Historische Mitte

Berliner sollen online über die neue Stadtmitte diskutieren

Historisch, modern, DDR-Look: Berlins Mitte vereint verschiedene Baustile. Diese sollen nun zu einer attraktiven Stadtlandschaft verschmelzen. Ab Montag können Bürger im Internet Vorschläge machen.

Foto: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Wo in anderen europäischen Metropolen die Menschen durch ihre Altstadt flanieren – im Zentrum der Stadt – verlieren sie sich in Berlin inmitten einer Ansammlung monumentaler Gebäude verschiedenster Bauepochen. Auf dem Schloßplatz thront das im Rohbau bereits nahezu fertige Humboldtforum, das an drei Seiten mit den historischen Fassaden des 1950 gesprengten Berliner Schlosses verkleidet wird.

Jenseits der Spree und der Spandauer Straße schließen sich dann das trutzige Berliner Rathaus und der Neptunbrunnen aus dem 19. Jahrhundert, die Rathauspassagen und Wasserbecken im Stil der DDR-Moderne und die in die Ecke gedrängte mittelalterliche Marienkirche an. Überragt wird das Ganze schließlich vom 368 Meter hohen Fernsehtrum, ebenfalls errichtet zu DDR-Zeiten.

Ideen und Vorschläge, wie dieses Gebäudekonglomerat zu einer attraktiven Stadtlandschaft verschmelzen kann, gab es in den vergangenen zwei Jahrzehnten zwar viele. Doch geschehen ist bislang wenig. Das soll sich ändern, verspricht Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Unter ihrer Federführung startet am Montag ein „ergebnisoffener Dialogprozess, um auch diejenigen anzusprechen, die bisher in der öffentlichen Debatte nicht zu Wort gekommen sind“, sagte Lüscher. Die ersten beiden Monate soll dieser Beteiligungsprozess im Internet stattfinden. Dort können sich Interessierte über das Verfahren informieren und ihre Meinung zum derzeitigen Zustand des Areals äußern. Am 18. April soll dann im Berliner Congress Centrum am Alexanderplatz das erste Auftaktforum stattfinden.

Senat verzichtet auf Vorgaben

Wer auf dieser Auftaktveranstaltung, der dann bis in den Herbst hinein eine ganze Reihe von Werkstattgesprächen, Kolloquien, Ausstellungen und „partizipativen Theaterabenden“ folgen sollen, konkrete Diskussionsvorschläge der Senatsbaudirektorin erwartet, wird enttäuscht. „Ganz bewusst haben wir darauf verzichtet, irgendwelche Vorgaben zu machen“, betonte Lüscher am Freitag bei der Vorstellung des Konzepts.

Man habe aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, sagte sie in Anspielung auf den erfolgreichen Volksentscheid zum Tempelhofer Feld, in dem die Mehrheit der Wähler sich gegen die vom Senat vorgeschlagene Bebauung ausgesprochen hatte. „Deshalb werde ich mich mit meiner persönlichen Meinung auch zurückhalten“, ergänzte sie. Man wolle den Eindruck vermeiden, dass der Beteiligungsprozess nur ein Feigenblatt sei, mit dem man bereits fertige Pläne verberge.

>>> Berlins wichtigste Bauprojekte - wo es vorangeht, wo es hakt <<<

Um sich diesem Vorwurf nicht auszusetzen, gibt es deshalb auch keine architektonischen Visionen für das Areal, die man den Forumsteilnehmern präsentieren könnte. Das war vor fünf Jahren noch anders. Damals hatte die Senatsbaudirektorin für das 14 Hektar große Areal zwischen Alexanderplatz und Schloßplatz, Berliner Rathaus und Marienkirche noch über einen Architekturwettbewerb „Visionen für den Stadtkern“ gesucht. „Die Stadtdebatte soll zunächst einmal das Areal, so wie es ist, in den Mittelpunkt der Betrachtung rücken“, begründete Lüscher. Deshalb habe man auch ein mit 14 Bürgern besetztes Kuratorium einberufen, das dafür Sorge tragen soll, dass möglichst alle Interessengruppen Gehör finden. Das Gremium ist besetzt mit Vertretern des Bezirks Mitte, Anrainern wie die Wohnungsbaugesellschaft Mitte, der evangelische Kirche und der Vereinigung der Geschäftsleute. Darüber hinaus sind auch Organisationen, Institutionen und Vereine wie BUND, Stiftung Zukunft Berlin, Stiftung Berliner Schloß – Humboldtforum, Visit Berlin, Hermann-Henselmann-Stiftung sowie das Bürgerforum Historische Mitte Berlin vertreten.

Ziel der Veranstaltungsreihe: Bis Jahresende sollen unter Mitwirkung der Öffentlichkeit Empfehlungen zur Weiterentwicklung des Areals erarbeitet und an das Abgeordnetenhaus übergeben werden. Auf dieser Grundlage soll dann 2016 der städtebaulicher Wettbewerb für die Mitte Berlins ausgeschrieben werden.

>>> Die Gestaltung von Berlins historischer Mitte - Hier können Sie mitdiskutieren ! <<<

Foto: Bernd Albers