Manchmal nimmt man sich etwas vor, weiß, dass es richtig ist – und trotzdem fällt einem die Umsetzung schwer. Viele Läufer würden das wahrscheinlich über Laufpausen sagen. Obwohl man von Experten immer wieder hört und liest: Diese Pausen sind notwendig. Gerade nach anstrengenden Rennen und hoher Belastung brauchen Muskeln, Sehnen und Bänder Zeit, sich zu erholen. So weit, so einleuchtend. Ich halte mich deshalb auch daran. Und trotzdem muss ich gestehen: Ich merke, wie langsam ein schlechtes Gewissen aufkommt.

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Dabei ist es nicht so, dass ich seit dem Halbmarathon gar keinen Sport gemacht habe. Ich war schwimmen, bin kurze Strecken auf dem Rennrad gefahren, das seinen Winter-Stammplatz in meinem Wohnzimmer bezogen hat, und habe ein leichtes Krafttraining für den Oberkörper gemacht. In Summe war das aber deutlich weniger als das, was ich normalerweise in einer Woche an Sporteinheiten absolviere. Und die Sport-Apps sind gnadenlos. Sofort weisen sie einen darauf hin, dass die wöchentliche Leistung unter dem üblichen Wert geblieben ist. „Eine akute Belastung unter dem optimalen Bereich fördert die Erholung, kann am Ende jedoch zu Formverlust führen“, ermahnt mich meine Laufuhr.
Der Laufclub der Berliner Morgenpost
Auch bei der Berliner Morgenpost gibt es begeisterte Läuferinnen und Läufer – und mit unseren Leserinnen und Lesern wollen wir einmal im Monat eine gemeinsame Runde drehen. Dafür haben wir in diesem Jahr unseren Laufclub gegründet. Treffpunkt ist der Eingang zum Tiergarten am Brandenburger Tor, gelaufen wird so, dass jeder dabei sein kann. Die Teilnahme ist natürlich kostenlos. Wann der nächste Lauf stattfindet, steht immer unter mrgnpst.de/10k-club. Wir freuen uns über viele Mitläufer!
Das Wort „Formverlust“ schreckt viele Läufer ab
Genau dieses Wort „Formverlust“ dürfte es sein, das viele Läuferinnen und Läufer abschreckt. Denn Form verlieren will niemand. Erst recht nicht, wenn das Rennen gut lief und der Gedanke aufkommt: Jetzt, wo ich diese Zeit oder diese Distanz erreicht habe, kann ich richtig loslegen. Und möchte auf keinen Fall wieder hinter das hart erarbeitete Fitnessniveau zurückfallen.
Bei mir kommt hinzu, dass ich es kürzlich nicht verhindern konnte, dass beim Wocheneinkauf die ersten Lebkuchen der Saison im Einkaufswagen landen. Die waren schließlich im Angebot, lautete die Argumentation – was daran liegen könnte, dass wir erst Anfang November haben. So oder so: Jetzt sind die Lebkuchen da. Nur ist genauso klar, dass zusätzliche Süßigkeiten bei gleichzeitig weniger Sport langfristig keine gute Idee sind.
„Muscle-Memory-Effekt“ sorgt dafür, dass die Laufform schneller zurückkommt
Zumindest der befürchtete Formverlust fällt dabei Experten zufolge in der Realität weniger schlimm aus, als es sich Sportler oft ausmalen. In den ersten zwei Wochen passiert Experten zufolge eher wenig. Erst danach wird ein Rückgang bei der Ausdauer, der maximalen Sauerstoffaufnahme und noch etwas später der Muskelkraft wirklich messbar. Wenn Läufer dann aber wieder in den Sport einsteigen, profitieren sie von dem, was sie sich vorher aufgebaut haben, und gelangen schneller wieder auf das Niveau. Grund ist der „Muscle-Memory-Effekt“, der bedeutet: Der Körper erinnert sich an das Training. Weshalb trainierte Menschen nach einer Pause schneller wieder Kraft und Muskelmasse aufbauen als untrainierte.
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Es gibt also – und das sage ich mir selbst auch – zunächst keinen Grund für Formverlust-Ängste. Und wenn es doch dazu kommt, lässt sich die Form hoffentlich schnell wieder steigern. Immerhin wird an den Tagen, an denen aktuell kein Lauftraining ansteht, Zeit für andere Aktivitäten frei – wie eben Radfahren und Schwimmen.
Gerade letzteres ist in den letzten Monaten ziemlich in den Hintergrund gerückt, nachdem ich es im vergangenen Winter regelmäßig in die Schwimmhalle geschafft hatte. Aber irgendwo ist die Woche endlich, und ich habe wieder festgestellt, wie groß mein Respekt vor Triathleten ist, die es schaffen, gleich drei Sportarten (und im besten Fall zusätzliches Krafttraining) in ihrem Alltag unterzubringen. Der Vorteil ist, dass ich insbesondere durchs Schwimmen noch mal andere Muskelgruppen trainiere. Arme und Schultern haben mir schnell signalisiert, dass sie beim Laufen in den vergangenen Monaten eher weniger gefordert waren.
Das Training ist also auch in der Laufpause gesichert. Bleibt die Frage, was aus den Lebkuchen bei mir zu Hause wird. Ich sage mir: Irgendwann wird die Packung leer sein. Und vielleicht kann ich mich durchsetzen, dass der Nachschub nicht vor dem 1. Dezember gekauft wird. Dann ist schließlich Weihnachtszeit. Und zur Weihnachtszeit gehören Lebkuchen doch einfach dazu.





