Denk’ ich an Weihnachten...

Regula Lüscher feiert ihr persönliches Fest der Ringe

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher hat ein Faible für handwerklich solide gearbeitete Schmuckstücke. Das führt sie am 24. Dezember auch schon mal zur Goldschmiedin.

Foto: Reto Klar

„Ich bin nicht so der Weihnachtstyp“, sagt Regula Lüscher und lacht. Ja, sie schenke schon sehr gerne, und gerade das Einpacken, das Gestalten der Verpackungen mache ihr großen Spaß. „Da bin ich kreativ, mit Seidenpapier, kräftigen Farben, schönen Bändern.“

Aber ein Weihnachtsbaum? Nein. In der Wilmersdorfer Altbauwohnung der Senatsbaudirektorin steht, wie sie sagt, „eine Art Adventskranz mit Kerzen, das habe ich selbst zurechtgemacht“. Am Fenster hängen Engel. Keine traditionellen, sondern „abstrakte Engel aus Blech. Das ist alles modern. Einen Weihnachtsbaum habe ich nicht“, sagt Regula Lüscher.

Das klingt nüchtern, ist es aber nicht. Eher pragmatisch. „Ich lebe ja nur mein halbes privates Leben hier“, sagt die Schweizerin, die vor fast acht Jahren des Jobs wegen nach Berlin zog. Ihr Mann wohnt in Luzern, ihre Familie in Basel. Dort, wo auch die 53-Jährige ihre Wurzeln hat und wo sie auch in diesem Jahr wieder den Heiligabend im Kreise der Familie bei ihrem Bruder und seiner Frau verbringt.

Käsefondue statt Gans

Dann allerdings mit „einem sehr großen und wie immer sehr schön geschmückten Weihnachtsbaum“, Kerzenlicht und Käsefondue (siehe Rezept). Eine Gans gibt es in der Schweizer Familie nicht. Das Essen darf nicht zu aufwendig sein.

Lüschers Bruder arbeitet als Mikrochirurg im Spital wie seine Frau, die dort die Blutzentrale leitet. Sie haben auch an Feiertagen Dienst und eilen dann nach Hause. Dort gibt es dann – und das ist noch wichtiger als das Käsefondue – auch die geliebten Mailänderli und Basler Brunslis.

Letztere nach dem Geheimrezept à la Lüscher. „Die Brunslis sind total lecker, ein Weihnachtsgebäck mit Kakao und Mandeln nach einem Rezept, das mir meine Mutter wohl erst dann verraten wird, wenn sie nicht mehr fähig ist, diese Plätzchen selbst zu machen“, sagt Lüscher.

Weihnachten sei für sie etwas sehr Privates, das auch mit Geborgenheit zu tun habe. „Seit ich in Berlin bin, ist dieses Gefühl noch stärker. Ich genieße die Feiertage. Es ist einfach schön, mit meinem Mann und mit der Familie zusammen zu sein und Zeit füreinander zu haben.“

Erinnerung an die Hochzeit vor einem Jahr

Und da freie Zeit äußerst rar ist im Leben einer Senatsbaudirektorin, will diese Zeit auch genutzt sein. Zum Beispiel für privat wichtige Dinge wie Eheringe.

So hängt das für Regula Lüscher „emotional ganz besondere Weihnachten“ mit den Vorbereitungen für ihre Hochzeit am 5. Januar 2013 zusammen. Am Nachmittag vor der traditionellen Heiligabend-Familienrunde 2012 beim Bruder in Basel war Berlins Bauchefin mit ihrem Partner und künftigen Mann noch in ihrem Schweizer Wohnort Luzern unterwegs.

Es war sehr kalt an diesem Montag und dämmerte bereits, als das Paar sich auf den Weg zur Goldschmiedin machte. „Es lag so eine Weihnachtsendstressstimmung in der Stadt, manche Menschen hetzten noch auf der Suche nach den letzten Geschenken, aber wir hatten schon alles erledigt und waren deshalb auch völlig entspannt“, sagt Lüscher.

Moderne Eheringe

„Das war schon ein toller Moment, der uns beide sehr bewegt hat“, beschreibt Lüscher das Gefühl, als sie mit ihrem künftigen Mann die Eheringe abholte und zum ersten Mal in der Hand hielt. Die Tochter eines Goldschmiedes „mit starkem Gestaltungswillen“ war wesentlich am Entwurf für die symbolträchtigen Schmuckstücke beteiligt und hatte auch das Material ausgesucht.

Das Ergebnis sind keine traditionellen, sondern zwei sehr unterschiedliche moderne Ringe, „die auch für unsere Individualität stehen. Denn wir sind beide sehr eigenständige Menschen, natürlich auch durch unsere Fernbeziehung. Wir haben das Gemeinsame, aber jeder lebt auch sein Leben“, sagt Lüscher.

Während der Ring ihres Mannes aus drei unterschiedlich breiten Streifen in silberähnlichem Titangrau gearbeitet ist, besteht Lüschers ungewöhnlich breiter Ehering aus Eisen, Roségold und einem Amethyst. „Der Ring erinnert mich natürlich sehr an meinen verstorbenen Vater. Er war Werkstattchef bei einem sehr guten Juwelier und hat dort viel mit teuren Juwelen gearbeitet, aber auch schon früh mit Materialien und Verbindungen unterschiedlicher Edel- und Nichtmetalle experimentiert. Mein Ring aus Eisen und Roségold steht auch für meinen Vater“, sagt Lüscher.

In der Werkstatt beim Vater

Als Kind habe sie in den Ferien oft ein, zwei Wochen in der Werkstatt verbracht. „Mein Bruder hat von meinem Vater das Handwerkliche geerbt, ich habe das Gestalterische mitbekommen. Wobei ich früher eher burschikos und kein Mädchen war, das sich total mit Schmuck behängt hat“, sagt Regula Lüscher.

Aber der Schmuck ihres Vaters, der auch an der Kunstgewerbeschule unterrichtete, „der war schon speziell, etwas Besonderes, vollständig von Hand gearbeitet. Das hat einfach eine besondere Qualität, die man sieht“.

Auch ihr Ehering ist solide Handarbeit. „Hätte mein Vater noch gelebt, hätte ich mir gewünscht, dass er unsere Ringe gestaltet“, sagt sie. Als Kind habe sie zu Weihnachten kaum Wünsche gehabt. „Ich wusste nie, was ich mir wünschen soll“, sagt Lüscher.

Als Kind wunschlos glücklich

Ihrem drei Jahre älteren Bruder kam das gerade recht. „Er hat mich beraten“, sagt Lüscher und lacht. Gemeinsam blätterten die Geschwister den Katalog des großen Spielwarengeschäfts durch, und der Bruder fragte dann, ob sie nicht ein Flugzeug zum Zusammenbasteln wolle.

„Dann habe ich mir so Dinge wie Flugzeuge oder Eisenbahnwaggons gewünscht, das war schon witzig, sie gehörten mir, aber wir haben das natürlich gemeinsam zusammengebaut.“

Warum sie als Kind anders als andere keine Wünsche hatte? Regula Lüscher muss nicht lange überlegen: „Ich war ganz einfach so zufrieden.“

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