Ist der Kreuzberger Kriminalitätshotspot Görlitzer Park durch die dreimonatige, nächtliche Schließung sicherer geworden oder nicht? Diese Frage spaltet bis heute Gegner und Befürworter der polizeilichen Maßnahme. Eine aktuelle Anfrage des innenpolitischen Sprechers der Berliner Linken, Niklas Schrader, versucht nun, etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Demnach sanken die erfassten Straftaten im kriminalitätsbelasteten Ort (kbO) „Görlitzer Park/Wrangelkiez“ kaum, seitdem die Tore der Grünanlage am 1. März 2026 erstmals verschlossen wurden.

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Registrierte die Polizei Berlin von März bis April 2025 insgesamt 1245 Delikte, waren es im Schließungszeitraum März bis April 2026 mit 1237 nur acht weniger. Zum Hintergrund: Das Berliner Verwaltungsgericht hat die nächtliche Schließung – ein Prestigeprojekt des amtierenden schwarz-roten Senats – in einem Eilverfahren Anfang Juni gekippt. Seither bleibt der Park nachts wieder offen. Etwas höher ist der Rückgang hingegen bei Straftaten, die in den betrachteten Zeiträumen im Park selbst verübt wurden. 2025 waren es 281, in diesem Jahr 260.

Polizei Berlin: Nächtliche Schließung wegen Vergewaltigungen und Körperverletzung

Die Senatsinnenverwaltung hält in der Antwort daher am Konzept fest, verweist zudem auf die zu kurze nächtliche Schließzeit des Parks und somit auf die mangelnde Aussagekraft der Daten. Hinzu komme die Öffnung in der Walpurgisnacht und am 1. Mai. „Ungeachtet dessen zeigt die temporäre Schließung des Görlitzer Parks aus Sicht des Senats positive Effekte auf das Kriminalitätsgeschehen und das Sicherheitsgefühl“, schreibt Innenstaatssekretär Christian Hochgrebe (SPD).

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Zuletzt hatte Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses betont, dass die Maßnahme aus Sicht der Polizei niemals wegen der Bekämpfung des Drogenhandels erfolgt sei, sondern um nächtliche Straftaten wie Vergewaltigungen und Körperverletzungen zu bekämpfen. Zumindest vonseiten des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner (CDU) wurde das in der Vergangenheit nicht immer so kommuniziert. Bei ihm dienten auch Drogendelikte und Beschaffungskriminalität oftmals als Begründungen.

Einige Delikte nahmen sogar zu

Ein Blick auf die Zahlen zeigt jedoch auch hier, dass die genannten Delikte durch die Schließung nur minimal beeinflusst wurden. Wurden im kbO „Görlitzer Park/Wrangelkiez“ im März, April und Mai 2025 insgesamt 157 Körperverletzungen registriert, waren es im gleichen Zeitraum des laufenden Jahres 152. Vergewaltigungen und Sexualdelikte sowie Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz sanken leicht von 13 auf 12 beziehungsweise von 198 auf 176, während Raubtaten von 29 auf 37 und Freiheitsberaubungen und Nötigungen von 38 auf 49 stiegen.

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Im Park selbst kletterten die Körperverletzungen sogar von 30 auf 37, die Sexualdelikte von zwei auf sechs. Gleichzeitig sanken die Drogendelikte von 82 auf 60. „Von Anfang an konnte der Senat die Einzäunung weder rechtlich noch faktisch schlüssig begründen“, kritisiert Niklas Schrader. „Es überrascht deshalb nicht, dass die zeitweise Parkschließung keine Reduzierung der Kriminalität gebracht hat.“ Trotz der schlechten Kassenlage seien Steuergelder im Millionenbereich für den Zaun verpulvert worden, so der Politiker der Linken.

Polizeigewerkschaft: Wissenschaftliche Evaluation abwarten

Eine etwas andere Einschätzung kommt von der Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP). „Aus Sicht städtebaulicher Kriminalprävention ergibt der Zaun Sinn, wenn es darum geht, die Kriminalität im Park einzudämmen, zumal der zuständige Bezirk notwendige Maßnahmen über Jahrzehnte hinweg unterlassen hat“, sagt Landesvize Victoria Schwiethal-Heuermann. „Die vielfältigen gesellschaftlichen Probleme einer ausufernden Drogen-, Begleit- und Beschaffungskriminalität wird er aber nicht lösen.“

Man sollte dennoch die in Auftrag gegebene wissenschaftliche Evaluation abwarten, so Schwiethal-Heuermann weiter. Die aktuellen Zahlen ermöglichten noch keine Aussage darüber, ob der eine Baustein Zaun die Gesamtsituation, zu der auch das subjektive Sicherheitsgefühl der Anwohnenden und Anrainer gehöre, wirklich verbessert habe.