Dort, wo vor mehr als drei Jahrzehnten die unüberwindbare Grenze zwischen Ost und West verlief, blühen heute rund 9000 Kirschbäume. Aus dem ehemaligen Todesstreifen wird im Frühling für kurze Zeit ein Band aus Rosa und Weiß, ein lebendiges Denkmal für Freiheit und Hoffnung. Die Bäume erinnern an die Freude in Japan über den Fall der Berliner Mauer und an den Geist der Solidarität, der damals um die Welt ging.
Denn kurz nach 1989 startete ein japanischer Fernsehsender eine Spendenaktion, um den einstigen Grenzstreifen mit Kirschbäumen (Sakura) zu bepflanzen. Aus dieser Geste der Verbundenheit entstanden Kirschblütenalleen, die heute vielerorts dem Verlauf der ehemaligen Mauer folgen und den Wandel vom Ort der Trennung zu einem Raum der Begegnung sichtbar machen. Wir wandern vom S-Bahnhof Schönholz bis zum Alexanderplatz.
Infos zum Weg
- Start: S-Bahnhof Schönholz
- Ziel: Alexanderplatz (Mitte)
- Distanz: 8,9 Kilometer
- Wegbeschaffenheit: Asphalt, Kopfsteinpflaster, Wiese
- Höhenmeter: 20 m ⬆️ 30 m ⬇️
- Leichte Wanderung
- Gastronomie: Diverse Möglichkeiten am Weg
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Wichtiger Hinweis: Nicht alle japanischen Kirschbäume entlang der ehemaligen Mauer blühen zur gleichen Zeit!
Von Schönholz zur Wollankstraße
Wer nach Schönholz reisen möchte, braucht Zeit. Der kleine Ort am Rande von Berlin-Niederschönhausen ist zwar gut mit der S-Bahn zu erreichen, liegt aber weit außerhalb des belebten Stadtzentrums. Der S-Bahnhof ist in die Jahre gekommen. Lange hat hier niemand Hand angelegt; dabei erzählen die gelben Backsteine und die gusseisernen Säulen von längst vergangenen Zeiten. Weit, bevor Berlin an eine S-Bahn denken konnte, verliebte sich Königin Elisabeth, Ehefrau Friedrichs II., in das Land und legte eine Maulbeerplantage an. Später kamen Leineweber und Tuchmacher aus Böhmen in den Norden Berlins. Mit dem Bau der Mauer wurde es ruhiger. Für DDR-Bürger war der Bahnhof tabu: Sperrgebiet und nur mit Sondergenehmigung betretbar.

Blick auf die blühenden Kirschbaum am Mauerweg beim Friedhof Pankow III.
Der Glanz alter Zeiten ist verflogen, und die meisten Reisenden eilen schnell durch die historische Bahnhofshalle. Wer zum Mauerweg will, biegt rechts ab, läuft die Provinzstraße bis zur Ecke Buddestraße und folgt ab dort dem ausgeschilderten Mauerweg nach Südosten. Wir kommen zur Straße Am Bürgerpark und wandern den kommenden Kilometer auf dem ehemaligen Todesstreifen, der Ost und West jahrzehntelang voneinander trennte. Rechts hinter der Umzäunung des Friedhofs Pankow III leuchten bereits die ersten japanischen Zierkirschen in pinkem Lila und verzaubern die Besucher. Sie stehen auf dem Friedhofsteil, der 1961 in den Mauerbau einbezogen wurde.
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Es ist der größte kommunale Friedhof des Bezirks. Einige Gebäude wie der Wartesaal, die Kapelle oder das Verwaltungsgebäude sowie einige historische Gräber stehen unter Denkmalschutz. Paul Nipkow, der mit der Erfindung der sogenannten Nipkow-Scheibe die Grundlage für das uns bekannte Fernsehen legte, hat hier seine letzte Ruhestätte. Auch Heinz Florian Oertel, wohl der bekannteste Sportmoderator des DDR-Fernsehens, liegt hier begraben.

Wir wandern weiter in Richtung Wollankstraße, kommen am Kinderbauernhof „Pinke-Panke“ vorbei und überqueren die Panke. Sie ist der drittlängste Fluss der Hauptstadt, entspringt bei Bernau und mündet am Schiffbauerdamm in die Spree. Der Weg führt nach links in die Wilhelm-Kuhr-Straße und biegt kurz vor der Bahntrasse erneut nach links ab. Auch hier stehen die japanischen Kirschbäume bereits in voller Blüte.
Warum die Kirschbäume in Berlin stehen
In Berlin stehen so viele japanische Kirschbäume, weil nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 eine große Spendenaktion in Japan – unter anderem initiiert vom Fernsehsender TV Asahi – etwa 9000 Bäume für Berlin und Brandenburg finanzierte, als Zeichen der Freundschaft und des Neuanfangs. Ein Großteil wurde entlang des ehemaligen Mauerstreifens gepflanzt; beliebte Orte sind etwa der Mauerweg an der Bösebrücke/Bornholmer Straße, die Kirschblütenallee mit 1000 Bäumen in Lichterfelde Süd sowie die Gärten der Welt in Marzahn.

An die Fotoapparate, fertig, los! Die Blüten der japanischen Kirschbäume dürften die meistfotografierten Blüten im Berliner Frühling sein.
Die Wandertour führt weiter am S-Bahnhof Wollankstraße vorbei in Richtung Brehmestraße. Namensgeber der Hauptverkehrsader, die die Stadtteile Pankow und Gesundbrunnen verbindet, war der Berliner Fabrikant Adolf Friedrich Wollank. Er wohnte nicht nur hier, sondern war jahrelang auch Amtsvorsteher in Pankow, und besaß zahlreiche Ländereien im Barnim sowie einige Weinberge an der heutigen Kastanienallee in Prenzlauer Berg. Zeitweise war Wollank zudem Besitzer des Märchenschlosses Dammsmühle.

Durch das Dreiländereck zum Blütenparadies
Weiter geht die Wanderung die Brehmestraße entlang, bis uns ein Hinweisschild nach rechts den Weg zum Park Das Nasse Dreieck weist. Die wildbewachsene Grünfläche liegt im sogenannten Dreiländereck zwischen Gesundbrunnen, Pankow und Prenzlauer Berg, ist ein Überbleibsel aus der Mauerzeit und eine Abkürzung auf die andere Bahnseite zur Norwegerstraße. Auch hier blüht ab Mitte April auf einer Länge von knapp 500 Metern ein schöner japanischer Kirschbaum nach dem anderen.

Ein Meer aus lila Blüten verzaubert an der Norwegerstraße. Von der Bösebrücke an der Bornholmer Straße hat man einen besonders guten Blick auf das Naturspektakel.
Der Spot ist bei Touristen aus aller Welt so beliebt, dass es durchaus einige Minuten dauern kann, bis man die eine oder andere Zierkirsche ganz für sich allein hat und fotografieren kann. Die Hauptblütezeit erkennt man übrigens am babylonischen Sprachgewirr und dem nicht enden wollenden Tross von Hanami-Jüngern aus allen Teilen Berlins und dem Rest der Welt.

Der Kirschblütenpfad ist durch die Bösebrücke an der Bornholmer Straße zweigeteilt. Wenn der nördliche Teil in voller Blüte steht, ist die Blüte auf dem südlichen Abschnitt meist schon vorbei. Wir unterqueren die Behmstraße, gehen über den Schwedter Steg zur Schwedter Straße und genießen ein letztes Mal auf unserer Wanderung von Schönholz zum Alexanderplatz das japanische Blüten-Feeling. Bis zum Gleimtunnel reihen sich die Bäume wie auf einer Perlenschnur auf. Es geht durch den Mauerpark auf die andere Seite der Bernauer Straße, dort wieder in die Schwedter Straße hinein und weiter bis zur Kastanienallee. Die Kirschblüten in der Schwedter Straße sind meist die ersten Bäume im Jahr, die blühen. Jetzt ist von der lila Pracht nicht mehr viel zu sehen.
Wir nehmen Kurs auf unser Ziel und wandern im Zickzack erst bis zur Choriner Straße, dann weiter über die Templiner und Fehrbelliner Straße bis zur Schönhauser Allee. Danach geht es am Rosa-Luxemburg-Platz vorbei zur Dircksenstraße und nach links bis zum Alexanderplatz, dem Endpunkt unserer heutigen Wanderung.

Wenn ich wählen dürfte …
unter Kirschblüten schlafen –
nur für eine Nacht. (Ryokan Taigu, japanischer Dichter)


