Gewalt in Berlin

"Das ist unsere Straße!" - 70 Menschen bedrängen Polizei

Ein Elfjähriger startet mehrfach ein Auto. Zeugen rufen die Polizei. Plötzlich werden die Einsatzkräfte beschimpft und attackiert.

Polizeieinsatz an der Soldiner Straße (Archivbild)

Polizeieinsatz an der Soldiner Straße (Archivbild)

Foto: Steffen Pletl

Rund 70 Menschen haben sich am Montagabend in Gesundbrunnen geschlossen gegen die Polizei gestellt. Erst durch einen Großeinsatz beruhigte sich die Lage wieder. Strafanzeigen wegen Landfriedensbruchs, Beleidigung, versuchter Körperverletzung, versuchter Gefangenenbefreiung, unberechtigten Gebrauchs eines Kraftfahrzeuges sowie Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte sind das Ergebnis des Einsatzes.

Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, hatten Zeugen gegen 19.40 Uhr die Polizei in die Soldiner Straße alarmiert und angegeben, dass Kinder in einem Auto spielen würden und mehrfach den Motor gestartet hätten. Als die Beamten eintrafen, wiesen Zeugen auf einen Elfjährigen als denjenigen, der mehrfach das offen stehende Auto gestartet hätte.

Die Polizisten sprachen den Jungen an, der ihnen bereits als kiezorientierter Mehrfachtäter bekannt ist. Den weiteren Angaben zufolge reagierte er sofort aggressiv. Innerhalb kürzester Zeit seien mehrere bis dahin Unbeteiligte zusammengekommen. Schließlich hätten bis zu 70 Personen um die Beamten herumgestanden. „Mehrfach wurde aus der Menschenmenge heraus ,Haut ab, das ist unsere Straße’ gerufen“, sagte ein Polizeisprecher. Insbesondere mehrere Familienangehörige des Elfjährigen bedrängten demnach die Polizisten und beschimpften sie äußerst aggressiv, woraufhin die Beamten begannen, Platzverweise auszusprechen und Verstärkung anzufordern.

21-Jähriger will gefesselten Komplizen befreien

Der 21 Jahre alte Bruder des Jungen ignorierte einen Platzverweis und beleidigte mehrfach einen Beamten. Auch ein weiterer 21-Jähriger weigerte sich laut Polizei trotz mehrfacher Aufforderung, Abstand von den polizeilichen Maßnahmen zu halten, und wurde beleidigend. Als Polizisten den Bruder des Elfjährigen festnahmen, wollte der zweite 21-Jährige dies verhindern und den schon gefesselten Mann befreien.

Die Beamten setzten daraufhin Reizgas ein. Erst als dann weitere Polizisten und auch mehrere Diensthunde als Unterstützung hinzukamen, beruhigte sich die Lage an der Kreuzung Soldiner Straße Ecke Koloniestraße. Ein Polizist erlitt durch den Widerstand während der Festnahme Verletzungen am Handgelenk und am Knie, blieb aber im Dienst.

„Meinen großen Respekt, wie die Beamten in dieser brenzligen Situation reagiert haben. Das zeigt, wie hart es ist, in manchen Problemkiezen Recht und Gesetz durchzusetzen“, sagte am Dienstag Innensenator Frank Henkel (CDU). Das aggressive Verhalten der Menschenmenge sei völlig inakzeptabel. „Das ist leider kein Einzelfall“, sagte Henkel.‎