Liebe Leserin, lieber Leser,

Was wird heute wichtig? Hier sind die Termine des Tages:

• In Spandau wird eine Gedenktafel eingeweiht, am Ehrengrab des Bezirksamts Spandau für Hatun Sürücü. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat sich angekündigt.

• Eröffnung der Ausstellung „Lufthansa. Berlin-Tempelhof 1926 bis 1945“ mit Bausenator Christian Gaebler (SPD). Im Fokus stehen die vielfältigen Verflechtungen von Luftfahrt, Staat, Wirtschaft und Militär während der Nazi-Zeit.

• Wiedereröffnung der Mokka-Milch-Eisbar in der Karl-Marx-Allee. Sie war in der DDR einer der beliebtesten Treffpunkte des Berliner Ostens. 

Die Nachricht kam gestern am frühen Abend: Der Berliner Staatssekretär und Chief Digital Officer Matthias Hundt tritt zurück, offenbar wegen Ungereimtheiten mit der Insolvenz seiner Firma. Erst am 18. März wurde er als Nachfolger von Martina Klement ernannt. Das schon hatte massive Kritik hervorgerufen. Frühere Weggefährten und Geschäftspartner hatten ihm die Kompetenz abgesprochen.

Die Staatsanwaltschaft Dresden ermittelt gegen Hundt wegen „verschiedener Insolvenzstraftaten“. Bei einem Verfahren geht es um die inzwischen gelöschte SDC Sachsen Digital Consulting, die IT-Projekte realisieren wollte. Und: In den vergangenen zwei Jahren wurden noch bei zwei weiteren Firmen, an denen Matthias Hundt beteiligt war, Insolvenzverfahren eingeleitet. 

Für den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner eine herbe Schlappe. Hundts Vorgängerin Martina Klement hatte die Verwaltungsreform über Jahre mühsam vorangetrieben. Ihre Nachfolge zerbricht nach gut zwei Monaten. Nun muss Wegner erneut auf Personalsuche gehen. So kurz vor der Wahl im September wird das schwer.

Montag bis Samstag

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Drei Senatoren hat Kai Wegner in drei Jahren verschlissen. Erst vor einem Monat musste er die Nachfolge für Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson organisieren. Schon da gelang keine wirklich tragfähige Nachfolgeregelung, Finanzsenator Stefan Evers (CDU) übernahm die Rolle zusätzlich. Nun, vier Monate vor der Abgeordnetenhauswahl, wird der Posten des Chief Digital Officer womöglich auch vakant bleiben. Die Opposition wird das genüsslich ausschlachten, Wegner wird das zusätzlich schwächen.

Kein Flug nach Übersee

Die Luftlinie ist die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten, die direkteste Art, von hier nach dort zu gelangen – ohne Umweg, ohne Umstieg. Will man in ferne Länder gelangen, ist logischerweise der direkte Weg durch die Luft der schnellste. Von Berlin aus führt der Weg allerdings viel zu oft über Frankfurt, München oder irgendeine andere europäische Hauptstadt.

Auf Anfrage dreier SPD-Abgeordneter wurde nun gestern offengelegt, welche Fernziele BER-Fluggäste tatsächlich ansteuern – und über welche Umwege sie das tun müssen. Die Liste, über die der „Tagesspiegel“ zuerst berichtete, führt Bangkok an: 64.182 Menschen flogen allein 2025 mit Zwischenstopp in die thailändische Hauptstadt. Das reicht rechnerisch für einen Langstreckenjet, der sechsmal pro Woche direkt dorthin abheben könnte. Unter den beliebtesten Fernzielen liegen zwölf in Asien, neun in den USA.

Die Nachfrage ist also da, das Angebot ist es nicht. Vom BER aus erreicht man derzeit nur eine Handvoll Langstreckenziele.

Für eine Stadt, die sich so gern als Metropole versteht, kann das nicht so bleiben. Die Abgeordneten fordern deshalb von der Bundesregierung, die auch Miteigentümerin des Flughafens ist, deutlich mehr Non-Stop-Verbindungen. Ihr Ton ist ungewöhnlich scharf: Das „unsägliche Monopol der Lufthansa“ müsse gebrochen werden.

Der Schlüssel zur Lösung des Problems liegt beim Verkehrsministerium. Dort werden die Verkehrsrechte vergeben, die ausländische Airlines brauchen, um Berlin anzufliegen – im Streit um die Emirates etwa, die seit Langem interkontinental ab Berlin starten will und es nicht darf. Die Lufthansa, deren Drehkreuze in Frankfurt und München liegen, hat an deren Konkurrenz allerdings kein Interesse.

Gestern war Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) zu Gast bei der IHK Berlin. „Veränderungen bei den Langstreckenangeboten haben Auswirkungen auf ganz Deutschland“, sagte er – und meinte damit die Lufthansa-Hubs. Seine Schlussfolgerung: Der Flughafen-Standort Deutschland könnte Schaden nehmen, gäbe es mehr Verbindungen aus Berlin. Übersetzt heißt das: erst die Lufthansa, dann die Hauptstadt. Für Berlin bleibt das Problem damit genau das, was es ist.

Berlin hat die Nachfrage, die Passagiere, die Ziele – es fehlt allein der Wille, die Luftlinie für die Menschen in der Hauptstadt nicht weiter zum Umweg zu verbiegen.

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Seit die Initiative „Zuhause am Tempelhofer Feld“ einen Vorschlag zur Randbebauung vorgelegt hat, wird wieder über das Thema debattiert. Eine gute Idee, findet der stellvertretende Chefredakteur Gilbert Schomaker. Und der Regierende Bürgermeister Kai Wegner hat versprochen, die Pläne prüfen zu lassen, und sagt jetzt unserer Redaktion: „Die Entwicklung dieses einzigartigen Stadtraums in Berlin wird bei der Bildung der nächsten Regierung eine zentrale Rolle spielen.“ Ein Thema, das sich gut im Wahlkampf diskutieren lässt, wie ich finde.

Die Reaktivierung der Heidekrautbahn zwischen Berlin und Basdorf ist immerhin das größte Projekt seiner Art in Deutschland. Immer wieder gab es Verzögerungen, in diesem Jahr sieht es nicht besser aus, wie Jessica Hanack berichtet.

Am Abend des Pfingstmontags musste die Polizei erneut in den Graefekiez in Kreuzberg ausrücken. Dort fielen zum zweiten Mal innerhalb einer Woche Schüsse. Wie unsere Redaktion erfuhr, werden Zusammenhänge zwischen dieser und der Tat am Donnerstag vermutet.

Bis zum Dezember muss Deutschland die EU-Richtlinie zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Plattformökonomie umsetzen. Die Berliner Grünen mahnen deshalb, vor allem die Lieferdienste in der Stadt wie Lieferando, Wolt oder Uber kümmerten sich kaum um Rechte ihrer Beschäftigten. Mit sieben Punkten wollen sie die Probleme in der Branche angehen, berichtet Alexander Rothe.

Das Amt für Statistik hat die Bevölkerungsstatistik für das vergangene Jahr veröffentlicht. Spannend ist vor allem die Zahl der Einpersonenhaushalte. Deren Anteil ist erneut gestiegen.

Ich wünsche Ihnen einen sonnigen Mittwoch.

Ihr Peter Schink,
Chefredakteur

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