Stadtplanung

Berliner Bauprojekte - wo es vorangeht, wo es hakt

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Isabell Jürgens

Foto: Rainer Jensen / dpa

Private und öffentliche Bauträger wollen 2015 mehrere Milliarden Euro in Berlin investieren. Ob Charité, Schloss oder Upper West: Ein Überblick über den Stand der großen Projekte.

25 Jahre sind seit dem Fall der Mauer vergangen. Dennoch ist die Hauptstadt auch in zentralen Stadtbereichen immer noch eine gigantische Baustelle. Das Investitionsvolumen privater und öffentlicher Bauträger wird sich 2015 auf mehrere Milliarden Euro belaufen. Die Berliner Morgenpost hat die Projekte zusammengestellt, die in den kommenden zwölf Monaten besonders wichtig werden. Darunter finden sich nicht nur Vorhaben, die in diesem Jahr einen sichtbaren Baufortschritt erfahren werden. Sondern auch jene, die mit Bauverzögerungen und Kostenexplosionen zu kämpfen haben.

Bettenhaus Charité

Im Januar 2014 startete die Sanierung des maroden Bettenhochhauses der Charité in Mitte. Knapp zwölf Monate später ist die Entkernung des markanten Hochhauses weitgehend abgeschlossen. Auch die alte Stahlbetonfassade wurde bereits weitgehend abgebaut. Nur in den unteren fünf Etagen ist sie noch vorhanden, damit dahinter die Demontagearbeiten weitergehen können. Parallel zum Abbau wurde in den obersten Etagen bereits damit begonnen, die neue Fassade anzubringen. Bis zum Sommer 2015 wird die gesamte Turmhülle aus grauweißen Aluminiumplatten fertig sein. Charité-Chef Karl Max Einhäupl ist ein vorsichtiger Bauherr und legt sich nicht auf einen konkreten Eröffnungsmonat fest. Aber im Jahr 2016 solle es sein, bei der Zusage bleibt Einhäupl. Bislang laufe alles gut auf der Baustelle. Die Arbeiten seien im Zeit- und Kostenplan. Für die Sanierung des Bettenturmes sowie den Neubau für OP-Säle, Intensivmedizin und Rettungsstelle sind 202,5 Millionen Euro veranschlagt.

Berliner Schloss/Humboldtforum

Am Anfang kam der Bau nicht recht in Gang, doch mittlerweile geht es auf der Mega-Baustelle im Herzen Berlins in Riesenschritten voran. 2007 beschloss der Bundestag den Wiederaufbau des Berliner Schlosses mit teilweise historischer Fassade, der italienische Architekt Franco Stella erhielt ein Jahr später den Zuschlag. Der erste Spatenstich auf dem Schloßplatz in Mitte sollte eigentlich 2010 erfolgen, wurde aus Spargründen jedoch auf den Mai 2013 verschoben. Inzwischen hat der Rohbau längst weithin sichtbare Konturen angenommen, am 12. Juni 2015 soll Richtfest gefeiert werden. Manfred Rettig, Chef der Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum, versichert, dass das Projekt bislang im bewilligten Kostenrahmen von 590 Millionen Euro errichtet werden könne. 2018 soll das Schloss fertig sein, ein Jahr später ist die Eröffnung geplant.

Bundesnachrichtendienst (BND)

Das zugleich größte und teuerste Bauvorhaben in der Innenstadt ist die neue Zentrale für den Bundesnachrichtendienst (BND) an der Chausseestraße 96-99 in Mitte. Seit 2006 wird gebaut, und von außen betrachtet sieht das streng abgeschirmte Gebäude auch so gut wie fertig aus. Doch bislang haben erst knapp 200 Mitarbeiter das 260.000 Quadratmeter große Gebäude bezogen. Rund 4000 sollten es eigentlich sein. Statt der ursprünglich veranschlagten 720 Millionen Euro geht die Kostenprognose nun von 1,3 Milliarden Euro aus. Aktuell rechnet der Bundesnachrichtendienst mit der vollständigen Inbetriebnahme des Gebäudekomplexes im Jahr 2016.

U-Bahn-Linie U5

Im April 2010 wurde der erste Spatenstich für den Weiterbau der U-Bahn-Linie U5 zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor gefeiert. Die Eröffnung dieser 2,2 Kilometer langen Teilstrecke mit den drei U-Bahn-Stationen „Unter den Linden“, „Museumsinsel“ und „Berliner Rathaus“ sollte eigentlich 2019 erfolgen. Inzwischen rechnet Heike Müller, Sprecherin der BVG-eigenen U5-Projektgesellschaft, mit der Inbetriebnahme erst Mitte 2020. Denn die 70 Meter lange Tunnelbohrmaschine Bärlinde, die im November mit dem Bau der zweiten Röhre beginnen sollte, steht nach einem Erdrutsch im August in der Nähe des Brandenburger Tores still. Da das Beweissicherungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist, dürfen große Teile der Bohrmaschine noch nicht abgebaut werden. Inzwischen hat die BVG bei den Herstellern den Nachbau dieser Bauteile in Auftrag gegeben, die im April 2015 ausgeliefert werden sollen. Dann kann Bärlinde ihre im November unterbrochene Arbeit fortsetzen. Die Kosten für diesen Abschnitt wurden ursprünglich mit 433 Millionen Euro veranschlagt, inzwischen weist eine aktualisierte Kalkulation Mehrkosten von 90 Millionen Euro aus.

Europacity am Hauptbahnhof

Um den Hauptbahnhof herum sind seit dessen Eröffnung 2006 vor allem Hotelneubauten und Konzernzentralen entstanden. Einige Bürogebäude, wie das Kennedy-Haus an der Ella-Trebe-Straße und das Monnet 4, das unmittelbar neben dem 2012 bezogenen, 67 Meter hohen Tour Total entstanden ist, werden im Frühjahr und Sommer 2015 fertiggestellt und von ihren neuen Nutzern bezogen. Haupteigentümer der Flächen des Projektgebiets Europacity sind CA Immo Deutschland (20 Hektar), die Deutsche Bahn AG (zehn Hektar) sowie das Land Berlin (sechs Hektar). Der Bauboom geht jetzt aber weiter, immer mehr Baukräne drehen sich in der Umgebung. Im Dezember 2014 hat die CA Immo für 2015 angekündigt, auf zwei weiteren Baufeldern neben dem Total-Tower und nahe des Hamburger Bahnhofs mit dem Bau von zwei weiteren Bürohäusern für insgesamt knapp 100 Millionen Euro zu beginnen. Die Entwürfe stammen von KSP Jürgen Engel Architekten und dem Büro Kleihues. Die Heidestraße, entlang der das neue Quartier entsteht, wird derzeit vom Senat auf 38 Meter verbreitert und zur baumbestandenen Allee. Die Fahrbahn Richtung Norden ist beinahe fertig und wird im Februar 2015 eröffnet. In der Europacity ist zudem der Bau von 1400 Wohnungen geplant. Mit der Errichtung der ersten 500 will die CA Immo 2015 beginnen.

Upper West

2013 eröffnete das Nobelhotel „Waldorf Astoria Zoofenster“ im ersten 118-Meter-Turm am Breitscheidplatz in Charlottenburg. Noch ist vom „Upper West“, dem gleich hohen Zwillingsturm in unmittelbarer Nachbarschaft, nicht viel zu sehen. Doch das wird sich 2015 ändern, verspricht Architekt Christoph Langhof. „Im Januar werden die Arbeiten an den Kellergeschossen beendet, dann geht es etagenweise in die Höhe“, so Langhof. Bis zum Ende des Jahres werde die oberste 33. Etage erreicht, in der eine „Skybar“ zur Attraktion der City West werden soll. Ende 2016 bis Anfang 2017 soll das Projekt des Bauherren Strabag Real Estate dann fertig sein. Voraussichtliche Baukosten: 250 Millionen Euro. Wie das benachbarte „Zoofenster“ wird auch das „Upper West“ vor allem ein Hotelhochhaus. Die 582 Zimmer werden von der Motel One Group bewirtschaftet. Zudem sind Büros und Einzelhandelsflächen geplant.

Gebäuderiegel am Zoo

Ebenfalls in der City West, an der Joachimsthaler Straße, werden sich 2015 für ein weiteres Neubauvorhaben die Baukräne drehen. US-Investor Hines hat die marode Gebäudezeile gegenüber dem „Zoofenster“ gekauft. Das Beate-Uhse-Erotikmuseum ist bereits ausgezogen, Sex-Shops, Wechselstuben und Imbisse sollen in den kommenden Wochen folgen. Im zweiten Quartal dieses Jahres plant Hines den Abriss. An Stelle der alten Gebäude soll ein Neubaukomplex nach den Plänen des Architekturbüros Hascher Jehle entstehen. Geplant ist ein Mix aus Büro- und Geschäfshaus.

Staatsoper Unter den Linden

Die Staatsoper Unter den Linden war im Sommer 2010 für Sanierungsarbeiten geschlossen worden. Seitdem spielt das Ensemble im Schiller-Theater an der Bismarckstraße in Charlottenburg, das Haus wurde eigens dafür hergerichtet. Geplant war, dass die Staatsoper im Herbst 2013 in ihr Stammhaus Unter den Linden zurückkehren kann. Doch daraus wurde nichts – genauso wenig wie aus einer Eröffnung 2014. Im Dezember 2014 gab die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher die ernüchternde Nachricht bekannt, dass die Sanierung um 93 Millionen Euro teurer wird. Damit sind die Gesamtkosten für das Projekt auf 389 Millionen Euro gestiegen. Und frühestens im Herbst 2017 wird das Ensemble von Generalmusikdirektor Daniel Barenboim und Intendant Jürgen Flimm den vollen Spielbetrieb wieder aufnehmen können. Lüscher begründete die Kostensteigerung und die Verlängerung der Bauzeit mit der „schlechten Bausubstanz“, zudem habe die Insolvenz eines Planungsbüros die Kosten- und Terminentwicklung belastet.

Bundestag-Erweiterungsbau

Nicht nur der Hauptstadtflughafen BER und die Staatsoper Unter den Linden haben erhebliche Bauverzögerungen zu verzeichnen. An der Luisenstraße in Mitte entsteht seit Oktober 2010 ein Erweiterungsbau für das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Das Gebäude wird nicht, wie ursprünglich vorgesehen, 2015 an den Bundestag übergeben, sondern erst 2016. Eine Beschwerde wegen der Auftragsvergabe hatte zu der Verzögerung geführt. Im Rohbau ist das Gebäude fertig, der von einem 36 Meter hohen Turm gekrönte neue, repräsentative Haupteingang ist weithin sichtbar. Im Erweiterungsbau werden Büros für Abgeordnete und ein Bereich für Kunstausstellungen geschaffen. Das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus beherbergt zudem die Parlamentsbibliothek und das Archiv des Bundestages. Die Kosten für das Gebäude sind mit etwa 190 Millionen Euro veranschlagt. Dieser Rahmen wird jedoch aufgrund der Baukostenindexsteigerungen um mehrere Millionen überschritten werden.

Hauptstadtflughafen BER

Das wichtigste Infrastrukturvorhaben der Metropolregion Berlin-Brandenburg befindet sich in Schönefeld. Der neue Hauptstadtflughafen BER sollte ursprünglich am 3. Juni 2012 in Betrieb gehen und rund zwei Milliarden Euro kosten. Im Dezember hat der derzeitige BER-Chef Hartmut Mehdorn nicht nur seinen Rücktritt für Mitte 2015 mitgeteilt, sondern auch, dass der Airport 2016 fertig gestellt und zwischen Juli und Dezember 2017 in Betrieb gehen werde – elf Jahre nach dem ersten Spatenstich. Doch immerhin einen Baufortschritt wird es 2015 geben: Die Sanierung der Nordbahn beginnt am 2. Mai 2015 und soll sechs Monate dauern. Derzeit wird die Nordbahn vom alten Flughafen Schönefeld als Start- und Landebahn genutzt, später soll sie Teil des BER sein. Während der Arbeiten kommt die neue Südbahn zum Einsatz. Die Kosten für den Großflughafen sind unterdessen wegen der vielen Erweiterungen, aber auch bedingt durch den langen Baustillstand, auf 5,4 Milliarden Euro angestiegen. Experten gehen davon aus, dass die BER-Gesamtkosten in diesem Jahr die Grenze von sechs Milliarden Euro übersteigen werden.

Bundesinnenministerium

Das Bundesministerium des Innern in der Nähe des Kanzleramtes, rund 400 Meter vom Hauptbahnhof entfernt, wurde im Winter 2010 begonnen, im Mai 2013 wurde Richtfest gefeiert, im Dezember 2014 ist das Gebäude fertiggestellt worden. Der Einzug der 1600 Mitarbeiter soll nach Auskunft von BMI-Sprecher Harald Neymanns im April 2015 erfolgen. Die Bauarbeiten für den Neubau des Bundesinnenministeriums befänden sich im Termin- und Kostenplan, so der Sprecher. Insgesamt 208 Millionen Euro wurden in die drei z-förmig ineinandergreifen Baukörper mit einer Nutzfläche von rund 40.000 Quadratmetern investiert. Die Pläne für das Gebäude lieferten die Architekten Thomas Müller und Ivan Reimann.