Die Berliner Festspiele feiern dieses Jahr mit einem prallen Programm 75. Geburtstag. Von einer Marina-Abramović-Performance über einen Talk mit Ex-Kanzlerin Angela Merkel bis zu Ringbahn-Performance-Touren oder einem Strawinsky-Stück, das mit Marionetten im Rahmen des Musikfests Berlin aufgeführt wird. Die Festspiele wurden 1951 von den Alliierten als Kontrastprogramm zu den DDR-Weltfestspielen ins Leben gerufen – als „Bollwerk und Gegenentwurf der freien Welt im Kalten Krieg“, wie es Intendant Matthias Pees am Dienstag am temporären Standort in Gesundbunnen zusammenfasste.

Seither wandelten sich die Berliner Festspiele zu einer interdisziplinären Ganzjahresinstitution für zeitgenössische Avantgarde-Kunst. Die Berliner Festspiele sind seit 2002 nicht mehr in der Hand des Berliner Senats, sondern werden allein aus dem Kulturetat des Bundeshaushalts gefördert. Sie betreiben den Gropius Bau als eigenes Ausstellungshaus und nutzen seit 2001 das Haus der Berliner Festspiele in der Schaperstraße 24, das der Bund 2014 gekauft hat.
Abramović-Performances und Talk-Formate
Marina Abramovićs Ausstellung „Balkan Erotic Epic“ sorgte im Gropius Bau für lange Schlangen, riesige Aufmerksamkeit und verlängerte Öffnungszeiten. Weil der Weltstar laut Intendant „das Jubiläumsprogramm rahmt“, startete das Pressegespräch mit aufgezeichneten Geburtstagsgrüßen von ihr. Ihr Geschenk: „Ab 13. Oktober werden wir fünf Performances der Bühnenfassung der Ausstellung in Berlin zeigen“, so die 79‑Jährige. „Es handelt sich um ein dreistündiges Theaterstück, das zentral für mein künstlerisches Schaffen und meinen biografischen Hintergrund ist.“ Das Projekt möge als Brücke dienen, inmitten politischer Herausforderungen und des sozialen Wandels in Ost- und Westeuropa.

Im Talk-Format „Reflexe & Reflexionen“ geht es vom Donnerstag, 27. August, bis Sonntag, 30. August, um „Die große Unordnung“. Die Politikwissenschaftlerinnen Saba-Nur Cheema und der Historiker Meron Mendel kuratierten die Talk-Runden im Haus der Berliner Festspiele. Unter den 27 geladenen Gästen wird auch Ex-Kanzlerin Angela Merkel sein (Event ist ausverkauft). Erörtert wird zum Beispiel, wie es mit Kunst und Meinungsfreiheit weitergeht, in einer Welt, in der Völkerrecht und internationale Bündnisse infrage gestellt sind.
Ringbahn-Touren: Lebendige Geister der Großstadt
Der renommierte Theaterregisseur Akira Takayama hat sich zwei Jahre lang mit der Frage befasst: Wie kann man die Berliner Festspiele vom Westen in den Osten der Stadt transportieren? Bei seinen Recherchen in U- und S-Bahn sei er jedoch zum „Kartografen unbekannter Orte“ geworden und habe die Performance „What if Berlin“ entwickelt. Interessierte können sechs unterschiedliche Ringbahn-Touren buchen, die von 27 unterschiedlichen Guides moderiert werden. Für 12 Euro (ermäßigt 10 Euro) kann man mit dem Guide in die Ringbahn steigen und sich etwa der Frage widmen „Wer ist Berliner?“.

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Takayama wird oft gefragt, ob er ein Berliner sei. Auf der Ringbahn-Tour D erforscht er daher das Konzept „Ich bin Berliner, Michail Gorbatschow“, das der Künstler Martin Mlecko 1986 in der Yorckstraße realisieren wollte. An einem Kiosk in der Hermannstraße kann jeder, der Berliner werden will, sich registrieren und bekommt einen Sticker. Tour B erforscht die Frage „Was baut man auf Ruinen?“ Eine der Guides ist die Theaterwissenschaftlerin Cory, die lange in New York gelebt hat. Die Tour F zur Ringstadt untermalt sie mit Liedern von Marlene Dietrich, der Hymne „Das rote Wedding“ von Hanns Eisler oder einer Originalrede von Bertolt Brecht aus dem Jahr 1956. Tickets und Kopfhörer-Sets für die Performances gibt es an den S-Bahnhöfen Gesundbrunnen, Sonnenallee und Hohenzollerndamm zu kaufen. Zur Wahl stehen sechs verschiedene Touren vom 28. August bis 20. September, immer freitags, samstags und sonntags.

DDR-Widerstandskünstlerin: Gabriele Stötzer
Noch bis 6. Dezember ist die Ausstellung von Gabriele Stötzer „Dabei sein und nicht schweigen“ im Gropius Bau zu sehen. „Ich bin die Unbekannte aus dem Land, das es nicht mehr gibt“, stellte sich Stötzer vor. Dass die 73-Jährige bislang ein Geheimtipp ist, liegt daran, dass dies ihre erste große institutionelle Einzelausstellung in Berlin ist. Bereits in den 1980er-Jahren besetzte sie mit ihrer Künstlerinnengruppe in Erfurt Keller und Dächer und veranstaltete heimlich Ausstellungen. Von der Stasi sei sie als „Krallenhand des Feindes“ tituliert worden. Nach einer einjährigen Haftstrafe engagierte sie sich im künstlerisch-literarischen Untergrund der DDR.
Berliner Festspiele 2026, das komplette Programm mit allen Programm-Reihen, verschiedene Orte, Tickets am Counter im Gropius Bau oder online über den Webshop.





