Liebe Leserin, lieber Leser,

in dieser Ausgabe von „Genießen in Berlin“ muss ich gleich zweimal Abbitte leisten, und Unangenehmes soll man immer sofort erledigen. Zum einen wies mich eine Leserin in einer Mail mit dem Betreff „Französisch ist schwierig … ja!“ darauf hin, dass „ekelhaft“ im Französischen „dégueulasse“ heißt, nicht „dégueulassant“. Womit sie natürlich recht hat. Und sie übermittelte mir die korrekte phonetische Schreibweise für das französisch ausgesprochene „Sandwich“: sɑ̃dwitʃ. Ich habe während meines Germanistik-Studiums in den 1980ern zwar auch einen Grundkurs in Phonetik gehabt (war Pflicht), bin aber damit nie wirklich klargekommen. Bei jedem Vortrag des Dozenten, bei jeder Übung musste ich an das denken, was meine Kunstlehrerin an der Grundschule mir netterweise in mein Poesie-Album geschrieben hatte: „Nicht indem Du die Blüte zerrupfst, wirst Du ihre Schönheit erfassen. Konfuzius.“ Ein Spruch, der meine Mutter wahnsinnig aufregte, sie fand das extrem unpassend. Allerdings ist er auch sehr wahr. Und da ich glaube, dass die meisten von Ihnen es auch nicht so mit der Phonetik haben, erlaube ich mir, es beim Lautmalerischen zu belassen.

Dennoch: Meine Entschuldigung, verbunden mit meinem Dank für die Hinweise und für die Empfehlung, doch noch mal einen Französischkurs zu belegen, geht an die Leserin in meinem Heimatbezirk Steglitz. Ihnen ebenfalls ein „bon weekend“. Wie sagte der „Kleine Bonaparte“ in „Manche mögen’s heiß“ so treffend? „Irren ist menschlich und vergeben göttlich.“ Woraufhin er Gamaschen-Colombo einen Kuchen schenkt, aus dem ein Attentäter springt … Aber das ist eine andere Geschichte.

Die zweite Abbitte muss ich an „den Fotografen“ leisten. Dessen Frau ließ ihn mir ausrichten, ich solle doch bitte beim nächsten Mal auch seinen Namen reinschreiben, wenn ich ihn schon erwähnen würde, er sei ja nicht irgendein anonymer Assistent. Mich erinnerte das an die legendäre Fernsehsendung „Ars Vivendi“ von Manuel Werner. Sie wissen schon, der Kollege mit dem Schnauzbart, der Restaurants besprach. Wenn ich mich richtig erinnere, war da auch immer vom „Assistenten“ die Rede. Jedenfalls hat auch sie recht, und jeder hat das Recht auf Urheberschaft. Nächstes Mal zitiere ich Maurizio Gambarini also korrekt und vollständig. Versprochen.

Heiße Hunde mit dem gewissen Extra

Damit genug der Entschuldigungen, zumindest für heute. Kommen wir zum eigentlichen Thema, den Leckereien dieser Woche. Die sich vor allem um eines drehen: die Mahlzeit für zwischendurch. Imbiss nannte man das mal, Streetfood heißt es heutzutage.

Hand von Kunde hält einen vegetarischen Hotdog vom Möbel und Einrichtungshaus IKEA
Viele kennen Hotdogs wohl nur von Ikea.© picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer

Dafür machen wir erstmal einen Ausflug zu Ikea. Hä? Verzeihung: Wie bitte? Was haben schwedische Möbel mit Streetfood zu tun? Indirekt so einiges. Denn Ikea bietet ja nicht nur Möbel an. In den Restaurants gibt es die legendären Köttbullar. Und wer dafür nicht die Zeit hat, der macht direkt hinter den Kassen halt. Für einen Hotdog. Würstchen im Brötchen für 2 Euro und dann an der SB-Station schön Soßen, Gurken und Röstzwiebeln draufmatschen. Wir sind in Berlin und da gilt das Motto meiner ersten Freundin: „Umsonst nehmwa allet.“ Das Ergebnis: eine Riesensauerei, weil man viel zu viel auf das Brötchen lädt, alles rausläuft, beim Reinbeißen das halbe Gesicht eingesaut wird und es runtertropft. Eigentlich müsste man beim Essen Nitril-Handschuhe wie in einer Profiküche tragen, die Hände sind hinterher unrettbar dreckig. Das kommt von der Gier. Dégueulasse! 😉

Hotdogs sind längst ein Klassiker. Nicht so beliebt wie Currywurst oder Döner, aber sie haben ihre treue Fangemeinde. In der heutigen Form erfunden wurden sie übrigens von einem Deutschen, Charles Feltman. Der Hannoveraner steckte 1867 auf Coney Island in New York eine Grillwurst in ein Brötchen. Fertig war der Hotdog, auch wenn er da noch nicht so hieß. Er verkaufte sie von einem Handkarren mit Herdplatte aus, angeblich 4000 Stück im ersten Jahr. Der Erfolg war so groß, dass er 1871 das „Feltman Restaurant and Beer Garden“ als stationäres Restaurant eröffnete. 1901 vergrößerte er es zum „Feltman’s German Gardens“ mit 1200 Bedienungskräften. Er starb als reicher Mann. So weiß es „Wikipedia“.

Hotdogs in Berlin
Hotdog-Pionier Ulrich Westermann: Seit 34 Jahren versorgt sein „Hot Dog Laden“ Berlin mit Hotdogs.© Surpress | Manuela Blisse

Um die Bezeichnung ranken sich Legenden. Eine besagt, dass ein Karikaturist einen Dackel in einem Brötchen zeichnete, eine andere, dass die Bezeichnung erstmals in einem Artikel des „Yale Record“ auftauchte. Noch einmal Wikipedia: „Der US-amerikanische Kulturhistoriker Andrew F. Smith weist darauf hin, dass deutschstämmige Metzger in den USA bekannt dafür gewesen seien, ‚wurstförmige Hunde‘ zu halten, nämlich Dackel. Diese Tatsache habe gewisse Assoziationen zwischen deutschen Würstchen und Hunden gefördert.“

1893 trat der Hotdog bei der Weltausstellung in Chicago seinen Siegeszug an. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Heute ist der „heiße Hund“ vor allem in den USA, in Dänemark und in Polen beliebt. Wohl auch, weil man ihn nicht nur klassisch essen kann, sondern er einem Koch viele Möglichkeiten bietet, seine Kreativität auszutoben. Manuela Blisse hat sich auf die Spuren des Hotdogs begeben und ist dabei auf Klassiker und ungewöhnliche Kreationen gestoßen, die aber alle eines gemeinsam haben: Sie schmecken einfach gut.

Gastro-News der Woche

  • Brasserie Colette: Am Sonntag, 23. August, und Montag, 24. August, lädt die „Brasserie Colette“ wieder zum Fünf-Gänge-Menü mit dem Titel „Dicke-Dinger-Dinner“. Küchendirektor Dominik Obermeier serviert unter anderem ein ganzes Straußenei, Gelbflossenmakrele und Hirschrücken Wellington. Dazu entkorkt Restaurantleiter Michael Hollweck flüssige Raritäten. Bis zu zwölf Liter Wein von Sébastien Visentin begleiten den Abend. 250 Euro pro Person, ab 18.30 Uhr, Passauer Straße 5-7, Schöneberg. Infos & Tickets: https://brasseriecolette.de/berlin
  • BBQ Masters 2026: Am 22. und 23. August finden die BBQ Masters 2026 statt, laut den Veranstaltern Deutschlands größtes BBQ-, Grill- und Outdoor-Erlebnis. Geboten werden BBQ-Shows, Tastings, Meisterklassen, Streetfood und BBQ-Spezialitäten, Craft Bier und Spirituosen. Zudem treten die besten BBQ-Teams live gegeneinander an, um die besten Grillmeister aus Berlin und Brandenburg zu ermitteln. Tagesticket 16,90 Euro, Schloß Diedersdorf bei Berlin. Infos & Tickets.
  • Kalle Halle: Erst im September war die Kalle Halle an der Karl-Marx-Straße in Neukölln gestartet. Ähnlich wie am Potsdamer Platz vereinen sich hier unterschiedliche Restaurants in einer großen Halle und bieten Gerichte aus der ganzen Welt an. Wie jetzt bekannt wurde, übernehmen die Anbieter künftig selbst die Verantwortung für den Betrieb vom bisherigen Betreiber. Ziel sei es, das Potenzial des Standorts besser auszuschöpfen. Der Eigentümer des Gebäudes, der Immobilienentwickler MREI, unterstütze die zwölf Gastronomen bei der Infrastruktur und der Vermarktung. Für die Gäste ändert sich erst einmal nichts. Zusätzlich sollen später digitale Bestellsysteme und Self-Order-Terminals installiert werden.
  • Monti: Neues von den Betreibern des Jolesch in Kreuzberg und der Rôtisserie Weingrün in Mitte: Sie eröffnen in der Fichtestraße das „Monti“. Renate Dengg und Max Setrak servieren knusprige römische Pizza. Damit setzen sie sich bewusst vom Trend der fluffig-weichen neapolitanischen Pizza ab. Neben den römischen Pizzen genießen Gäste in dem modern gestalteten Restaurant oder auf der großen Sonnenterrasse mediterrane Vorspeisen, frische Salate, Signature Drinks und eine große Auswahl an Weinen, vorrangig aus Italien, Deutschland und Österreich. Fichtestraße 32, Kreuzberg. Mo-Sa., ab 17 Uhr, www.montipizza.com/

Streetfood aus aller Welt in Berlin

Currywurst mit Pommes von Curry 36 am Zoo, Charlottenburg, Charlottenburg-Wilmersdorf, Berlin, Deutschland
Der Klassiker schlechthin: Currywurst mit Pommes, hier von „Curry 36“ am Zoo.© picture alliance / Schoening | Schoening

Wie zuvor erwähnt, bleiben wir heute beim Streetfood. Warum auch nicht? Die meisten von uns werden deutlich häufiger an einer Imbissbude oder etwas Vergleichbarem sein als in einem Restaurant. Man wird dort ebenso satt, und wenn man eine Stammbude hat, weiß man, dass es lecker ist. Zudem spart man noch viel Geld. Jeder hat wahrscheinlich einen Stamm-Döner und eine Stamm-Currywurst-Bude. Habe ich jedenfalls. Und wenn ich. … Ach so, Sie möchten jetzt wissen, welche das sind? Nun ja, beim Döner ist es der „Schloß-Döner“ an der Schloßstraße in Steglitz, was auch der Nähe geschuldet ist. Und bei der Currywurst ist es die von Mathias Wolf, bekannt als „Curry Wolf“, dessen Stammimbiss an der Rankestraße ist, der aber auch vor dem „Adlon“ steht. Für mich die beste Soße, die so schmeckt, wie sie schmecken muss, vor allem mit der speziellen scharfen Extra-Soße „Opium“ drüber. Aber das ist natürlich nicht nur eine Geschmacks-, sondern auch eine Glaubensfrage. Da kann man sich streiten (muss man aber nicht). Wenn ich jedenfalls einen Dürüm Döner oder eine Döner Box (mit Salat, nie mit Pommes) esse, dann habe ich für den Tag komplett genug. Reicht. Dankeschön. Bei einer Currywurst (da immer mit Pommes und Ketchup) ist das anders, da knurrt nach ein paar Stunden wieder der Magen. Was nicht heißen soll, dass Döner schöner macht.

Aber die Imbiss-Kultur hat natürlich viel, viel mehr zu bieten. Das habe ich erst neulich bei einem Streetfood-Festival in Bonn erfahren können. Wirklich erstaunlich, was da alles angeboten wurde. Und die einstige Hauptstadt kann sich da (nicht nur da) bislang nicht mal mit der heutigen Hauptstadt messen. Dazu muss man nur einen der zahlreichen Wochenmärkte oder eine der Markthallen besuchen. Speziell die Markthalle Neun platzt am Streetfood Thursday aus allen Nähten. Nepal, China, Vietnam, Thailand, Frankreich, USA, Argentinien – die Liste ist schier endlos. Wenn ich da an Mauerzeiten zurückdenke, wo wir den ersten Mexikaner feierten, der damals am Kudamm öffnete, begeistert im China-Restaurant Nr. 44a bestellten oder von südlichen Stränden bei Kostas oder Nikos träumten, während vor uns das Gyros stand. Nein, früher war nicht immer alles besser.

Streetfood Berlin
Jaspa Anchang serviert Streetfood wie in Kamerun an seinem Truck „Papa Africa Kitchen“. © Surpress | Manuela Blisse

Natürlich gab es auch damals schon Restaurants mit exotischen Gerichten. Aber authentisch waren die wenigsten, sondern meistens an den europäischen Gaumen angepasst. Damals hätte niemand originale Szechuan-Küche bestellen können, heute ist sie schon fast alltäglich. Umso besser, die einzige Qual, die man heute noch hat, ist die der Wahl. Manuela Blisse hat sich einige Perlen des Streetfoods herausgepickt, von deutschem Reibekuchen bis zu afrikanischen Kochbananen, und die Stände besucht. Ihre Auswahl finden Sie hier.

Vom Markt ins Restaurant

Markttag
Stephanie Freitag und Birgit Schmarger an ihrem Stand „nudel & co“ auf dem Breslauer Platz.© Winning Words | Gesa Noormann

Nun sind Märkte ja nicht nur Orte für Streetfood. Hier kann man auch häufig deutlich besser einkaufen als in den Supermärkten. Man denke nur an das frische Gemüse aus Brandenburg, Fleisch von Öko-Höfen oder selbstgemachte Nudeln – oder die verführerischen Aufstriche aus der Levante. Mein „Heimatmarkt“ ist der auf dem Breslauer Platz, und da bilden sich manchmal echte Schlangen vor den Ständen. Dort werde ich jetzt auch wieder hinmüssen, denn die Tomaten haben Saison. Und niemand kann Tomaten besser als Horst Siegeris, der „Tomatenkönig von Glindow“. 80 Tomatensorten baut er an und weiß über jede etwas zu erzählen.

Montag bis Samstag

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Wenn ich ihm sage, dass ich die Tomaten auf Vorrat einkochen will – so habe ich auch im Winter welche –, dann stellt er mir seine Chefmischung zusammen. Da kommen dann große und kleine Tomaten verschiedenster Sorten rein, darunter auch ein paar angematschte, aber das ist ja in diesem Fall egal. Zu Hause überbrühe und häute ich sie dann, entkerne sie und koche sie mit etwas Salz und einem Hauch Wasser vor, bevor sie in die Einmachgläser kommen.

Sie meinen, die Tomaten könne man auch gut in der Büchse kaufen? Von Mutti beispielsweise? Sagt meine Frau auch, wenn sie die entstandene Sauerei in der Küche begutachtet. Stimmt natürlich, aber ich freue mich immer, wenn ich meine beliebte Bolognese koche, dass ich dann ein Glas selbst eingemachter Tomaten aus der Abstellkammer hervorzaubern kann.

Markttag
Blick auf den Markt am Kollwitzplatz.© Winning Words | Gesa Noormann

Danach gehe ich meistens noch zu „nudel & co“, um ein paar Maultaschen zu kaufen – wenn es denn noch welche gibt, die sind wirklich beliebt und ich bin nun mal kein Frühaufsteher. Vielleicht ist auch Friedenau inzwischen Schwabenländle? Wer weiß. Und dann? Dann habe ich ordentlich Hunger von all den zur Schau gestellten Köstlichkeiten und den Gerüchen. Also schnell nach Hause und das Eingekaufte sofort kochen. Oder: in ein marktnahes Restaurant gehen. Egal ob auf dem Winterfeldtplatz, dem Breslauer Platz, dem Kollwitzplatz oder dem Karl-August-Platz: Immer gibt es in der Nähe des Marktes eine Gelegenheit, es sich gut gehen zu lassen. Darunter zweimal sogar ein Sternerestaurant. Keine Sorge, beide haben mittags ein sehr bezahlbares Angebot.

Gesa Noormann ist für Sie über die Berliner Märkte getourt und stellt Ihnen jeweils einen besonderen Marktstand sowie ein Restaurant in der Nähe für den Genuss davor oder danach vor.

Damit entlasse ich Sie in Ihr wohlverdientes Wochenende. Heute haben Sie gute Gelegenheiten, von dem internationalen Streetfood zu kosten, Samstag (Sonnabend, wie der Berliner eigentlich sagt) ist ja allerorten Markttag. Oder Sie gehen danach in ein Restaurant. Oder wie wäre es mit einem Hotdog, mal nicht von Ikea? Wie gesagt, in Berlin ist die einzige Qual die der Wahl. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen wie immer eine genussvolle Woche.

Herzlich, Ihr

Alexander Uhl

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