Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) kommt erneut unter politischen Druck: Sein Staatssekretär für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung, Matthias Hundt, trat am Dienstag nach Bekanntwerden von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zurück.

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Für Hundt war es am Ende nicht mehr als ein kurzes Intermezzo in der Berliner Senatskanzlei. Nur rund zwei Monate, nachdem er von Wegner (CDU) zum neuen Chefdigitalisierer ernannt worden war, bat er um seine Entlassung. Wegner werde dieser Bitte nachkommen, sagte Senatssprecherin Christine Richter der Berliner Morgenpost. Zuvor war durch eine gemeinsame Recherche von MDR und RBB bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Dresden gegen Hundt wegen mutmaßlicher Insolvenzstraftaten ermittelt.

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Hundt: „Habe den Regierenden darum gebeten, mich von meinen Aufgaben zu entbinden“

„Ich habe den Regierenden Bürgermeister heute darum gebeten, mich von meinen Aufgaben zu entbinden“, schreibt Hundt in einer ersten Stellungnahme, die der Berliner Morgenpost vorliegt. Er habe sein Amt angetreten, um in Berlin etwas zu ändern. Die „aktuelle Medienkampagne“ lasse ihm hierzu keine Chance. Sie sei zudem eine unerträgliche Belastung für ihn und seine Familie geworden. „Ich bedaure sehr, dass es so gekommen ist und wünsche meinem Nachfolger oder meiner Nachfolgerin viel Erfolg bei den anstehenden Aufgaben.“

Wie MDR Investigativ und RBB24 Recherche berichten, muss Hundt sich wegen seiner Vergangenheit als Unternehmer in Sachsen kritische Fragen stellen lassen. Die Staatsanwaltschaft Dresden ermittelt gegen Hundt wegen „verschiedener Insolvenzstraftaten“. Das teilte die Behörde mit. Bei dem Verfahren geht es um die inzwischen gelöschte SDC Sachsen Digital Consulting GmbH, deren Geschäftsführer Hundt war. Die Firma war in Dresden ansässig und gab als Geschäftszweck unter anderem die Planung und Realisierung von IT-Projekten und „Innovationsmanagement im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie“ an.

Im August 2025 hatten laut MDR und RBB zwei Krankenkassen beim Amtsgericht Dresden den Antrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Dies geschieht laut dem Bericht erst, wenn Unternehmen Sozialabgaben trotz Mahnungen über einen längeren Zeitraum nicht abführen. Die Krankenkassen haben sich auf Anfrage nicht zu dem Fall geäußert. Matthias Hundt ließ über seinen Anwalt mitteilen, es habe „Uneinigkeit über die Berechtigung relativ geringfügiger Krankenversicherungsbeiträge“ bestanden. Inzwischen hätte man sich mit den Krankenkassen geeinigt.

Die Ermittlungen seien jedoch bei Weitem noch nicht abgeschlossen, heißt es. Es gilt die Unschuldsvermutung. Hundts Anwalt erklärte dazu gegenüber MDR und RBB: „Die Staatsanwaltschaft gibt uns auf Anfrage derzeit keinerlei Auskunft über einen etwaigen Tatvorwurf oder auch nur darüber, ob es Ermittlungen im Zusammenhang mit der Insolvenz der SDC Sachsen Digital Consulting GmbH gibt.“

Matthias Hundt: Scharfe Kritik an Wegner aus der Opposition

Hundts Rücktritt belastet erneut Wegner und seinen laufenden Wahlkampf. Denn der Fall wirft ein zweifelhaftes Licht auf seine Personalpolitik. Erst vor zwei Monaten hatte Wegner Hundt als Nachfolger der allseits geschätzten, aber in die Brandenburger Landesregierung abgewanderten Martina Klement installiert. Mit seiner „großen Digitalexpertise“ werde Hundt „die Berliner Verwaltung voranbringen“, ließ Wegner zu dessen Ernennung am 18. März mitteilen.

Schnell wurden im politischen Berlin allerdings Zweifel an Hundts Eignung laut. Zuletzt überwarf er sich im Berliner Abgeordnetenhaus sogar öffentlich mit der Vorständin des IT-Dienstleistungszentrums Berlin (ITDZ), Maria Borelli.

Seit dem Stromausfall im Südwesten, als Wegner einräumen musste, dass er Tennis gespielt hatte, ist sein Wahlkampf belastet. Dann kam die Fördergeldaffäre, in deren Folge erst ein Staatssekretär und dann Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson gehen mussten. Die Umfragewerte der CDU sinken seit Monaten. Die Unruhe in der Partei – auch wegen der Pannenserie – nimmt zu.

Die Opposition nutzte Hundts Rücktritt für neue Attacken auf Wegner. „Schon bei der Berufung Hundts war seine Eignung angesichts der Insolvenzen mehr als zweifelhaft“, sagte Tobias Schulze, Fraktionschef der Linken, der Berliner Morgenpost. Hundts Rücktritt sei „folgerichtig“, so Schulze. „Die Mammutaufgabe der Digitalisierung Berlins braucht Profis, die erfolgreich eine riesige Landschaft von fast 100.000 IT-Arbeitsplätzen managen können.“

Deutlich schärfer kommentiert Bettina Jarasch, Fraktionsvorsitzende der Grünen, den Rücktritt. „Wenn die Personalie für die Verwaltungsmodernisierung innerhalb weniger Wochen kollabiert, dann ist das keine Randnotiz mehr. Dann geht es um die Regierungsfähigkeit dieses Senats“, teilte Jarasch mit. „Dem Regierenden Bürgermeister entgleitet zunehmend die Kontrolle über sein eigenes Regierungsteam.“ Mit dem Rücktritt von Hundt drohe das Projekt der Verwaltungsmodernisierung gegen die Wand zu fahren. Es brauche nun eine schnelle Klärung der Verantwortung. Die Verwaltungsmodernisierung könne nicht warten. Wegner hatte die Verwaltungsreform zu einem Kernthema seiner Regierungszeit gemacht.

SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach ließ mitteilen: „Die Bilanz von Kai Wegner zeigt, dass er mit dem Amt des Regierenden Bürgermeisters schlicht überfordert ist.“ Die Auswahl und der Abgang von Herrn Hundt seien ein „weiterer Tiefpunkt“. Es liege jetzt an Wegner, die Verwaltungsreform selbst zu Ende zu bringen.