Liebe Leserin, lieber Leser,
vorab eine Ankündigung in eigener Sache. Die Berliner Morgenpost ist Medienpartner eines Kindermalwettbewerbs für Kinder von 6 bis 12 Jahren. Sie sollen die Frage beantworten: „Wie sieht Dein grünes Berlin von morgen aus?“ Gefragt sind kreative Ideen, aber die sind Kindern ja ohnehin zu eigen. Also, gerne weitersagen.
Und was ist heute los in der Stadt?
- Die Bürgerstiftung Berlin „Kinder fragen, Politiker antworten“ lädt 40 Schülerinnen und Schüler ein zum Thema Verkehrssicherheit. Mit dabei: Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU), Innensenatorin Iris Spranger (SPD), Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU), Roman Seifert, Leiter der Landespolizeidirektion, und Henrik Falk, Vorstandsvorsitzender der BVG.
- Abends gibt es eine Diskussionsveranstaltung im Theater an der Parkaue zum Weiterbau der Autobahn A100, mit Vertretern von SPD, CDU, Grünen und Linken.
- Und für diejenigen, die lieber Kultur statt Politik genießen wollen: An drei Abenden werden bei den UFA‑Filmnächten Stummfilmklassiker aus dem frühen Hollywood gezeigt. Unter freiem Himmel, vor der Kulisse der Berliner Museumsinsel und begleitet von Live-Musik.
Neues aus Berlin
Es gibt Momente, die hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Am Montagabend hatte ich die große Ehre, die fünf Spitzenkandidaten von CDU, SPD, Grünen, Linken und AfD im Zoopalast als Gast zu haben. Eine Aufgabe, der man nur mit Demut begegnen kann. Weil für die vielen Berliner Themen ohnehin zu wenig Zeit bleiben wird und man auch mit der besten Frage kaum einen Kandidaten in Verlegenheit bringen kann. Die Aufgabe ist also schon vor Beginn zum Scheitern verurteilt.
Oder doch nicht? Wer aufmerksam zuhört, wird sich seinen eigenen Reim auf das Gesagte machen (Joachim Fahrun hat alles noch einmal zusammengefasst, inklusive eines ausführlichen Faktenchecks, Video finden Sie hier, Publikumsstimmen hier). Die sogenannte „Willensbildung“ entsteht oft zwischen den Zeilen. Geprägt von einzelnen prägnanten Aussagen, ausweichenden Antworten, manchmal auch von Sympathien oder Antipathien gegenüber einzelnen Kandidaten und deren Auftreten. Und ja, manchmal auch durch schlaue neue Ideen oder wichtige Kritikpunkte, die auf der Bühne vorgebracht werden.

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An diesem Abend legen alle Kandidatinnen und Kandidaten sehr viel Wert darauf, authentisch zu bleiben. Alle haben verstanden. Dass die Mieten runter müssen, dass es Lösungen für die prekäre Finanzlage braucht, dass Berlin attraktiv bleiben muss (oder wieder werden soll, je nachdem, wie man es betont). Abweichende Meinungen? Gibt es reichlich. Beim Thema Enteignungen, beim Tempelhofer Feld, beim Thema Bildung. Das ist gut so, für die Willensbildung zumindest.
Zwischen den Zeilen entsteht noch viel mehr. Der Sozialdemokrat Steffen Krach gibt sich (nahezu überbetont) engagiert, fordernd, angriffslustig. Der grüne Werner Graf erhebt das Politikerklären zum rhetorischen Mittel („Das Wesen der Demokratie ist der Kompromiss!“). CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers gibt den sachkundigen Experten. AfD-Spitzenkandidatin Kristin Brinker schafft es, jedes Thema in Richtung Migration zu drehen, in ihrem eigenen, moderaten Erklärstil. Und Elif Eralp? Einige empfanden sie an diesem Abend als blass. Doch das alles ist subjektiv.
Es sind keine vier Wochen mehr bis zur Wahl, die Umfragen sind denkbar knapp und viel wird sich noch bewegen. Es wird spannend wie nie. Eines ist nach diesem Abend noch einmal deutlich geworden: Die Konzepte der Parteien unterscheiden sich bei vielen Themen deutlich, die Kandidaten könnten unterschiedlicher nicht sein. Wir haben also echte Alternativen.
Außerdem wichtig
Ein Thema des Abends, das zu kurz kam, war der Müll in der Stadt. Im Wahlkampf wichtig, das zeigte sich auch mit einer Aktion der Grünen gestern am Kottbusser Tor. Unser Reporter Patrick Goldstein war vor Ort. Ob der Termin der grünen Bürgermeisterin Clara Herrmann half? Es wäre wünschenswert.
Interessante Entwicklung am Alexanderplatz. Dort kann voraussichtlich ein weiteres Hochhaus entstehen. Isabell Jürgens hat die Details, die gestern nach der Sitzung des Senats bekannt wurden.
Die fehlenden Kita-Plätze waren jahrelang ein Grauen für viele junge Eltern. Ich selbst erinnere mich noch gut an lotterieartige Zustände. Unsere Kollegin Nicole Dolif hat neue Zahlen, die Besserung zeigen. Aber noch lange nicht in allen Teilen der Stadt.
Das „House of Games“ wurde als Prestigeprojekt groß angekündigt. Jetzt ist wohl tatsächlich ein erster wichtiger Mieter für die Hallen in Neukölln gefunden, berichtet Johannes Vetter.
Die Ermittlungen zum Anschlag auf den Christopher-Street-Day haben gestern zu einem größeren Polizeieinsatz geführt. In der Spree suchten Taucher nach etwas. Recht viel mehr weiß man bislang dazu nicht, berichtet Philipp Siebert.
Eine ganz besondere Empfehlung zum Schluss. Unsere Volontärin Antonia Weber hat mit zwei Nachwuchsjournalisten unseres Schwesterblattes Thüringer Allgemeine ein Podcast-Projekt gestartet. „Jung & Ost“ geht (natürlich!) kurz vor der Wahl in Sachsen-Anhalt an den Start. Sehr hörenswert.
Ich wünsche Ihnen einen entspannten und sonnigen Mittwoch.
Ihr Peter Schink,
Chefredakteur
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