Mord in Berlin

Pankow: Sechsfache Mutter getötet - Haftbefehl beantragt

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Nach dem Mord einer sechsfachen Mutter in Pankow sucht die Polizei nach Zeugen. Innensenatorin Spranger reagierte bestürzt auf die Tat.

Berlin. Die Berliner Staatsanwaltschaft hat Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Mörder einer sechsfachen Mutter in Pankow beantragt. Das teilte die Behörde am Sonnabend mit. Der 42-Jährige sitzt aktuell in Untersuchungshaft.

Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) reagierte am Nachmittag bestürzt auf die Tat. "Meine Gedanken sind bei den Kindern, die auf so schreckliche Art ihre Mutter verloren haben“, sagte Spranger bei einem Besuch des Tatorts an der Maximilian- Ecke Mühlenstraße am Sonnabend.

Spranger legte Blumen an der Stelle nieder, an der die Frau erstochen wurde. „Mein Dank und Mitgefühl gilt auch allen, die diese furchtbare Tat miterlebt haben und vor Ort Hilfe geleistet haben.“ Sie sei froh, dass die Polizei mit Unterstützung aufmerksamer Zeugen den mutmaßlichen Täter so schnell gefasst habe, so Spranger weiter.

Wie ein Polizeisprecher berichtete, hatte sich die Tat am Freitag gegen 10 Uhr ereignet. Laut Zeugenaussagen wurde die Frau von einem Mann auf der Straße mit einem Messer angegriffen. „Wir gehen davon aus, dass sie der Täter mit mehreren Stichen verletzt und dann hilflos zurückgelassen gelassen hat“, sagte der Sprecher. Die Polizei veröffentlichte am Sonnabend einen Zeugenaufruf.

Suche nach dem Täter: Polizeihubschrauber im Einsatz

Am Freitagmittag wurde ein Tatverdächtiger festgenommen. Der Mann ist 42 Jahre alt und die getötete Frau offenbar seine ehemalige Lebensgefährtin, 31 Jahre alt und Mutter von sechs gemeinsamen Kindern. Bezüge zum Flüchtlingsheim an der Pankower Mühlenstraße wurden geprüft, weil zumindest die Frau dort gewohnt haben soll. Sie und der Tatverdächtige stammen aus Afghanistan, wie die Polizei der Morgenpost am Freitagabend bestätigte.

Zunächst suchte die Polizei in Pankow Süd stundenlang mit einem Hubschrauber und Einsatzkräften auf Motorrädern nach einem Täter und der Waffe. Völlig überraschend wurde der 42 Jahre alte Verdächtige gegen 13 Uhr dann am Schauplatz des Verbrechens mitten auf der Kreuzung gestellt. Der Mann soll plötzlich am Tatort aufgetaucht sein. Daraufhin sollen Zeugen mit dem Finger auf ihn gezeigt und ihn als mutmaßlichen Täter identifiziert haben. Sechs Polizisten, darunter auch Kräfte in Zivil, stürmten daraufhin auf den Mann zu, überwältigten ihn und durchsuchten ihn am Boden liegend nach Waffen.

„Es ist nicht ungewöhnlich, dass Täter zum Tatort zurückkommen und dort festgenommen werden“, sagte ein Polizeisprecher zu diesem Hergang. Dies könne damit zusammenhängen, dass sich nach einiger Zeit ein Bewusstsein für die Tat einstelle – oder weil sich ein Täter am Anblick der abgesperrten Ermittlungsstelle ergötzen möchte.

Der Tatverdächtige wurde in diesem Fall vor den Augen von Passanten abgeführt und vor Ort vernommen. Später wurde der 42-Jährige in eine Gefangenensammelstelle nach Tempelhof gebracht und dort weiter befragt. Auch die Zeugen, die den Mann auf der Straße identifiziert hatten, wurden angehört. Mehrere Notfallseelsorger waren vor Ort, um die Zeugen der Bluttat zu betreuen. Sie standen teilweise unter Schock. Gegen 14 Uhr begaben sich Notfallseelsorger und Ermittler auch in die Flüchtlingsunterkunft an der Mühlenstraße, die 100 Meter vom Tatort entfernt liegt.

Zeugen: Täter soll auf dem Fahrrad gekommen sein

Laut Polizei gab es unterschiedliche Aussagen, wie der Tatverdächtige zum Ort der Gewalttat kam und sich entfernte. Laut einer Aussage war er auf einem Fahrrad unterwegs und soll damit geflohen sein. Die Polizei hatte von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) aber auch Videoaufzeichnungen angefordert, um zu ermitteln, ob der Täter womöglich per U-Bahn oder Tram geflüchtet ist.

Der Tatort in Pankow war bis in den Nachmittag mit rot-weißem Flatterband abgesperrt, der Verkehr wurde weiträumig umgeleitet. Ein weißes Zelt wurde für kriminaltechnische Untersuchungen aufgebaut, Spurensicherer in weißen Overalls nahmen ihre Arbeit auf. Auch die 4. Mordkommission war in Pankow vor Ort. Gegen Mittag startete die Polizei an der Kreuzung auch eine Drohne mit Kameras. Der Tatort wurde mit dem Gerät digital vermessen.

Derweil liefen die Untersuchungen weiter, um die These zu belegen, dass es sich bei Tötung der sechsfachen Mutter um eine Beziehungstat handelt.

Die Polizei veröffentlichte am Sonnabend einen Zeugenaufruf mit folgenden Fragen:

  • Wer hat im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt in Berlin-Pankow, Mühlenstraße Ecke Maximilianstraße, am gestrigen Tage Wahrnehmungen gemacht?
  • Wer hat Fotos oder Videos vom Tatgeschehen gemacht?
  • Wer konnte den Tatverdächtigen bei seiner Flucht beobachten?
  • Wer kann weitere sachdienliche Angaben machen?

Zeuginnen und Zeugen werden gebeten, sich mit der 4. Mordkommission des Landeskriminalamtes in 10787 Berlin-Tiergarten, Keithstr. 30, unter der Telefonnummer 030/4664-911444 oder per E-Mail an lka114-hinweis@polizei.berlin.de in Verbindung zu setzen.

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( mit bee )