Der Berliner Mauerweg ist weit mehr als nur ein gewöhnlicher Rad- und Wanderweg; er ist ein lebendiges Denkmal, das sich über rund 160 Kilometer entlang der ehemaligen Grenzanlagen zieht, die West-Berlin einst umschlossen. Wo früher Todesstreifen, Wachtürme und Zäune die Stadt und das Umland brutal teilten, findet man heute eine einzigartige Verbindung aus historischer Aufarbeitung, städtischer Kultur und unberührter Natur.
Die Strecke folgt größtenteils den alten Postenwegen der DDR-Grenztruppen und ist in insgesamt 14 Etappen unterteilt, die jeweils zwischen sieben und 21 Kilometern lang sind. Dies macht den Weg sowohl für sportliche Radfahrer als auch für geschichtsinteressierte Spaziergänger attraktiv, da fast alle Abschnitte hervorragend an das Berliner S- und U-Bahn-Netz angebunden sind. Wir wandern heute auf dem südlichen Teil des Mauerweges von Adlershof über den Dörferblick nach Schönefeld.
Infos zum Weg
- Start: S-Bahnhof Adlershof
- Ziel: Bahnhof Schönefeld
- Distanz: 10 Kilometer
- Wegbeschaffenheit: Asphalt, Schotterwege
- Höhenmeter: 40 m ⬆️, 30 m ⬇️
- Leichte Wanderung
- Gastronomie: Versorgung aus dem Rucksack
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Die Skulptur „Kopfbewegung“ am Forum Adlershof ist das heimliche Wahrzeichen der Wissenschaftsstadt und in den Sommermonaten ein beliebter Treffpunkt.
Wir starten am S-Bahnhof Adlershof und laufen die Rudower Chaussee südwestwärts bis zur Wegedornstraße. Die Bahntrasse teilt den kleinen Treptower Stadtteil in einen nordöstlichen Wohnteil und in die südwestlich gelegene Medien- und Wissenschaftsstadt. Selten liegen Geschichte und Gegenwart so dicht beieinander.
Adlershof, der Name verrät es schon, begann seinen Aufschwung mit ein paar Bauernhöfen. Dann wurde der Teltowkanal gebaut. Das Gewerbe entdeckte den Stadtteil. Der Flugplatz Johannisthal Adlershof war eines der ersten Motorflugfelder der Welt. Hier wurden Wettbewerbe ausgetragen, Rekorde aufgestellt und neue Konstruktionen erprobt. In den 1910er bis 1930er Jahren entstand der „Aerodynamische Park“ mit markanten Forschungsbauten, Windkanälen, Prüfständen und dem Trudelturm, in dem gefährliche Flugzustände am Modell untersucht wurden. Diese Architektur steht heute unter Denkmalschutz und erzählt von einer technisch geprägten Aufbruchsstimmung.
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Durch politische Zäsuren hindurch blieb Adlershof ein Forschungsort. In der NS-Zeit bündelte die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt ihre Arbeiten. Nach 1949 entwickelte die DDR den Standort zu einem Knotenpunkt naturwissenschaftlicher Institute der Akademie der Wissenschaften. Parallel entstand das Fernsehzentrum der DDR: Studios, Werkstätten und Regien machten Adlershof zu einer prägenden Produktionsstätte des ostdeutschen Fernsehens. Auch das berüchtigte Wachregiment „Feliks Dzierzynski“, das als militärischer Arm der Staatssicherheit der DDR galt, hatte hier auf der südlichen Seite der Bahntrasse sein Zuhause.

Wir biegen nach links in die Wegedornstraße ein, kommen am Heizkraftwerk Adlershof vorbei, das nachts wunderbar beleuchtet ist, überqueren erst den Teltowkanal und später die Rudower Straße, bevor wir unterhalb der Rudower Höhe auf den Mauerweg treffen.
Der Rundweg hat eine Länge von etwa 160 Kilometern und folgt dem Verlauf der einstigen Grenzanlagen um West-Berlin. Wo einst Sperranlagen, Kolonnenwege und Signalzäune standen, wo Menschen beim Fluchtversuch in die Freiheit starben, führt heute ein durchgängiger Weg Radfahrer, Spaziergänger und Wanderer durch Parks und Wälder, entlang von Kanälen und über Stadtstraßen.
Weitere Wandertipps
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Markierungen im Boden zeigen den ehemaligen Verlauf an. Relikte wie Fundamentreste, Beleuchtungsmasten oder Spuren von Grenzgräben tauchen unvermittelt auf. Viele Tafeln erzählen Biografien, dokumentieren das Grenzregime und machen deutlich, wie stark die Mauer über Jahrzehnte Stadtentwicklung und Lebenswege bestimmt hat.
Die Rudower Höhe ist keine natürliche Erhebung. Baumaterialien und Erde aus den Bauprojekten der Gropiusstadt wurden hier aufgeschüttet und begrünt. Wir treffen auf eine der unzähligen Tafeln, die entlang der ehemaligen Berliner Grenze an die vielen Todesopfer erinnern.

Der Landschaftspark Rudow‑Altglienicke ist in den Sommermonaten das Zuhause von Wasserbüffeln, die hier als Landschaftspfleger eingesetzt werden.
Etwa 100 Meter weiter südlich, an der Autobahn gelegen, die wie ein eisernes Schwert die Stadtteile Rudow und Altglienicke voneinander trennt, weist eine Erinnerungssäule auf ein längst vergangenes Bauwerk hin. Hier stand im Kalten Krieg eine Radarstation der US‑Streitkräfte. Die Amerikaner bauten einen Spionagetunnel unter der Grenze in den Ostsektor. Das unterirdische Bauwerk verschaffte den westlichen Geheimdiensten Zugang zu den Telefonkabeln der Sowjets, die für die interne Kommunikation der sowjetischen Streitkräfte verwendet wurden. Knapp eine halbe Million Gespräche wurden im Laufe von elf Monaten mitgeschnitten, dann entdeckten die Russen den 450 Meter langen Gang.
Die grünen Wiesen des Landschaftsparks Rudow-Altglienicke sind ein Eldorado für Wasservögel. Die Pflege des Areals übernehmen im Sommer echte Kolosse auf vier Beinen. Tiefschwarze asiatische Wasserbüffel sind in den Sommermonaten die Stars an der Autobahn, was ihnen auch den Spitznamen „Autobahnbüffel“ einbrachte.

Der Südpark am Frauenviertel in Rudow mit seinem Birkenwäldchen und den unzähligen Kirschbäumen zählt zu den schönsten Erholungsgebieten des Bezirks Neukölln. Der Mauerweg führt direkt daran vorbei.
Wir folgen weiter dem Asphaltband Richtung Süden, überqueren die Waltersdorfer Chaussee und genießen anschließend die schneeweißen Kirschblüten im Südpark. Hinter der Schönefelder Straße wird es ruhiger. Kleingärten und nette Vorstadthäuser säumen links den Wanderweg. Rechts weiden auf den großen Flächen, die bereits zu Brandenburg gehören, unter anderem Pferde und Schafe. Es wird ländlich. Der Lärm der Großstadt ist weit weg.
Nachdem wir die Waßmannsdorfer Straße überquert haben, führt der Weg ein paar Hundert Meter zurück in Richtung Stadt. Auf der linken Seite beginnt der Aufstieg zum Aussichtspunkt Dörferblick. Auch diese 85,6 Meter hohe Erhebung ist nicht natürlichen Ursprungs. Es ist ein Schuttberg, der später, nach der Teilung Berlins, auch als innerstädtische Müllkippe genutzt wurde. Heute erholen sich hier ruhesuchende Städter vom Großstadtstress. Der Blick vom Gipfelplateau auf die Gropiusstadt, Waßmannsdorf, hinüber zu den Müggelbergen in Köpenick und auf den Flughafen BER ist fantastisch. Legendär sind auch die Sonnenuntergänge, die sich von hier aus sehr gut beobachten lassen.

Vom Dörferblick aus hat man einen wunderbaren Blick auf den Sonnenuntergang. Am Horizont sieht man den Fernmeldeturm auf dem Schäferberg im Berliner Bezirk Steglitz‑Zehlendorf, dicht an der Grenze zu Potsdam.
Der Abstieg erfolgt auf demselben Pfad wie der Aufstieg. Es geht für ein paar Meter nach Süden die Waßmannsdorfer Chaussee entlang, dann biegen wir links in den Großziethener Weg ein, der uns ohne Umwege bis zu den Dorfteichen von Alt-Schönefeld bringt, wo es am Gymnasium vorbei zur Pestalozzistraße geht – und damit zum Endpunkt unserer Wanderung, dem Bahnhof Schönefeld.








