Nimmt man den „Kampf“ im Wahlkampf ernst, müsste man nun, wo er endet, wahrscheinlich so resümieren: Die vergangenen Wochen waren kein Battle Royale, sie waren ein Duell. Battle Royale ist ein Spielmodus, bei dem jeder gegen jeden antritt. Am Ende kann nur einer gewinnen. Damit ist zwar auch der Modus einer Wahl umrissen. Der Eindruck, der nach dem 20. September bleiben wird, ist aber ein anderer.

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Und das, obwohl die großen Parteien – mit Ausnahme der abgeschlagenen SPD – in den Umfragen eng beieinanderliegen. Platz 1 (Linke, 21 Prozent) und Platz 4 (Grüne, 16 Prozent) trennen in der jüngsten RBB-Umfrage nur fünf Prozentpunkte. Trotzdem wirkte es in den vergangenen Wochen nicht so, als hätten alle Parteien gleichermaßen diesen Wahlkampf geprägt. Statt alle gegen alle hieß es oft nur: Elif Eralp gegen Stefan Evers, Linke gegen CDU, Veränderer gegen Bewahrer. Den Duellanten ist es gelungen, die Berlin-Wahl zur Richtungsentscheidung zu stilisieren.
Womöglich wahlentscheidend: Mieten und Bezahlbarkeit
Vor allem beim Thema Mieten – laut allen Umfragen wahlentscheidend – konnten sich beide Seiten in der Frontstellung profilieren. Seit Jahren hat sich die Linke dem Kampf gegen zu hohe Mieten verschrieben. Die Abgeordneten beraten in Sozialsprechstunden. Die Partei organisiert Mieterversammlungen und hat einen Mietwucherrechner entwickelt, der zehntausendfach genutzt wurde.
News zur Berlin-Wahl 2026
Mieten senken wollen alle Parteien, natürlich auch die CDU. Die Linke hat aber einen Vorteil: Issue-Ownership. Davon sprechen Politikwissenschaftler, wenn einer Partei bei einem Thema die höchste Glaubwürdigkeit zugesprochen wird. Der jahrelange Einsatz und die zugespitzte Kampagne könnten sich für Eralp auszahlen.
Berlin-Wahl 2026: Die Linke stellt die Systemfrage und die CDU hört – aus Überzeugung – weg
Und die Linke will noch mehr. Mit ihr an der Regierung werde vergesellschaftet, hat die Spitzenkandidatin kurz vor der Wahl noch einmal klargestellt. Die Linke stellt also die Systemfrage – und die CDU hört weg, aus Überzeugung. Denn das von Eralp abgegebene Vergesellschaftungsversprechen hört sich in ihren Ohren wie eine Drohung an. Keine einzige neue Wohnung entstehe, wiederholt Evers mantraartig. Die Kosten für die Entschädigung gingen in die Milliarden. Das Signal an den ohnehin schon eingefrorenen privaten Wohnungsbau sei fatal.
Dass die Grünen sich zum erfolgreichen Volksentscheid bekennen und Steffen Krach, Spitzenkandidat der SPD, Enteignungen ausschließt, gerät da fast schon zur Randnotiz – wird in Koalitionsverhandlungen aber nicht unerheblich sein. In der öffentlichen Wahrnehmung ist Eralp die Vergesellschafterin und Evers der Anti-Enteigner.

Beim Thema Antisemitismus ist es dasselbe. Auch hier ist Evers der Chefankläger einer, in seinen Augen, gefährlichen Linken. Eralp musste sich wiederholt von Entgleisungen einzelner Parteimitglieder oder des Bezirksverbands Neukölln distanzieren. Ihre Partei bekennt sich aber klar zum Schutz jüdischen Lebens. Eralp wirft Evers und dem scheidenden Senat umgekehrt vor, das Leid der Palästinenser nicht ausreichend gesehen zu haben.
Kein Feuerwerk der Visionen
Neben diesen beiden Aufregerthemen war es inhaltlich ein ruhiger Wahlkampf. Die Parteien wissen zu genau um die finanziellen Engpässe im Landeshaushalt. Auch für die neue Koalition wird nach der Wahl ein Kassensturz folgen. Und die Aussicht ist düster: Es müssen erneut Milliarden gespart werden.
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Da ist es nur redlich, nicht zu viel zu versprechen. Vor allem Werner Graf und die Grünen haben daraus eine Tugend gemacht. Doch auch die Programme der anderen Parteien sind – mit Ausnahme der Vergesellschaftung bei den Linken – insgesamt zurückhaltend. Und so war dieser Wahlkampf wahrlich kein Feuerwerk der Visionen.
Hausdurchsuchung und Kandidatentausch
Ereignisreich war er trotzdem. Man denke nur an die letzte große Volte, die er geschlagen hat: die Hausdurchsuchung bei Steffen Krach. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Vorteilsnahme. Außerdem steht der Verdacht verletzter Geheimhaltungspflichten im Raum. Bis zur Wahl konnten diese Vorwürfe nicht ausgeräumt werden. Trotz geltender Unschuldsvermutung droht für die bereits angeschlagene SPD ein weiterer Absturz am Wahltag.
Hintergründe zur Berlin-Wahl 2026
Abenteuerlich war auch der Start in den Wahlkampf. Nur ein paar Monate vor der Wahl wechselte die CDU ihren Spitzenkandidaten aus. In die erlahmte Partei ist mit Kai Wegners Verzicht wieder Schwung gekommen. Evers, dem neuen Hoffnungsträger, gelang es, mit markigen Forderungen (Bürgergeldempfänger sollen zum Putzen verpflichtet werden, das Gratis-Schulessen für alle soll abgeschafft werden) und frechen Sprüchen („Ich bin konservativ, und das ist auch gut so“) den Wahlkampf von Beginn an zu prägen. Auch im Konrad-Adenauer-Haus ruhen rund um den angeschlagenen Kanzler viele Hoffnungen auf ihm. Friedrich Merz dürfte auf etwas Luft durch einen Sieg in Berlin hoffen.
CSD-Anschlag und AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt
Nur kurz nachdem Evers zum neuen starken Mann der CDU gekürt worden war, fuhr ein mutmaßlich islamistisch motivierter Attentäter am Rande des Christopher-Street-Days mit einem Auto in eine Menschenmenge. Eine Frau starb, 31 Menschen wurden verletzt. Die Neuköllner Linke klammerte in einer ersten Stellungnahme Islamismus als Problem aus. Evers nahm die Vorlage an und warf der Linken Realitätsverweigerung vor.

Auch nach der Wahl in Sachsen-Anhalt, bei der die AfD nur knapp an der absoluten Mehrheit scheiterte, versuchte er, die Diskussion wieder in diese eine Richtung – gegen die Linke – zu lenken. Es gehe darum, die Extremen von der Macht zu halten, argumentierte er. Und in Berlin sei dieses drohende Extrem aktuell eben nicht die AfD, sondern die Linke.
Berlin: Nach der Wahl wird sich der Fokus verschieben
Da war es also wieder, das alte Duell. Auffällig dabei ist: Evers argumentierte in diesen Wochen immer nur aus der Defensive. Für die CDU war dieses Duell also ein Abwehrkampf. Bei aller Frontstellung liegt die größte Überraschung dieses Wahlkampfs wahrscheinlich darin, wie eng die Parteien kurz vor Schluss trotzdem beieinanderliegen. Nach der Wahl wird sich der Fokus dann verschieben. Die Blicke werden sich auf die Grünen und die SPD richten. Nach aktueller Lage der Dinge können sie sich aussuchen, wem sie den Weg ins Rote Rathaus ermöglichen. Eralp oder Evers.












