Großer Umbau im laufenden Betrieb: Auf dem Gelände des 100 Jahre alten Heizkraftwerkes Klingenberg werden alte Heizanlagen abgerissen, neue Leitungen verlegt und moderne Anlagen gebaut, während das Kraftwerk ohne Unterbrechungen weiterläuft. Bis 2030 will Berlins größter Anbieter von Fernwärme, der vom Land Berlin vor zwei Jahren für 1,5 Milliarden Euro von Vattenfall zurückgekauft wurde, keine Kohle mehr verfeuern und 40 Prozent erneuerbare Energien einsetzen.

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Die BEW versorgt mit rund 8000 Gebäuden und 700.000 Wohnungen mehr als ein Drittel der zwei Millionen Haushalte Berlins mit Fernwärme für Heizung und Warmwasser. Das Leitungsnetz der BEW ist nach eigenen Angaben rund 2000 Kilometer lang. Aktuell sind auf dem weitläufigen Gelände des Kraftwerks Klingenberg zwischen Spree, Stichkanal Rummelsburg, ICE-Werk und Bahngleisen 20 bis 30 Arbeiter einer externen Firma mit dem Rückbau der alten Anlagen beschäftigt, erklärte Programmleiterin Carolin Süß. Wo früher eine Kohleverfeuerungsanlage stand, ist heute eine große Freifläche entstanden, die in etwa so groß ist wie drei Fußballfelder.
„Wir haben keinen Schrotthaufen gekauft.“
Franziska Giffey (SPD),, Berlins Wirtschaftssenatorin
Wärmewende soll Berlin schrittweise unabhängig von fossiler Energie machen
Laut Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) ist die Wärmewende der BEW „nicht nur ökologisch notwendig, sondern auch wirtschaftlich tragfähig“. „Wir machen die Hauptstadt Schritt für Schritt unabhängig von fossilen Energien“, betonte Giffey auf der Jahreskonferenz der BEW. Sie ist auch Vorsitzende des Aufsichtsrates. „Wir haben hier keinen Schrotthaufen gekauft“, betonte sie.
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Bis 2045 soll die Fernwärme der BEW klimaneutral, erneuerbar und dekarbonisiert erzeugt werden. Rund 800 Megawatt Energieerzeugung müssen dafür ersetzt werden. Dafür investiert die BEW bis 2030 rund 3,5 Milliarden Euro. Das Unternehmen hat seinen Fahrplan weg von der Kohle hin zur klimaneutralen Energieerzeugung aktualisiert, plant unter anderem den Einsatz von grünem Wasserstoff, will Abwärme aus Rechenzentren nutzen, Erdwärme anzapfen und die Verfeuerung von Biomasse auf 15 Prozent begrenzen. Die Energieerzeugung aus Wärme („Power-to-Heat“) soll als Ergänzung ausgebaut werden. „Insgesamt ein deutlich diverserer und flexibler Wärmemix mit mehr Elektrifizierung“, erklärte die BEW am Dienstag. Zum möglichen Ausbau der tiefen Geothermie wird derzeit ein 3D-Modell des Berliner Untergrundes erstellt.
Zu DDR-Zeiten wurde in Klingenberg Braunkohle verfeuert

Aktuell arbeitet die BEW an 30 Bauprojekten gleichzeitig, neben dem Heizkraftwerk Klingenberg auch in Reuter und am Standort Charlottenburg. Der Rückbau der fossilbefeuerten Anlagen – zu DDR-Zeiten wurde in Klingenberg Braunkohle verfeuert – schreitet massiv voran. 2025 wurden die CO₂-Emissionen auf vier Millionen Tonnen gesenkt, einer Reduzierung von rund 70 Prozent im Vergleich zum Wendejahr 1990.
Mit dem Geschäftsjahr 2025 sei die BEW „sehr zufrieden“, erklärte Geschäftsführer Christian Feuerherd und sprach von einem „erfolgreichen Abschluss“. Das Jahr bezeichnete er als „echten Härtetest“. So sei der Dezember in Berlin so kalt wie seit 15 Jahren nicht mehr gewesen. Die hohe technische Verfügbarkeit und das stabile Netz hätten gezeigt, dass die Berliner Fernwärme krisenfest sei.
Der wirtschaftliche Erfolg schlägt sich in einem Jahresüberschuss von 80,2 Millionen Euro nieder, nach einem eher schmalen Vorjahresergebnis von 15,8 Millionen Euro. Investiert wurden 2025 rund 417 Millionen Euro, vorwiegend in Versorgungssicherheit und Transformation. Das EBIT lag bei fast 101 Millionen Euro. „EBIT“ steht für „Earnings Before Interest and Taxes“ und bezeichnet das finanzielle Ergebnis eines Unternehmens vor Zinsen und Steuern. Diese Kennzahl zeigt an, wie profitabel das operative Geschäft ist. Das positive Ergebnis der BEW bilde die Grundlage für die größte Investitionsphase der Firmengeschichte, betonte das Unternehmen. Abgeschlossen wurde 2025 auch der Verkauf der Aktivitäten außerhalb Berlins.
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Preise für Verbraucher sollen stabil bleiben
Für Kunden und Verbraucher der BEW sollen die Preise für Fernwärme trotz der Mega-Investitionen stabil bleiben, 2025 habe es sogar einen kleinen Preisnachlass gegeben, berichtet Feuerherd. 2026 waren die Preise für Fernwärme um 1,9 Prozent gestiegen. Für die nähere Zukunft rechnet er mit Preisen im Rahmen der allgemeinen Preisentwicklung und Inflation, erklärte Feuerherd. Unsicherheitsfaktoren wie die politische Lage und der Krieg im Iran würden zu einer Verunsicherung der Verbraucher führen, mahnte er. Zufrieden sind dagegen die Mitarbeitenden der BEW: Laut einer aktuellen Unternehmensumfrage sind 84 Prozent mit ihrem Arbeitgeber zufrieden, 80 Prozent hatten sich an der Umfrage beteiligt.






