Ein Stapel verwaister Bauhelme liegt vor dem hell erleuchteten Papiermodell der stolzen Max und Moritz Wohntürme. Es steht im Foyer der eleganten Büros der Mikare Real Estate, des türkischen Entwicklers der beiden Hochhäuser an der Spree in Friedrichshain. Doch das Büro wirkt verwaist: Beim Wandkalender steht der Tag noch auf dem 19. Juni 2023, ein paar Pläne liegen verstreut auf dem Tisch herum. Die Baustelle nebenan ist ebenso menschenleer wie das Büro. Die beiden Wohntürme, 86 und 95 Meter hoch, stehen eingerüstet, das ganze Quartier ist rundum vergittert und videoüberwacht.

Eingerüstete Wohnungen in der Mariane-von-Rantzau-Straße. Im Internet werden Max und Moritz unter dem Namen Upside Berlin vermarktet.
Eingerüstete Wohnungen in der Mariane-von-Rantzau-Straße. Im Internet werden Max und Moritz unter dem Namen Upside Berlin vermarktet.© BM | Iris May

Bereits seit Spätsommer 2023 ruhen die Arbeiten auf der prominenten Baustelle in bester Spreelage. Die „Max und Moritz Quartier Friedrichshain GmbH“ des türkischen Investors Fikret Tayfun Demirören hat im August Insolvenz beim Amtsgericht Charlottenburg angemeldet. Damit steht die bange Frage im Raum, ob das überwiegend erst im Rohbau fertige und teils bereits bezogene Bauprojekt nahe der East-Side-Gallery überhaupt fertiggestellt werden kann.

Beste Spreelage: Die eingerüsteten Wohntürme Max und Moritz ragen hinter der Mercedes-Benz-Arena und der Zalando-Firmenzentrale hervor.
Beste Spreelage: Die eingerüsteten Wohntürme Max und Moritz ragen hinter der Mercedes-Benz-Arena und der Zalando-Firmenzentrale hervor.© BM | Iris May

Wie auch anderen Projektentwicklern in Berlin ist Demirören zum Verhängnis geworden, dass ein erheblicher Kredit - die Rede ist von 240 Millionen Euro - auslief. Angesichts steigender Zinsen und Baukosten sowie Wertbereinigungen am Immobilienmarkt gelang es jedoch nicht, neue Geldgeber zu finden.

Insolvenzverwalter: „Gespräche weit fortgeschritten“

Diese Aufgabe hat jetzt der Insolvenzverwalter Christian Otto übernommen. „Zurzeit befindet sich Herr Otto in Gesprächen mit den wesentlichen Beteiligten, um den Fertigstellungsaufwand und den entsprechenden Finanzbedarf zu ermitteln“, teilt sein Sprecher Christoph Möller auf Nachfrage der Berliner Morgenpost mit. Diese Gespräche seien bereits weit fortgeschritten, dauerten aber noch an. „Wir bitten deshalb um Verständnis, dass wir uns zurzeit nicht zum Stand und zur weiteren Planung für das Projekt äußern, um die laufenden Verhandlungen nicht zu belasten“, so der Sprecher weiter.

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Die zwei vormals „Max und Moritz“, inzwischen „Upside Berlin“ genannten Wohntürme blicken auf eine lange und problematische Planungs- und Baugeschichte zurück. 2013 gab „Die Wohnkompanie“, ein Tochterunternehmen der Zech Group bekannt, Anfang 2014 mit dem Bau zweier Hochhäuser zu beginnen. Doch schon nach kurzer Zeit stockte das Vorhaben. Nach mehrjährigem Baustopp übernahm 2017 ein neuer Bauherr, das ebenfalls von Tayfun Demirören gegründete und inzwischen aufgelöste Unternehmen Mikare, das Projekt an der Mühlenstraße 31-33 Ecke Mariane-von-Rantzau-Straße. Damals wurde ein Investitionsvolumen von 300 Millionen Euro und eine Bauzeit von drei Jahren genannt.

„Diese Tür ist wie alles andere in diesem Gebäude kaputt“

Im Seitenflügel des Gebäudes Mühlenstraße 31 sind rund 30 Prozent der Wohnungen bereits verkauft und auch bezogen. Während in den unteren Stockwerken schon gewohnt wird, sind die oberen Stockwerke noch unfertig und warten auf den Ausbau. Unterdessen sind im Erdgeschoss bereits wieder die ersten Schäden aufgetreten. An der Glastür hängt ein Zettel, auf dem zu lesen ist: „Zusteller, bitte haben Sie Geduld. Diese Tür ist wie alles andere in diesem Gebäude kaputt.“ Auf das Klingeln reagiert entsprechend auch niemand.

Die noch eingerüsteten, aber im Rohbau fertigen Doppel-Hochhäuser wurden nach den Plänen des Berliner Architekten Tobias Nöfer errichtet. Auf dem nur knapp 10.000 Quadratmeter großen Baugrundstück westlich der Mercedes-Benz Arena sind in den beiden Türmen insgesamt 390 Wohnungen und 80 Serviced Apartments untergebracht. Der Architekt ist zuversichtlich, dass die Arbeiten an den Doppeltürmen schon bald fortgesetzt werden, dass sich ein Geldgeber finden wird.

„In so einer Top-Lage wird ein solches Projekt sicher immer fertig - wenn auch mit einigen Blessuren“, ist er überzeugt. „Ich sehe gute Chancen, dass weitergebaut wird“, so Tobias Nöfer weiter. Die Turbulenzen am Markt, die zu sinkenden Immobilienpreisen geführt haben, seien bald vorbei, die Talsohle bei den Preisen erreicht: „Und der Bedarf an Wohnungen ist ja nach wie vor da“, gibt der Planer zu bedenken.

So sieht die Hochglanz-Visualisierung der beiden Wohntürme mit dem Sockelgebäude aus.
So sieht die Hochglanz-Visualisierung der beiden Wohntürme mit dem Sockelgebäude aus.© Die Wohnkompanie | Die Wohnkompanie

Die beiden Wohntürme sind nicht die einzigen, die unter der Krise am Bau leiden. Das Bauprojekt „ÜBerlin“ in Steglitz an der Schloßstraße - vormals Steglitzer Kreisel genannt - stockt seit Monaten. Hier ist die Bauherrin, die Adler-Gruppe, in Finanznot. Genauso wie die Arbeiten am „Fürst“ - vormals Kudamm-Karree - in prominenter Lage am Kurfürstendamm. Hier gab Ryan Beckwith, Geschäftsführer der neuen Mehrheitsgesellschafterin Project Lietzenburger Straße HoldCo S.á r.l. im Oktober 2023 bekannt, dass das nötige Kapital von über 150 Millionen Euro vom Mehrheitsgläubiger-Konsortium bereitgestellt werde. Damit solle das Projekt zu Ende gebaut werden. Ob der Plan aufgeht, muss sich erst noch erweisen.

Getroffen hat die Finanzierungskrise in direkter Spreelage auch das Elements genannte Projekt an der Michaelbrücke vis-à-vis des Holzmarktes. Auch hier ruhen seit Sommer die Bauarbeiten an dem Gebäudekomplex, in dem für rund 150 Millionen Euro ein Mix aus Büro, Wohnen und Gastronomie entstehen sollte.

Dringend gesucht werden unterdessen auch Geldgeber für die zahlreichen Bauvorhaben der österreichischen Signa, darunter vor allem die bereits begonnenen Projekte an der Passauer Straße 1 und Nürnberger Straße in der Berliner City-West. Und, wie auch die „Max- und Moritz“-Türme und das „Elements“, an der Spree - diesmal allerdings in Charlottenburg an der Grenze zum Ortsteil Moabi - ist an der Franklinstraße das Gewerbequartier Glance” ins Stocken geraten. Die Liste der Berliner Bauprojekte, die in Schwierigkeiten stecken, sie wird immer länger.