Am Montag gab eine Investorengesellschaft die Rettung des Projekts „Fürst“ am Kudamm bekannt. Dafür sollen zusätzliche Mittel in Höhe von 150 Millionen Euro bereitgestellt werden. Das vorrangige Ziel sei es, dass auf dem Gelände des ehemaligen Kudamm-Karrees die Bauarbeiten weitergehen können. Dafür sei ein „neues, unabhängiges“ Management eingesetzt worden, heißt es in der Mitteilung. Im Juni dieses Jahres wurden die Bauarbeiten aufgrund von Finanzierungsproblemen gestoppt. Damals hieß es, das Geld der Gläubiger reiche nur noch für 85 Prozent der Aufwendungen. Unter anderem steigende Zinsen hatten das Projekt in Schieflage gebracht. Es ist eine der teuersten Baustellen der Stadt. Auf rund 200.000 m2 sollen Büros, Einzelhandel und ein Hotel entstehen.
Unterstützung für Umschuldung unter Gläubigern zwiegespalten
„Ich freue mich, bestätigen zu können, dass die Restrukturierung eingeleitet wurde“, erklärte Ryan Beckwith, Geschäftsführer der neuen Mehrheitsgesellschafterin Project Lietzenburger Straße HoldCo S.á r.l. Das zusätzliche Kapital von über 150 Millionen Euro werde demnach vom Mehrheitsgläubiger-Konsortium bereitgestellt und garantiert, teilt die Gesellschafterin auf Nachfrage der Berliner Morgenpost mit. Alle erstrangigen Gläubiger könnten sich anteilig an der neuen Finanzierung beteiligen. Die Bereitstellung zusätzlichen Kapitals sei aber freiwillig. Schulden würden zudem zum vollen Nominalwert erhalten werden, heißt es weiter.
Laut der Mitteilung soll die neue Mehrheitsgesellschafterin bis zur Fertigstellung und zum Verkauf des Bauprojekts „Fürst“ fungieren. Auf Nachfrage teilt das Gläubiger-Konsortium mit, dass über einen möglichen späteren Verkauf beizeiten entschieden werde. Die Rettung und Fertigstellung des Projektes habe nun Priorität. Auffällig: Der bisherige Projektentwickler und Investor Aggregate Holdings taucht in der Mitteilung nicht mehr auf. Sie hatte das Projekt vor gut zwei Jahren gekauft.
Aktuell würde laut der Investorengruppe eine große Mehrheit der vorrangigen Gläubiger die Pläne unterstützen. Es sei zudem davon auszugehen, dass die Unterstützung in den kommenden Wochen noch weiter zunehmen wird, heißt es weiter. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg würden Gläubiger, die in der Schuldenhierarchie weiter unten rangieren, aber weiter versuchen, eine Insolvenz des Projekts auszulösen. Am Freitag entscheide laut Bloomberg ein Gericht in Luxemburg über den Fall.
Zunächst erleichtert zeigte sich am Dienstag die Komödie am Kurfürstendamm. „Das ist eine positive Nachricht und wir hoffen, dass es bald weitergeht“, sagt Theatersprecherin Brigitta Valentin. Dem früher im 2018 abgerissenen Kudamm-Karree beheimateten Theater war zugesichert worden, in den Neubau wieder einzuziehen können. Ein unterirdischer Theaterbau wurde in das Projekt integriert. Zuletzt fürchteten die Verantwortlichen, dass ein Baustopp die Zukunft der Spielstätte gefährden könne. Auch auf den Winter blicken sie nach wie vor mit Sorge. Weil der Rohbau steht, sei es wichtig, diesen vor Beginn der kalten Jahreszeit zu sichern.
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Aktuell verteilt sich das Theater auf drei verschiedene Spielorte: das Theater am Potsdamer Platz, den Ernst-Reuter-Saal in Reinickendorf und den Heimathafen Neukölln. „Aber ein Theater braucht eine Heimat“, sagt Theatersprecherin Valentin. Die Unsicherheit über den Zeitpunkt des Umzugs erschwere sowohl die Programmplanung, als auch den Arbeitsalltag der Crew. Zu Beginn hoffte das Theater im Herbst 2022 zurückzukehren. Nächstes Ziel war es, im Jahr 2024 zum 100-jährigen Jubiläum wieder einzuziehen. Aber auch das ist ungewiss. „Wir gehen derzeit nicht davon aus, dass es im kommenden Jahr klappt“, so Valentin.


