Wenn es einen Baum gibt, der den Frühling besonders eindrucksvoll ankündigt, dann ist es der Kirschbaum. Beziehungsweise seine intensive Blüte. Die rosa Farbenpracht schmückt im April traditionell die Berliner Straßen und weckt Lust auf den Sommer. Vermutlich sind die Kirschblüten auch deswegen bei Flaneuren und Touristen so beliebt.

Sobald die Knospen sprießen, werden Handys und Fotokameras gezückt. Selfies werden verschickt – als Beweis, dass Berlin nun nicht mehr so grau ist und langsam aus dem Winterschlaf erwacht.

Wo man in Berlin die Kirschblüte bestaunen kann
Wo man in Berlin die Kirschblüte bestaunen kann© Berliner Morgenpost Infografik/OSM | C. Schlippes /Berliner Morgenpost Infografik OSM Datawrapper

Auch in Japan hat die Kirschblüte große Bedeutung. Wenn ab Mitte oder Ende März die ersten Blüten aufgehen, wird unter den Titeln „Sakura“ oder „Hanami“ die Blütenzeit zelebriert. Damit werden ein Höhepunkt im japanischen Kalender und der Anfang des Frühlings markiert.

Kirschlüte / Blüte
Auch in der Gleimstraße sind die Kirschblüten ein beliebtes Fotomotiv.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Dass ein wenig dieses japanischen Flairs auch unter den Berliner Kirschbäumen zu beobachten ist, ist kein Zufall. Denn Berlin hat seine Kirschbäume größtenteils Japan zu verdanken.

Japanische Spendenaktion bringt Tausende Kirschbäume nach Berlin

Kurz nach der deutschen Wiedervereinigung startete ein japanischer Fernsehsender eine Spendenaktion, um den einstigen Grenzstreifen mit Kirschbäumen zu bepflanzen. Die deutsche Einheit wurde in Japan sehr positiv aufgenommen. Die gespendeten Bäume sollten „Frieden und Ruhe in die Herzen der Menschen“ bringen.

Über 140 Millionen Yen (umgerechnet rund eine Million Euro) konnten durch die Spendenaktion eingenommen werden. Bis 2010 konnten somit über 10.000 Bäume der Japanischen Blütenkirsche gepflanzt werden – vorzugsweise in Berlin und Brandenburg.

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Aus dieser Geste der Verbundenheit entstanden in Berlin mehrere Kirschblütenalleen, die heute vielerorts dem Verlauf der ehemaligen Mauer folgen. Das unter dem Namen „Sakura – Bäume der Freundschaft“ entstandene Projekt steht bis heute für Einheit, Versöhnung, Frieden und internationale Solidarität.

Besonders farbenfrohe Straßen sind etwa die Schwedter und die Gleimstraße in Prenzlauer Berg. Auch in Wartenberg in Lichtenberg blühen im Japanischen Garten jedes Frühjahr die Kirschen. Dort erinnert auch das Japanische Tor an die deutsche Einheit und deutsch-japanische Freundschaft. Das Tor wurde kürzlich restauriert und soll pünktlich zum Kirschblütenfest eingeweiht werden.

Das Japanische Tor im Kirschpark an der Wartenberger Feldflur in Lichtenberg wurde restauriert. Zum Kirschblütenfest soll es neu eingeweiht werden.
Das Japanische Tor im Kirschpark an der Wartenberger Feldflur in Lichtenberg wurde restauriert. Zum Kirschblütenfest soll es neu eingeweiht werden.© BM | Leonard Laurig

Einige der Kirschblütenalleen lassen sich zur Blütezeit im April zu einer Kirschblütenwanderung durch Berlin verbinden. Auch entlang des Mauerwegs an der Bösebrücke/Bornholmer Straße finden sich die Bäume. Weitere beliebte Orte sind die Kirschblütenallee mit 1000 Bäumen in Lichterfelde Süd sowie die Gärten der Welt in Marzahn-Hellersdorf.

Wann die Kirschen exakt blühen, ist je nach Art und Standort unterschiedlich. In sonnigen und nährstoffreichen Lagen öffnen erste Bäume schon Ende März ihre Knospen. Bei besonders milden Temperaturen können erste Bäume bereits Anfang Januar blühen.

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Das ist allerdings durchaus eine Gefahr für die Bäume. Wenn die Blüten durch den Klimawandel immer früher sprießen, droht ihnen, dass sie bei einem erneuten Kälteeinbruch erfrieren. Mit der Folge, dass Süß- und Sauerkirschen dann keine Früchte tragen.

An schattigeren Plätzchen kann es dagegen bis weit in den April dauern, bis die Blüte überhaupt beginnt. Anfang Mai ist das Schauspiel dann wieder vorbei.