Ibrahim Ibrahim – so heißt der Mann, vor dem die Linken-Spitzenpolitikerin Elif Eralp einem „Spiegel“-Bericht zufolge „Angst“ hat. Ende September freute er sich noch über den Wahlerfolg der Linken und tauchte auf der Wahlparty in Berlin-Neukölln auf. Zuletzt sorgte der Name in einem Interview des „Spiegel“ mit Eralp für Aufsehen.
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Terrorverherrlicher und Linken-Unterstützer: Wer ist Ibrahim Ibrahim?
Doch wer ist der Mann? Ibrahim Ibrahim hatte im Namen des Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitees (VPNK) am Wahlabend in Berlin, am 20. September, auf Facebook den Linken zum Wahlsieg gratuliert. In dem Beitrag betonte er, dass er und seine VPNK-Mitstreiter ein „aktiver Teil dieser Errungenschaft“ gewesen seien – die Linke bestreitet, dass er in den Wahlkampf eingebunden war. Am selben Abend ließ sich Ibrahim auf der Wahlparty in Neukölln unter anderem mit dem Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak ablichten.

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Das Foto sorgte für Empörung, denn Ibrahim gilt als Vertreter der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP), die den Staat Israel ablehnt und den bewaffneten Kampf propagiert. Flugzeugentführungen und Anschläge gegen Israelis: Die marxistisch-leninistische PFLP wird von der EU und den USA als Terrororganisation gelistet. In Deutschland ist sie jedoch nicht verboten.
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Früher zeigte Ibrahim seine Nähe zur PFLP offener
Wohl ein Grund, warum Ibrahim früher seine Nähe zur PFLP viel offener zur Schau stellen konnte, wie Grischa Stanjek berichtet. Seit Jahren beobachtet der Co‑Geschäftsführer der Nichtregierungsorganisation democ das Protestgeschehen in der Hauptstadt. Staatliche Repressionsmaßnahmen in seinem Umfeld haben Ibrahim womöglich vorsichtiger werden lassen, vermutet Stanjek.
In welchem konkreten Verhältnis Ibrahim zur PFLP steht, ist unklar – eine Anfrage der Berliner Morgenpost aus dem September 2026 an ihn blieb unbeantwortet. In einem Beitrag auf der Website der Terrororganisation von 2017 wird Ibrahim als „Genosse“ bezeichnet. Ein Jahr zuvor taucht sein Gesicht auf Fotos auf, die ihn auf einer Beerdigung im bulgarischen Sofia zeigen, wo das führende PFLP-Mitglied Leila Chaled eine Rede hält – Chaled war 1969 an einer Flugzeugentführung beteiligt. Im Hintergrund schwenkt Ibrahim eine Fahne der Terrororganisation.
Ibrahim vertritt heute das Vereinigte Palästinensische Nationalkomitee (VPNK) – laut Berliner Verfassungsschutz eine Dachorganisation für die säkulare PFLP und die islamistische Hamas. Erstmals dokumentiert wurde das VPNK nach dem 7. Oktober, berichtet Stanjek. In der Linkspartei wird die Nähe zur Hamas angezweifelt. Allerdings lässt sich mindestens eine Bekanntschaft zwischen Ibrahim und der Hamas nachweisen. In einem Youtube-Video ist festgehalten, wie er und Majed Al-Zeer als Teil einer Delegation des VPNK die südafrikanische Botschaft besuchen. Al-Zeer gilt als Strippenzieher der Hamas, wohnte in Neukölln und ist laut „Bild“ seit einem Haftbefehl gegen ihn auf der Flucht.
Ibrahim pflegt Nähe zur PFLP, Hamas und zum Iran
Seine Haltung zur Hamas wurde vergangenes Jahr auf einer Demonstration deutlich. Dort huldigte Ibrahim dem im Jahr 2024 von der israelischen Armee getöteten Hamas-Chef Yahya Sinwar und bezeichnete ihn als „standhaften Führer“ und „Märtyrerhelden“. 2015 lobte Ibrahim den Terroristen Samir Quntar bei einer Gedenkfeier in Berlin. Quntar soll einen israelischen Vater und dessen Tochter 1979 getötet haben.
Neben der Nähe zur Hamas und zur PFLP pflegt Ibrahim offenbar auch Kontakte in den Iran. Im März dieses Jahres war er Teil einer Delegation, die von Diplomaten und Beamten in der iranischen Botschaft empfangen wurde, um über die aktuelle politische Lage zu sprechen, wie Ibrahim selbst bei Facebook geschrieben hat.
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Linke-Neukölln bezweifelt Einschätzung des Verfassungsschutzes
2019 stand Ibrahim als Kandidat auf der Liste der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschland (MLPD) für die Europawahl. Dort wird die PFLP als Befreiungsorganisation und ihre Aktionen als legitim beschrieben. „Wir fordern die Streichung der PFLP von der EU-Terrorliste!“, heißt es auf der MLPD-Website.
Allerdings hat Ibrahim bei der Linkspartei eine neue Heimat gefunden. Im Sommer vergangenen Jahres sind unter anderem die Linken-Bezirksverbände Neukölln und Wedding, die Arbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität der Linken und das VPNK in das Internationalistische Bündnis Berlin eingetreten. Auf Ibrahim und die Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden über Verbindungen zur Hamas angesprochen, erklärt der Bezirksverband Neukölln: „Berichte des Verfassungsschutzes erweisen sich regelmäßig als fehlerhafte Quelle und bilden nicht die Grundlage unserer politischen Einschätzungen.“
Linke betont Distanz zu Hamas-Verherrlichung und verweist auf Parteibeschlüsse
Vom Landesverband der Linken heißt es zwar, man distanziere sich von jeder „Form von Terror, Gewalt und deren Verherrlichung“. Allerdings würden Bezirksorganisationen der Linken eigenständig entscheiden, in welchen Bündnissen sie sich engagieren. „Hierbei erwarten wir selbstverständlich, dass unsere Beschlüsse und Grundwerte eingehalten werden“, erklärt Linken-Sprecherin Diana Buhe.
„Es gibt einen Beschluss, der Zusammenarbeit mit allen Organisationen verbietet, die den Terror der Hamas vom 7. Oktober 2023 legitimieren oder verharmlosen“, erklärt Linken-Politiker Niklas Schrader. „Man kann erwarten, dass sich an Parteitagsbeschlüsse gehalten wird.“
Demonstration in Berlin: Ibrahim wehrt sich gegen Antisemitismus-Vorwurf
Am 10. Oktober war Ibrahim dann Berichten der „Bild“ und des „Tagesspiegel“ auf der Demonstration „United4Palestine“ in Berlin, auf der auch mehrere Linken-Politikerinnen und Politiker, unter anderem Vanessa Emde, demonstrierten. Und das wenige Tage, nachdem die Partei mit der Berliner Vereinbarung ein gemeinsames Positionspapier mit SPD und Grünen unterschrieben hatte, das „eine Zusammenarbeit mit Organisationen und Akteuren, die Antisemitismus verbreiten, Gewalt verherrlichen oder die Gewaltspirale weiter antreiben“, entschieden ausschließe.
Am 11. Oktober meldete Ibrahim sich selbst zu Wort. Der 70-Jährige schrieb in einem Statement, das das VPNK auf Instagram veröffentlichte, von „Diffamierungskampagnen, Hetzjagden und dem Versuch, unbequeme Stimmen politisch und gesellschaftlich zu diskreditieren“. Er sei kein Antisemit. Außerdem stellte er heraus, er sei kein Mitglied der Linken. „Weder meine Herkunft noch meine Haltung zur Palästinafrage rechtfertigen einen pauschalen Generalverdacht“, heißt es darin. Er weise den Vorwurf zurück, Terrorismus zu unterstützen. Und weiter: „Meine Kritik richtet sich gegen die israelische Regierung und die Besatzungspolitik, nicht gegen jüdische Menschen oder die jüdische Religion.“







