Der verstärkte Personaleinsatz der Berliner Polizei am Alexanderplatz zahlt sich offenbar aus. Seit der Einsetzung einer speziellen Ermittlungsgruppe („EG Alex“) im November 2017 ging die Zahl der erfassten Straftaten zurück. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2017 zählte die Polizei knapp 5400 Delikte an dem Kriminalitätsschwerpunkt. Im gleichen Zeitraum 2018 waren es etwas mehr als 4900 Straftaten.

Besonders auffällig ist der Rückgang, über den zuerst der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) berichtet hatte, bei den sogenannten „Rohheitsdelikten“. So registrierte die Polizei in den ersten drei Quartalen 2017 am Alexanderplatz 556 teils schwere und gefährliche Körperverletzungen. Im laufenden Jahr sank die Zahl im selben Zeitraum auf 375 registrierte Taten. Das entspricht einem Rückgang von gut 30 Prozent. Die Zahl der Raubtaten hat sich fast halbiert.

In der EG Alex sind seit 1. November rund um die Uhr jeweils sechs Polizisten eingesetzt. Seit 1. März kümmert sich zudem ein eigener Staatsanwalt um Ermittlungen mit Bezug zum Alexanderplatz. Seit Mitte Dezember 2017 zeigen Bundes- und Landespolizei auf dem Platz mit einer stationären „Kombiwache“ Präsenz. Die Behörden reagierten damit auf die anhaltend hohe Zahl von Straftaten, darunter viele Körperverletzungen, Raubtaten und spektakuläre Einzelfälle, bei denen Menschen zu Tode geprügelt wurden. Für Schlagzeilen hatte im Jahr 2012 der Fall des damals 20 Jahre alten getöteten Schülers Jonny K. gesorgt. Zwei Jahre später war ein weiterer Mann nach einem Discobesuch erstochen worden.

Politik und Polizei bekamen das Kriminalitätsproblem am Alexanderplatz lange nicht in den Griff. Der Einsatz der EG Alex scheint dagegen nun Erfolg zu bringen. Der Rückgang der Straftaten erklärt sich allerdings auch durch sinkende Zahlen bei minder schweren Delikten, etwa bei „Schwarzfahrten“ in S- und U-Bahn. Bei Betäubungsmitteldelikten und Verstößen gegen das Asyl- oder Aufenthaltsgesetz registrierte die Polizei sogar einen Anstieg. Ermittler verweisen allerdings darauf, dass dies an den verstärkten Kontrollen liege.

"Wir sehen, dass zusätzliche Präsenz etwas bringt"

Innensenator Andreas Geisel (SPD) nannte die EG Alex „eine Erfolgsgeschichte“. Die Kriminalität sei gesunken, weil Täter inhaftiert worden seien und nicht mehr aktiv werden könnten. Es gebe aber auch Verdrängungseffekte, räumte Geisel ein. Dass verstärkte und anhaltende Polizeipräsenz erfolgreich sei, zeige sich auch am Kottbusser Tor und am Görlitzer Park, sowie am RAW-Gelände. Auch dort sinke die Zahl der registrierten Straftaten. „Der Kotti war als gefährlichster Ort Deutschlands verrufen. Das ist jetzt nicht mehr so“, sagt Geisel.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) wertete den Rückgang der Straftaten am Alexanderplatz als Beleg dafür, dass sich ein verstärkter Polizeieinsatz auszahle. „Wir sehen, dass zusätzliche Präsenz etwas bring“, sagte Berlins GdP-Sprecher Benjamin Jendro. Die Zahl der Straftaten an dem meist frequentierten Platz der Stadt sei aber immer noch sehr hoch. „Von der Vorstellung, den Alex vollständig kriminalitätsfrei zu bekommen, müssen wir uns verabschieden“, sagte Jendro.

Die Besatzungen der Streifenwagen werden unterdessen mit rund 150 Handys und 1200 Computer-Tablets ausgestattet. Auf den Geräten sind spezielle Apps installiert, die den Beamten die Arbeit und die Kommunikation erleichtern sollen.

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