Kulturforum

Berlin sucht einen Platz für das Museum der Moderne

| Lesedauer: 5 Minuten
Stefan Kirschner

Das neue Kunstmuseum wird wohl an der Potsdamer Straße errichtet - zwischen Philharmonie und Neuer Nationalgalerie. Doch dort ist die Grundstücksfrage kompliziert.

Die Sammler saßen prominent platziert unten im Saal direkt hinter den Abgeordneten: Das Ehepaar Ulla und Heiner Pietzsch, Erich Marx und Egido Marzona waren zur Anhörung eingeladen worden – und gekommen. Schließlich ging es ja um ihre Werke. Beziehungsweise den Ort, an dem ihre Sammlungen künftig neben Bildern aus dem Bestand der Neuen Nationalgalerie präsentiert werden. Dazu soll ein neues Ausstellungshaus in Berlin auf dem Areal des Kulturforums gebaut werden, der Haushaltsausschuss hat dafür Ende vergangenen Jahres 200 Millionen Euro bewilligt.

Und weil der Ausschuss bei der Errichtung des geplanten Museums der Moderne ein Wörtchen mitreden will – und die Gelder noch gesperrt sind –, gab es am Montag die Anhörung. Es ging um die Kosten, die zeitliche Umsetzung, Wettbewerbe und den Standort.

Der war umstritten. Drei verschiedene Orte hatte das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) untersucht: Ein Grundstück hinter der Neuen Nationalgalerie an der Sigismundstraße, ein Areal an der Potsdamer Straße zwischen Neuer Nationalgalerie und Philharmonie und schließlich einen Bereich an der Tiergartenstraße. Letzterer dürfte aus dem Rennen sein, lediglich die Grünen-Abgeordnete Anja Hajduk sprach sich dafür aus, auch für diesen Standort ein Bebauungsplanverfahren einzuleiten, um eine Alternative zu haben, falls es Schwierigkeiten an den anderen Plätzen gebe.

Für Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) kam von vornherein nur ein Standort in Frage: der an der Potsdamer Straße. Die Kulturpolitikerin, die jahrelang im Abgeordnetenhaus saß und sich dort auch mit der Ödnis auf dem Platz zwischen Philharmonie und Neuer Nationalgalerie befasst hat, möchte mit dem Museumsneubau an dieser markanten Stelle das Kulturforum weiterentwickeln. Sie hat in den vergangenen Wochen offenbar viel Überzeugungsarbeit geleistet und dafür gesorgt, dass sowohl die Preußenstiftung als auch das Land Berlin auf ihre Linie einschwenkten.

Verkaufsverhandlungen laufen

Und auch Rüdiger Kruse (CDU) und Johannes Kahrs (SPD), die beiden für den Kulturetat zuständigen Haushälter der Regierungsfraktionen, die aus Gründen der schnellen Realisierbarkeit Sympathien für die Sigismundstraße hatten, weil dort die Grundstücke Berlin und der Stiftung gehören, neigen jetzt zur Potsdamer Straße, wie Kruse gegenüber der Berliner Morgenpost sagte. Kahrs betonte allerdings auch, dass es keine „Vorfestlegung geben darf.“

Es dürfte auf die Potsdamer Straße hinauslaufen. Dort ist die Grundstücksfrage etwas komplizierter: 80 Prozent der Fläche gehören dem Land Berlin, der Rest der Evangelischen Kirche und einem Privatbesitzer. Verkaufsverhandlungen laufen bereits, die „Grundstücksfrage ist weitgehend geklärt“, sagte Grütters nach der Sitzung – sie konnte bei der Anhörung nur zuhören, weil sie kein Rederecht hatte. Sie hätte sich gern im Ausschuss geäußert, das wurde beim anschließenden Gespräch auf dem Flur deutlich.

Beispielsweise zur Frage von Johannes Kahrs, der aus Hamburg kommt, die Elbphilharmonie als abschreckendes Beispiel erwähnte und dann wissen wollte, was für einen Bau man denn für 200 Millionen Euro erwarten könne? Es antwortete Thomas Köhler, der Direktor der Berlinischen Galerie. Er erwähnte einen Museumsanbau in Zürich, der bei 5100 Quadratmetern Fläche – in Berlin geht es knapp um doppelt so viel – 206 Millionen Franken gekostet habe. In Berlin läge man mit „200 Millionen Euro gerade noch im grünen Bereich“.

Bundesrechnungshof warnt vor Finanzrisiken

Der Bundesrechnungshof warnte vor Finanzrisiken beim geplanten Museum der Moderne. Würde die verantwortliche Stiftung Preußischer Kulturbesitz das Vergabeverfahren starten, ehe ein genehmigter Bebauungsplan vorliege, würde sie ein „kaum kalkulierbares Vergaberisiko eingehen“, hieß es in einer Stellungnahme, die der Rechnungshof vorab vorlegte. Zurückhaltender klang der Vertreter des Rechnungshofes bei der Anhörung. Andreas Rahm bemängelte, dass „viele wichtige Unterlagen fehlten“, um eine Beurteilung vornehmen zu können.

Kulturstaatsministerin Grütters sagte nach der Anhörung, dass das Bundesamt für Raumordnung die Kosten geprüft habe und verwies auf Museumserweiterungen beim Frankfurter Städel und dem Essener Folkwang-Museum, die finanziell im vorgegebenen Rahmen geblieben seien. Für das Berliner Bauprojekt solle zunächst nur ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden. „Ich bin sicher, dass wir bis Ende 2015 wissen, wer dieses Museum bauen wird“, gab sie sich optimistisch. 2021 soll es fertig sein.

Unterstützung bekam sie von Berlins Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Auch das Land habe größtes Interesse an einer raschen Umsetzung des Projekts, sagte sie vor dem Ausschuss. „Es bietet die fast schon historische Chance, das Kulturforum als gesamte städtebauliche Komposition zu vollenden.“ Lüscher betonte, dass ein Bebauungsplan in „eineinhalb bis zwei Jahren“ aufgestellt werden könne – in der Zwischenzeit könne der Bund als Bauherr tätig werden und beispielsweise das Vergabeverfahren starten. Das Risiko sei überschaubar.

Prominent besetzt war auch die Zuschauertribüne, dort verfolgte unter anderem Hermann Parzinger, der Präsident der Preußenstiftung, die Debatte. Warum die Stiftung als künftiger Betreiber nicht angehört wurde, mutete schon etwas seltsam an.