Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hat dem Spitzenkandidaten ihrer Partei, Steffen Krach, öffentlich widersprochen. „Ich tue das nicht gerne, aber als Innensenatorin bin ich klar für die nächtliche Schließung des Görlitzer Parks“, so Spranger am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Krach kenne ihre Meinung hierzu – die wiederum auf den Erkenntnissen der Berliner Polizei basiere.

Montag bis Samstag

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Krach lehnt die nächtliche Schließung des Görlitzer Parks in Kreuzberg hingegen ab. Eine solche werde es mit ihm nicht geben, sagte er Anfang August dem „Tagesspiegel“: „Der Zaun um den Görlitzer Park verlagert das Problem nur. Ich will es ernsthaft lösen, und das schafft man nicht mit Symbolpolitik.“

Steffen Krach setzt sich für Schweizer Modell ein

Der Park, einer der sieben kriminalitätsbelasteten Orte Berlins, gilt als zentraler Anlaufpunkt für Drogenhändler und -konsumenten. Der Handel findet dabei auch in den umliegenden Kiezen statt. Die CDU-geführte Landesregierung hatte an den Eingängen des Parks verschließbare Tore aufgestellt und wollte den „Görli“ seit dem 1. März nachts eigentlich schließen – ein Prestigeprojekt des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner (CDU). Das Berliner Verwaltungsgericht hat diese Maßnahme jedoch in einem Eilverfahren Anfang Juni gekippt. Seither bleibt der Park nachts wieder offen.

Auch interessant

Um den an vielen Berliner Orten öffentlich präsenten Drogenhandel und -konsum anzugehen, will Krach stattdessen Erfahrungen aus dem sogenannten Zürcher Modell auswerten, um eine Entscheidungsgrundlage für Berlin zu generieren. In Zürich werden der Drogenkonsum und der sogenannte Mikrohandel – also der kleinteilige Verkauf von Rauschmitteln an Endkonsumenten – an bestimmten Orten toleriert. Krach setzt außerdem darauf, Suchtkranke durch mehr Konsumräume von der Straße, den Spielplätzen, Parks und Hauseingängen zu holen und durch das Housing-Fist-Modell suchtkranken Obdachlosen zu helfen.

Lesen Sie auch

Polizei Berlin: Bekämpfung der Drogen-Kriminalität war nie primäres Ziel

Unterdessen betonte Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel am Montag, dass die nächtliche Schließung des Parks aus Sicht der Polizei niemals wegen der Bekämpfung des Drogenhandels erfolgt sei, sondern um nächtliche Straftaten wie Vergewaltigungen und Körperverletzungen zu bekämpfen. Zumindest von Seiten Wegners wurde das in der Vergangenheit jedoch nicht immer so kommuniziert.

Weniger Drogendelikte am Görlitzer Park

Laut aktuellen Zahlen registrierte die Polizei 2025 insgesamt 4046 Straftaten im Görlitzer Park und im angrenzenden Wrangelkiez, im laufenden Jahr waren es bis zum 30. Juni insgesamt 2097. In der Zeit der dreimonatigen nächtlichen Schließung kam es dabei durchaus zu einer Verschiebung. Waren im Jahr 2025 noch Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz mit 642 erfassten Straftaten Spitzenreiter, sind es im laufenden Jahr 2026 mit 346 erfassten Straftaten vor allem Diebstähle aus Autos. Drogendelikte tauchen bis zum 30. Juni nicht einmal mehr unter den fünf häufigsten Deliktfeldern im und um den Görlitzer Park auf.