Bei Einsatz in Wedding

"Nichts Besseres zu tun?" - Menschenmenge greift Polizei an

Anfang der Woche wurden Polizisten von einer Menschenmenge am Gesundbrunnen bedrängt. Nun gab es erneut einen Vorfall.

Erneut wurden Polizisten in Wedding von einer aufgebrachten Menschenmenge bedrängt

Erneut wurden Polizisten in Wedding von einer aufgebrachten Menschenmenge bedrängt

Foto: Paul Zinken / dpa

Erneut hat sich in Gesundbrunnen eine Menschenmenge gebildet, um gegen die Polizei vorzugehen. Die Situation in der Badstraße war eskaliert, als Beamte eine Fußgängerin kontrollierten und sich ein Unbeteiligter einmischte. Rund 40 Polizisten waren nötig, um die Lage zu beruhigen.

>> Kommentar: Mehr Respekt für Polizisten

Zunächst war es ein Routineeinsatz: Eine Streife überprüfte Mittwochnachmittag gegen 14.30 Uhr vor einem Frisörgeschäft an der Badstraße eine Passantin, weil sie bei Rotlicht über die Straße gelaufen war. „Während der Kontrolle kam aus dem Geschäft ein Mann, fragte die Polizisten, ob sie nichts Besseres zu hätten und äußerte, dass die Polizei vor dem Laden keine Maßnahmen vorzunehmen hätte“, teilte ein Sprecher der Behörde am Donnerstag mit. Als die Beamten den Mann wegschickten, seien sie von dem 23-Jährigen beleidigt worden.

Nach der weiteren Schilderung der Polizei sollte er sich ausweisen, doch der junge Mann versuchte, in den Frisörladen zu flüchten. Als die Beamten ihn festhalten wollten, begann der Mann, um sich zu schlagen und versuchte einen gezielten Fausthieb gegen einen Polizeimeister, was dessen Kollegen aber verhinderten.

„Selbst nachdem er zu Boden gebracht worden war, schlug und trat er weiter um sich. Dabei verletzte er mit seinem Ellenbogen einen Polizisten im Gesicht, der ein Hämatom am Auge davontrug. Der Beamte konnte seinen Dienst fortsetzen“, teilte die Polizei weiter mit. Während der Festnahme bildete sich vor dem Geschäft eine Menschentraube. Rund 30 Personen kamen nach Polizeiangaben zusammen, die lautstark gegen den Einsatz protestierten und in das Geschäft eindringen wollten. Schnell traf Verstärkung ein, 40 Beamte beruhigten die Menge. Der 23-jährige Festgenommene wurde zur Aufnahme einer Anzeige wegen Körperverletzung, Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung in eine Gefangenensammelstelle gebracht.

Erst am Montag hatte sich in der Soldiner Straße eine Menschenmenge aus 70 Personen gegen die Polizei gestellt. Eine Streife hatte einen Elfjährigen überprüft, der als kiezorientierter Mehrfachtäter bekannt ist, weil er ein abgestelltes Auto gestartet hatte. Die Menschenmenge wollte die Polizisten vertreiben. Es kam zu Rangeleien und zwei Festnahmen. Erst durch einen Großeinsatz mit mehreren Hunden konnte die Lage beruhigt werden. Die Polizei bezeichnete es als Zufall, dass innerhalb von drei Tagen zwei ähnliche Vorfälle in Gesundbrunnen passiert sind. Der Soldiner Kiez ist geprägt durch einen hohen Anteil an Bewohnern mit Migrationshintergrund sowie einer Arbeitslosenquote von rund 13 Prozent.

Der Vorfall dort sei der erste dieser Art seit mehreren Jahren. Dort habe die Polizei erfolgreiche Präventionsarbeit betrieben, sagte der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei, Benjamin Jendro. Berlinweit komme es aber häufiger zu Angriffen und Widerstandshandlungen. „Das ist eine Folge von weniger Beamten auf den Straßen. Wir brauchen mehr Kontaktbereichsbeamte, die als Ansprechpartner fungieren“, fordert Jendro.

Bodo Pfalzgraf, Berliner Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, mahnt „konsequente Rezepte“ gegen die aufflammende Gewalt gegenüber Polizeibeamten an. Jede Verkehrskontrolle könne inzwischen eskalieren. „Die Hilfe der Justiz ist erforderlich, damit es bei Festnahmen zu möglichst raschen Verurteilungen kommt“, sagte er.

Innensenator fordert harte Bestrafung von Gewalttätern

„Es ist unerträglich, wie unsere Polizei hier attackiert und an ihrer Arbeit gehindert wird“, sagte Innensenator Frank Henkel (CDU). Wo der Respekt vor der Polizei fehle, müsse der Rechtsstaat Stärke zeigen und sich Respekt verschaffen. Dies sei nur durch Präsenz und gute Polizeiarbeit nicht zu erreichen. „Wer Polizisten angreift, muss Konsequenzen spüren. Harte Strafen sind eine Sprache, die diese Täter hoffentlich verstehen“, sagte der Senator.

Polizeisprecher Thomas Neuendorf betonte, es gebe zwar in Berlin Bereiche, wo mit Störungen von Polizeimaßnahmen gerechnet werden müsse, aber es gebe keine „No-go-areas“: „Wir sind in der Lage, in kürzester Zeit Unterstützung hinzuzuziehen und konsequent einzuschreiten.“

Henkel setzt auf "Innere Sicherheit"