Mein Timing war in diesem Jahr etwas ungewöhnlich. Als für viele die Laufsaison schon vorbei war, standen für mich noch zwei Höhepunkte aus. Auf den Berliner Morgenpost Great 10K Mitte Oktober folgte am vergangenen Wochenende der Halbmarathon in Dresden. Der Abstand der Läufe war mit zwei Wochen zugegebenermaßen nicht ganz ideal dafür, auf beiden Distanzen persönliche Bestzeiten anzugreifen. Das Risiko hat sich gelohnt, mir aber auch gezeigt: Allzu oft sollte ich das Ganze nicht wiederholen, wenn ich den Sport noch eine Weile nachhaltig machen will.
Bereut habe ich es in diesem Fall dennoch nicht. Nicht nur wegen der Zeiten, sondern auch wegen der Dinge, die ich während der Rennen gelernt habe. In Dresden ging es kurz vor dem Start etwa ziemlich hektisch zu. Weil das Wetter mit Regen und Wind wenig einladend war, kamen viele Läuferinnen und Läufer erst spät zum Start. Gleichzeitig drängten Zuschauer in die andere Richtung. Im Zugangsbereich stauten sich so die Menschen. Die Folge: Der Startschuss fiel, während ich und viele andere den Startblock noch gar nicht erreicht hatten.
Die besten Bilder des 10k-Laufes
Stau im Startbereich, Uhr im Stromsparmodus und ein Puls, der in die Höhe schießt
Als ich mich ein paar Minuten später doch noch in den Block durchgekämpft hatte und eilig zur Startlinie gelaufen war, musste ich feststellen, dass sich meine Uhr in der Zwischenzeit in den Stromsparmodus verabschiedet hatte. All das war am Ende kein wirkliches Problem: Meine Uhr hatte das GPS-Signal nach wenigen Metern wiedergefunden und ich konnte, weil die meisten meiner Mitläufer schon auf der Strecke waren, immerhin von Beginn an mit ausreichend Platz joggen. Dennoch schiebe ich es auf den Stress, dass mein Puls schon nach wenigen Schritten ungewöhnlich hoch war. Ich bin dann mehr nach Gefühl gelaufen, habe mir aber gewünscht, ich hätte mir vor dem Start die Zeit genommen, ein paar Mal tief durchzuatmen.
Auch habe ich gemerkt, wie wichtig ausreichend Wasser selbst bei nasskaltem Wetter ist. Eigentlich bin ich inzwischen geübt darin, im Laufen zu trinken. Aus irgendeinem Grund hat das bei dem Halbmarathon aber weniger gut funktioniert. Schon nach der ersten Station war mir klar: Was ich hier an Wasser bekommen habe, ist zu wenig. Vom ohnehin nur halb vollen Becher ging beim Versuch, bei voller Geschwindigkeit zu trinken, auch noch die Hälfte verloren. An den nächsten Stationen lief das Trinken zwar etwas besser. Trotzdem wäre mehr Wasser gut gewesen – und hätte mir die letzten Kilometer vielleicht etwas erleichtert.
Ein Läufer, der reanimiert werden muss – inzwischen keine Seltenheit mehr
Nicht zuletzt hat der Halbmarathon gezeigt, warum es so entscheidend ist, seine eigenen Grenzen zu kennen und zu respektieren. Während ich schon eine Weile fertig war und im Stadion saß, um die Marathon-Läufer beim Schlussspurt zu sehen, brach keine Hundert Meter vom Ziel entfernt ein Läufer zusammen und musste reanimiert werden. Szenen, die keine Seltenheit mehr bei den großen Events sind. Keine Bestzeit, kein Zieleinlauf und auch keine Medaille kann es wert sein, so über sein Limit zu gehen und die eigene Gesundheit zu gefährden.
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Grenzen gilt es aber nicht nur im Wettkampf zu respektieren, sondern auch im Training. Weshalb ich mir selbst erst einmal eine kleine Laufpause auferlegt habe. Mindestens anderthalb Wochen lang werde ich die Laufschuhe in meinem Flur guten Gewissens ignorieren und danach höchstens für kurze, lockere Joggingrunden schnüren. Obwohl einem heute teilweise vermittelt wird, dass es vollkommen normal ist, sieben Tage nach dem Marathon schon wieder 30 Kilometer laufen zu gehen. Man muss nicht jeden Trend im Netz nachmachen.
Dass die Pause wichtig ist, merke ich an mehreren Stellen. Meine Beine sind müde, aber auch mein Kopf. Wenn ich mir aktuell vorstelle, mich in einem Rennen noch einmal so quälen zu müssen, wie ich es zuletzt getan habe, dann schreckt mich das eher ab. Ich weiß, dass die Motivation und der Spaß daran wiederkommen werden, und ich glaube auch, dass es immer noch Potenzial gibt, um mich zu steigern. Umso wichtiger ist es, jetzt die letzten Reize zu verarbeiten. Und erst danach mit neuer Kraft in Richtung Frühjahr 2027 zu starten.




























