Drei Jahre haben die Archäologen vor dem Eingang zum Roten Rathaus nach den Resten des alten Berliner Rathauses gegraben. Das, was sie dort bis vor wenigen Monaten nur einige Meter unter dem Straßenniveau freigelegt haben, wird nun in einer Sonderausstellung im Neuen Museum zu sehen sein. Denn die Funde haben die Erwartungen der Wissenschaftler weit übertroffen.

Gleich unter dem Pflaster der Rathausstraße, der vormaligen Königsstraße, entdeckten sie den gut erhaltenen Boden aus Backstein, der sich auf das 13. Jahrhundert datieren ließ. Auch Pfeiler, Mauern, Gewölbe, Schmucksteine sowie Alltagsgegenstände wurden entdeckt, die Auskunft darüber geben, wie die Berliner in der mittelalterlichen Stadtgemeinde bis zum Abriss des Rathauses 1865 lebten.

„Das alte Rathaus ist der bedeutendste nichtreligiöse Bau der Stadt“, so Matthias Wemhoff, Berlins oberster Archäologe. Zu den besonderen Schätzen gehören etwa 751 Münzen aus verschiedenen Epochen, ein reich verzierter, zweizeiliger Kamm aus dem 14. Jahrhundert, ein Zapfhahn mit einem Küken als Griff und ein eiserner Armbrustbolzen. Daneben gibt es Pläne und Bilder des Alten Rathauses und der Ausgrabungsarbeiten, die insgesamt ein Areal von rund 8000 Quadratmetern umfassen.

Skulpturen sind bis 2016 auf Wanderausstellung durch Deutschland

Das um 1280 entstandene und bis 1865 genutzte Rathaus war beim Weiterbau der U5 entdeckt worden. Über ein sogenanntes archäologisches Fenster sollen die freigelegten Fundamente im künftigen U-Bahnhof Berliner Rathaus dauerhaft sichtbar bleiben. Damit das möglich wird, hat die BVG umgeplant. So wurde ein Ausgang verlegt und ein Zwischengeschoss eingezogen. Die BVG hat die Ausgrabungen zudem mit rund sieben Millionen Euro unterstützt. Die neue Strecke soll 2019 eröffnet werden.

Wer hofft, in der Ausstellung auch die bei den Grabungen am Rathaus entdeckten 16 Skulpturen der klassischen Moderne zu sehen, die als Exponate der von den Nationalsozialisten zusammengestellten Wanderausstellung „entartete Kunst“ gezeigt wurden und als verschollen galten, wird enttäuscht sein. Der Sensationsfund wird bis 2016 noch in verschiedenen anderen deutschen Städten zu sehen sein.

Die Ausstellung im Kellergewölbe des Neuen Museums, Bodestraße 1-3, in Mitte ist bis zum 15. Februar 2014 zu sehen. Eintritt für das Neue Museum: 12, erm. 6 Euro. Geöffnet: Täglich von 10 bis 18 Uhr, Do. bis 20 Uhr.