier ein 42 Meter hohes Gebäude geplant. Da das Hines-Hochhaus nicht nur viel höher, sondern auch viel schwerer wird, haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) jedoch Bedenken gegen das Projekt angemeldet, das deshalb auf Eis liegt.

Mitte Oktober dieses Jahres hatte es erneut ein Treffen zwischen dem Investor und der BVG gegeben. Nach Auskunft von BVG-Sprecherin Petra Reetz sei man „deutlich zufriedener“ auseinandergegangen. Inzwischen würden fünf Varianten diskutiert und von Experten geprüft. Man sei „optimistisch, dass eines der Verfahren greift“, so die BVG-Sprecherin. Mit belastbaren Ergebnissen, ob mit dem Turmbau begonnen werden kann, werde für das erste Quartal 2019 gerechnet.

150-Meter-Turm mit Baugenehmigung (Punkt 7)

Am 1. Juli 2016 hat der Investor, die russische Monarch Group, den Bauantrag für den Bau des 150 Meter hohen Towers direkt neben dem Einkaufszentrum Alexa an der Alexanderstraße Ecke Grunerstraße (Baufeld E1) gestellt. Mit der Vermarktung der Wohnungen wurde das Unternehmen Bewocon beauftragt. Im März dieses Jahres gab das Unternehmen bekannt, dass es nunmehr auch die Baugenehmigung vom Bezirk Mitte erhalten habe.

Der Turm soll 150 Meter hoch werden und auf 39 Stockwerken Platz für insgesamt 377 Wohnungen zwischen 30 und 250 Quadratmetern bieten. Auf weiteren sechs Stockwerken ist Gewerbe geplant, darunter ein Kino, ein Wellness Spa und ein Restaurant. Der erste Spatenstich sollte eigentlich im Frühjahr 2018 erfolgen. Doch derzeit stecke man noch in Abstimmungen mit den Nachbarn, teilte der Unternehmenssprecher auf Nachfrage der Berliner Morgenpost mit. Die Fertigstellung ist für Spätsommer 2021 vorgesehen. Das Berliner Architekturbüro Ortner & Ortner hat den Turm entworfen. Die Kaufpreise für die Wohnungen sollen bei 6000 Euro und pro Quadratmeter starten.

Motel One ist das erste fertige Hochhaus (Punkt 8)

Vor knapp einem Jahr wurde das „Motel One“ an der Grunerstraße 11 eröffnet. Das neue Hotel ist am Standort des früheren Gesundheitsministeriums der DDR, das abgerissen wurde, entstanden. Mit 60 Meter Höhe, 19 Geschossen und 708 Zimmern auf der rund 2500 Quadratmeter großen Fläche ist es nach dem Kollhoff-Masterplan von Anfang der 90er-Jahre tatsächlich der erste Hochhaus-Neubau am Alexanderplatz.

Auch dieses Bauvorhaben hatte übrigens mit dem schwierigen Baugrund zu kämpfen. Während der Bauphase war es infolge des Einbaus von Stahlbetonstützen zu unerwartet hohen Setzungen des Tunnels der U 2 gekommen, der im Bereich des Baufelds liegt. Die BVG verlangte einen Baustopp. Nachdem der Tunnel stabilisiert wurde und Gutachter keine weiteren Gefahren sahen, durfte weitergebaut werden. Fertig ist auch das Hotel Hampton by Hilton Otto-Braun-Str. 69 Ecke Mollstraße. Das weltgrößte Hampton by Hilton wurde im Mai 2017 mit 344 Zimmern, Business- und Fitness-Center und Tiefgarage eröffnet. Allerdings handelt es sich hier nicht um ein Hochhaus.

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